Die Sommerpause an den Theatern rückt näher, die vierte Spielzeit von Intendantin Barbara Mundel an den Münchner Kammerspielen geht damit auch langsam dem Ende entgegen. Mit einem „Premierenfeuerwerk“, wie ihre Stellvertreterin Viola Hasselberg findet. Tatsächlich zeigte sich die Theaterleitung nach den schwierigen ersten Jahren auf der Pressekonferenz zur Programmvorstellung 2024/25 am Donnerstag sehr zufrieden. 120000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die Auslastung werde die Marke von 60 Prozent knacken, sagte Mundel. Man muss ergänzen: Diese Spielzeit mit einigen wunderbaren Produktionen hätte mehr verdient. In jedem Fall macht die ablaufende Saison Lust auf das Kommende, das unter dem Titel „Auf nach Woanders!“ steht.
So haben die Kammerspiele einen eigenen, durchaus humorvollen Ton gefunden, der sich in der Programmvorstellung widerspiegelte. Man wolle sinnliches und politisches Theater bieten, eine Vielfalt der ästhetischen Formen und internationale Handschriften, sagt die Intendantin. Das ist eine Beschreibung des Vorhandenen wie auch der Entwurf für 2024/25.

Insgesamt 16 Premieren soll es geben, acht davon sind Uraufführungen – zwei von ihnen bilden den Spielzeitauftakt: Am 19. September kommt „Mai san mia“ heraus, eine Uraufführung mit dem Untertitel „Eine bayerische Space Odyssey“. Ausgedacht haben sich den Abend der chilenische Regisseur Marco Layera und der einstige Kammerspiel-Dramaturg Martín Valdés-Stauber. Darin pflegt eine auf einen anderen Planeten ausgewanderte Gemeinschaft bayerisches Brauchtum. Am nächsten Tag, 20. September, richtet der ukrainische Regisseur Stas Zhyrkov den Blick auf das Erbe europäischer Geschichte. Er bringt Natascha Wodins autofiktionalen Roman „Sie kam aus Mariupol“ auf die Bühne, eine Geschichte von Krieg, Zwangsarbeit, Trauma und Spurensuche quer durch das 20. Jahrhundert, von der Ukraine bis nach Deutschland.
Mit beiden Regisseuren verbindet die Kammerspiele eine längere Zusammenarbeit, überhaupt machen sich im ganzen Programm die geknüpften Bande bemerkbar. So werden Felicitas Brucker mit Henrik Ibsens „Baumeister Solness“ und Jette Steckel mit der Adaption von Klaus Manns „Mephisto“ wieder inszenieren – beide haben dem Haus an der Maximilianstraße jeweils zu einer Einladung zum Theatertreffen Berlin verholfen. Serge Aimé Coulibaly spannt in „Balau“ Choreografie und Langgedicht zusammen. Autor Thomas Köck kommt diesmal als Regisseur ans Haus mit dem Satyrspiel „proteus 2481“. Hier wird Samuel Koch die Hauptrolle übernehmen, der nach einigen Gastauftritten nun fest im inklusiven Ensemble ist.
Große Titel wie Franz Kafkas Romanfragment „Amerika“ (Regie: Charlotte Sprenger) oder Shakespeares „Was ihr wollt“ (Regie: Lies Pauwels) stehen ebenfalls im Programm. Und auch Hausregisseur Jan-Christoph Gockel, dessen Münchner Produktionen durchweg sehenswert sind, inszeniert: Mit der Uraufführung „Oh Schreck!“ entwickelt er eine Vampirkomödie, die an Max Schreck erinnert, einst Kammerspielschauspieler, vor allem aber bekannt als Graf Orlok in Friedrich Wilhelm Murnaus ikonischem Film „Nosferatu“.
Etwas komplett Neues gibt es auch: ein Programm aus „Party, Konzert, Performance, Tanz und allem dazwischen“ im Werkraum rund um die „Tamtam Treppenbar“. Niederschwellig und offen will man sein, eben das „Theater der Stadt“, ein Ort, an dem sich das Kammerspiel-Team langsam angekommen fühlt.

