Münchner Kammerspiele Früher war alles besser

"Der Vorschlag-Hammer: Die Antwort" vom 18. März und die Kammerspiele unter der Intendanz von Matthias Lilienthal:

"Früher war's schöner, oder: das Morgen wird es zeigen . . ." - Es fällt mir nicht leicht. Und doch, so scheint es mir, ist es an der Zeit, zu den "neuen Zeiten" an den Kammerspielen Stellung zu nehmen. Ich bekenne mich als einen, der im Genuss eines Premieren-Abos ist (seit zwei Jahren leihweise), als einen, der auch noch ein zusätzliches Abo hat, aber auch als einen, der von der zweiten Reihe die Liebe zum Theater erspüren will, und der doch nun schon jede zweite Aufführung innerhalb seines Abos schwänzt, die Gutschriften stapeln sich in der Zweitwohnung in München.

Einer, der sich an die Premieren von Franz Xaver Kroetz erinnert, mit ihm ein Bier nach der Aufführung trinken konnte, und der sich das sich bei dieser Art "Kammerspielen" nicht mehr vorstellen kann. Warum finde ich nichts Neues in den Aufführungen? Warum würde mich Handke und seine Publikumsbeschimpfung auch heute noch mehr sinnlich ansprechen als Bildschirme auf der Bühne, die, wenn sie schon so wichtig als Akteure sind, einen Namen verdient hätten, auch in der Jahresvorschau.

Die Ankündigung von Lilienthal: Er wolle das Dorf München beschleunigen. Urbanität ist für ihn Schnelligkeit, da ist die Maximilianstraße doch ideal, nirgendwo wird Geld so schnell umgesetzt, nirgendwo wird ein freier Parkplatz neu besetzt, nirgendwo wird so teuer neu angemietet, Urbanität in ihrer schnellsten Form. Lilienthals Theater: Die Kammerspiele, bunt sollen sie sein, provozierend? Ab wann ist Schiesser-Unterwäsche nicht mehr provozierend? Ab dem Zeitpunkt, bei dem Zuschauer abnicken - wissend, ahnend, was da kommen wird.

Ja, ich verzichte auf manch eine Aufführung, ja, denn ich will überrascht werden, ich will angesprochen werden, ich möchte mich auseinandersetzen, ich möchte Empathie leben, ich möchte sinnlich angesprochen werden, all das meine ich zu vermissen. Und so kommt mir der Satz "Früher war es besser" so leicht über die Lippen, denn heute erscheint mir das nach außen dargestellte Provozieren eines Intendanten so ungefährlich wie die Entscheidung eines Beamten, seine Unterschrift mit der linken oder mit der rechten Hand zu schreiben. "Das Morgen wird es zeigen." Horst Weller, Nürnberg

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