Kritik:Klare Signale

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Das Münchner Kammerorchester startet mit einem seiner drei Associated Conductors in die Spielzeit.

Von Michael Stallknecht, München

Mit dem ersten Abokonzert im Prinzregententheater beginnt für das Münchener Kammerorchester (MKO) eine experimentelle Ära: Erstmals wird man nicht mit einem Chefdirigenten arbeiten, sondern mit drei "Associated Conductors". Deren erster, Enrico Onofri, nun mit der "Posthorn-Serenade" KV 320 von Wolfang Amadé Mozart zeigte, dass er eines der zentralen Spielfelder des MKO beherrscht: Werke der (nicht nur Wiener) Klassik.

Als ehemaliger Konzertmeister des Barockensembles "Il Giardino Armonico" kommt der Italiener von der historischen Aufführungspraxis, setzt entsprechend harsche Akzente und klare Kontraste, wählt insgesamt rasche Tempi. Umso deutlicher wird das Andantino des fünften Satzes zum langsamen Höhepunkt von abgründiger Melancholie, auf die Mozart selbst in einem Werk für einen Studentenabschied - daher das Posthorn-Solo - verfällt. Was auffällt, ist Onofris Sinn für die plastische Durchformung von Phrasen und für eine lebendige Binnendynamik. Es bringt die hier besonders üppigen Holzbläsersoli zur Geltung, angeführt vom leuchtenden Ton der Flötistin Chiara Tonelli.

Nicht weniger klar wirkte Onofri zuvor in den "Folk Songs" von Luciano Berio, die ein weiteres Spielfeld des MKO bezeichnen: Werke des späteren 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Es sind neun echte - und zwei erfundene - Volkslieder aus aller Welt, die der italienische Komponist raffiniert neu instrumentierte und die vor allem der Mezzosopranistin unterschiedlichste Farben abverlangen: Marie-Claude Chappuis pendelt virtuos zwischen eher volks- und eher klassiknaher Stimmgebung, baut Portamenti und Juchzer ein, kann ebenso rhythmisch pointieren wie die Stimme - in der Höhe leuchtender als in der Tiefe - frei schwingen lassen. Und bringt zur Zugabe noch ein Volkslied aus ihrer eigenen, Schweizer Heimat ein, begleitet ebenfalls von einem Horn: dem Alphorn. Ein Auftakt mit Signalwirkung.

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