Münchner Innenstadt Wer sind die Händler vom Viktualienmarkt?

Ein Landmetzger bietet am Viktualienmarkt Wurst- und Fleischwaren an. Die Häuserzeile mit ihrer Ansammlung von Metzgereigeschäften besteht bereits seit dem Jahr 1315.

(Foto: Stefanie Preuin)

Ein neues Buch beschreibt anhand von 27 Beispielen den berühmten Münchner Markt - vom Pferdemetzger bis zum Saftladen. Eine Auswahl der Geschichten.

Von Franz Kotteder

Manche Münchner besuchen ihn das ganze Jahr nicht, "wegen der Apothekerpreise", wie sie sagen. Obwohl sie die ja eigentlich gar nicht kennen dürften, wenn sie nicht hingehen. Manche Münchner gehen sehr gern hierher - wurscht, was es kostet - und loben die Qualität und die riesige Auswahl. Sie nennen den Markt lässig V-Markt, analog zum C-Turm wahrscheinlich, manchmal auch Vik-Markt, Hauptsache abgekürzt, denn "Viktualienmarkt" ist einfach unaussprechlich lange für einen gehetzten Großstädter. Andere versuchen, den Markt im Sommer zu meiden, weil sie sonst nämlich todsicher im Biergarten hängen bleiben und dann doch, entgegen aller Vorsätze, die eine oder andere Halbe oder Mass trinken, wenn zufällig ihr Lieblingsbier ausgeschenkt wird. Denn hier und nur hier in München, wird alle paar Wochen ein anderes Bier von den Münchner Großbrauereien ausgeschenkt.

Insofern ist ein Buch, das "Der Viktualienmarkt - Mit Leib und Seele" (Volk-Verlag, 216 Seiten, 29,90 Euro) betitelt ist, eigentlich unvollständig, wenn es diesen Biergarten sozusagen links liegen lässt. Aber möglicherweise gehören die Autorin Katja Klementz und die beiden Fotografinnen Sabine Mader und Ulrike Schmid ja zu der Fraktion, die dem Biergarten lieber aus dem Weg geht? Man kann es sich kaum vorstellen, so liebevoll und eindrücklich sie den Markt schildern. Eine Auswahl war aber nun mal nötig, und so haben sich die drei auf 27 Stände beschränkt, und sie haben dabei die unterschiedlichen Charaktere der vielen, einzelnen Standlbetreiber sehr schön auf den Punkt gebracht.

"Er ist ein Ort", schreiben die drei über den Viktualienmarkt, "an dem alle mit Passion und Überzeugung nicht nur an ihre körperlichen Grenzen gehen. Hier arbeiten Menschen, die nicht täglich hinterfragen, was sie tun. Sie tun es einfach." Da gibt es in Gestalt von Kaspar Wörl den letzten Münchner Pferdemetzger, der auf seinem Hof in Wiedenzhausen noch selber schlachtet. Oder nur ein paar Meter weiter den Metzger Matthias Eisenreich, bei dem man nahezu alles vom Schlachtvieh bekommt: vom Spanferkelkopf für die Schweinskopfsülze bis hin zum Ochsenschwanz. Man erfährt, dass der Leberkäs jeden Morgen vom Hof der Eisenreichs in Türkenfeld kommt, und dass Mutter Sophie Eisenreich vor allem aus Gefühlsgründen mit im Laden am Viktualienmarkt steht: "Wenn ich bei uns am Hof arbeiten würde", sagt sie, "bei mir würde kein Tier sterben."

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Bei anderen war's auch ein Gefühl, das sie auf den Viktualienmarkt trieb, die Liebe nämlich. Michaela Schmidt, deren Eltern 1984 den ersten Saftladen hier etablierten, lernte ihren Mann Mabrouk auf Djerba kennen, verliebte sich in ihn und lernte für ihn Französisch. Das hat ihn so beeindruckt, dass er mit nach München kam und sie heiratete. Heute wird der stets Freude ausstrahlende Tunesier von allen nur "Chico" genannt und trägt durch seine enorme Flirtkompetenz nicht unerheblich bei zum Saftabsatz im Laden.

Naturgemäß funktioniert das im Sommer besser als im Winter, auch deshalb, weil die Marktleute dann, wenn es richtig kalt ist, bis zur Nasenspitze eingemummt sind und aussehen "wie ein Teddybär", so Elfriede Kohlhuber vom Geflügel- und Eierstand Schmon. Oder wie Susanne Hofmann vom Tölzer Kasladen gerne witzelt: "Warum werden die Marktweiber nicht schwanger? Bis sie sich ausgezogen haben, ist der Mann eingeschlafen."

So erzählt Katja Klementz eine amüsante Geschichte vom Markt nach dem anderen, ohne falsches Romantisieren. Man erfährt, dass die viel gelobten Brezen von Karnolls Back- und Kaffeestandl auch nur tiefgefrorene Teiglinge sind, aber trotzdem irgendwie besser schmecken. Vielleicht, weil die Atmosphäre stimmt und der Kaffee hier einfach nur "Kaffee" heißt und nicht "to go"? Genau lässt sich das nicht sagen. Der Viktualienmarkt ist halt ein eigener Mikrokosmos, mit seinem ganz eigenen Charme.

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