Schwabing Verkäuferin an der Münchner Freiheit: "Ich stehe vor dem Nichts"

Üveyde Bulut ist fassungslos, dass der Mietvertrag für ihr Geschäft nicht verlängert wird, obwohl ihr die Stadtwerke die Erlaubnis zur Sanierung des Ladens in Aussicht gestellt hatten.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Üveyde Bulut betreibt seit fünf Jahren den kleinen Snackladen "Panem" im Zwischengeschoss an der Münchner Freiheit.
  • Nun haben die Stadtwerke München (SWM) ihr gekündigt. Auf SZ-Anfrage nennt die SWM "mietvertragswidrigen Alkoholverkauf" als Grund.
  • Doch der Alkoholverkauf sei ihr von einer SWM-Mitarbeiterin mündlich ausdrücklich gestattet worden, beteuert Bulut.
Von Stefan Mühleisen

Warum nur? Üveyde Bulut beschäftigt diese Frage jetzt seit mehr als vier Monaten. Sie ist an die Stadtwerke München (SWM) gerichtet, sie hat bisher keine akzeptable Antwort erhalten. "Warum haben sie mir gekündigt, es gibt keinen Grund und sie nennen auch keinen", sagt die 38-Jährige sichtlich aufgewühlt und fügt hinzu: "Ich stehe vor dem Nichts."

Üveyde Bulut hat seit 2014 den kleinen Snackladen "Panem" im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Münchner Freiheit, vis-à-vis von der Bäckereifiliale Wimmer, von den Stadtwerken gepachtet, der Eigentümerin der dortigen Gewerbeflächen. Bulut verkauft Sandwiches, Gebäck, Getränke. Das Geschäft läuft ganz gut, so gut, dass sie und ihr Mann sich entschlossen hatten, bis zu 120 000 Euro für eine Komplettsanierung zu investieren. Doch daraus wurde nichts. "Wir haben auf die Verlängerung des Vertrags gewartet, stattdessen kam die Kündigung", berichtet Bulut, immer noch fassungslos über dieses Schreiben, das sie von dem städtischen Eigenbetrieb im Februar 2019 erhalten hat. Seitdem fragt sie sich immer und immer wieder: warum? Zum 6. Oktober 2019 muss sie raus.

Design im Untergrund

U-Bahn-Stationen wie Kunstwerke

Nach Buluts Worten fanden die ersten Gespräche mit der SWM über eine Rundumsanierung des um die 30 Quadratmeter großen Ladens im Frühjahr 2017 statt. Mit von der Partie soll auch ihre direkte Nachbarpächterin eines Getränkeverkaufs gewesen sein, die etwa ein Drittel der Gesamtfläche des Gewerbesegments belegt. Alles sollte saniert werden, die Wasser- und Elektroinstallation, das Mobiliar, der Boden; die Kosten wollte man sich teilen. Bulut schickte per Mail Pläne an die SWM, reichte auf Verlangen auch ein Brandschutzgutachten nach; eine SWM-Mitarbeiterin habe persönlich vorbei geschaut, der Termin für den Start der Arbeiten sei für Ende August 2018 vereinbart worden.

"Aber dann hat sich niemand mehr gemeldet", erzählt sie. Der vereinbarte Termin verstrich. Immer wieder habe sie angerufen, doch ihre SWM-Kontaktperson sei nicht erreichbar gewesen, monatelang. "Die haben immer gesagt, die Frau meldet sich, wenn sie wieder da ist." Doch plötzlich war dann das Kündigungsschreiben da, genauer: Die SWM erklärte, dass der Mietvertrag nicht verlängert wird und spricht "vorsorglich" die ordentliche Kündigung aus, wie Buluts Anwalt Fred Simnacher aus dem Schreiben zitiert. Aber warum?

Auf Anfrage der SZ erklärt ein SWM-Sprecher schriftlich dazu folgendes: Bei einem Gespräch im März 2019 sei der Familie Bulut das "regulär auslaufende Mietverhältnis" erläutert worden. "Unter anderem ging es dabei auch um den mietvertragswidrigen Alkoholverkauf, wegen dem die Mieterin im vergangenen Jahr von den SWM abgemahnt wurde." Zuvor habe es "unverbindliche Gespräche über eine mögliche Verlängerung über die Laufzeit hinaus" gegeben, wobei "in diesem Zusammenhang keine konkreten Verhandlungen und Vereinbarungen geführt bzw. getroffen" worden seien. "Ein Planungsaufwand von Frau Bulut ist uns nicht bekannt."

Das lässt sich allerdings nach Simnachers Einschätzung widerlegen. "Es gibt umfangreiche Korrespondenz", sagt der Rechtsanwalt. Darunter soll auch eine E-Mail der SWM-Immobilienabteilung sein, in der explizit die Erlaubnis für die Umbaumaßnahme erteilt wird. "Wir sind nicht auf Streit aus", betont Simnacher. "Wir wollen Verhandlungen über die Weiterführung des Mietvertrags aufnehmen, denn Frau Bulut hat ihre Existenz in dieses Geschäft gelegt." Sie selbst bezeichnet den Laden als "ihr Baby", weit mehr als 10 000 Euro habe sie in die Instandhaltung gesteckt - und mag bei sich kein Fehlverhalten erkennen. Der Alkoholverkauf sei ihr von einer SWM-Mitarbeiterin mündlich ausdrücklich gestattet worden. So fällt wieder die Frage: warum?

Wirtschaft in München In München gibt es keine Spätis? Nicht ganz

Kiosk-Kultur

In München gibt es keine Spätis? Nicht ganz

Die Münchner Kiosk-Kultur ist etwas für Experten. Man muss nur wissen, wohin, wenn man nach Ladenschluss akutes Bierkauf-Bedürfnis verspürt. Und sich trauen.   Von Elisa Britzelmeier