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Münchner Freiheit:Eine Tropfsteinhöhle als Tram-Haltestelle

Pop-Konstrukt in perlmutt-weiß und grün: Für die neue Straßenbahnlinie 23 entsteht an der Münchner Freiheit nun eine spektakuläre Wartehalle.

Einst überragte ein schwarz glänzendes Hochhaus die terrassenartige Konstruktion des Forums. Dann wurde der kanariengelbe Steidle-Bau neben dem Leopold-Kino hochgezogen - die Münchner Freiheit war schon immer ein klein wenig markanter als andere Münchner Plätze. Und nun also noch eine weiß-grüne Tropfsteinhöhle. Diese Woche rücken am einstigen Busbahnhof die Arbeiter an, um das spektakuläre Dach der neuen Tram-Haltestelle zu montieren. Die Stahlelemente wurden in Österreich vorproduziert und sollen per Schwertransporter in Schwabings Mitte gelangen.

Kaverne oder Kathedrale? Eine Simulation zeigt die umstrittene Dachkonstruktion für die neue Wartehalle an der Münchner Freiheit.

(Foto: Foto: oh)

Mit der Aufstellung der 400 Tonnen wiegenden Konstruktion, die vom Aachener Büro "Ox2" entworfen wurde, geht der Bau der Parkstadt-Tramlinie 23 in seine Schlussphase. Am 12. Dezember wird sich der erste Zug von der Münchner Freiheit aus auf den Weg gen Norden machen. Bis dahin soll auch die Neugestaltung des U-Bahnhofs abgeschlossen sein.

Die grün-weiße Dachkonstruktion, die je nach Sichtweise an eine Kaverne oder Kathedrale erinnert, hat in den vergangenen Monaten zu heftigen Diskussionen in Schwabing und vor allem im dortigen Bezirksausschuss geführt. Denn das mächtige, auf 18 Säulen ruhende Bauwerk, das mit einem klassischen Wartehäuschen nicht mehr viel gemein hat, sollte ursprünglich aus Kunststoff bestehen.

Probleme mit Statik und Brandschutz ließen den Bauherrn, die Stadtwerke, aufs altbewährte Material Stahl umsteigen - zum Entsetzen vieler Ästheten, die nun um die Wirkung des kühn geschwungenen Regenschutzes bangten.

Es ist wie immer: Die Trambahn polarisiert

Bemängelt wurde zudem, dass weitere im ursprünglichen Entwurf vorgesehene Neuerungen, darunter eine "Spanische Treppe" zum Forum der Münchner Freiheit, ein Brunnen sowie ein neuer Zugang samt Lichtöffnung ins Untergeschoss, plötzlich aus den Plänen verschwunden waren. Die MVG beteuert allerdings, dies könne bei einer etwaigen Neugestaltung der Münchner Freiheit immer noch nachgeholt werden - derzeit gehe es schlicht um das Projekt Trambahn.

Der Aufbau des Daches soll mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Die Farbe wird erst ganz zum Schluss aufgetragen: perlmutt-weiß und grün. Das Pop-Konstrukt bildet die südliche Endhaltestelle der rund drei Kilometer langen Parkstadt-Tram, die mit fünf Zwischenstopps bis zur ehemaligen Funkkaserne am Frankfurter Ring führt.

Erst mitten auf der Leopoldstraße nordwärts, auf Höhe Parzivalplatz biegen die Züge dann ostwärts auf ein altes Gütergleis ab und queren auf einer 84 Meter langen Tragseilbrücke den Mittleren Ring - direkt oberhalb vom Ostportal des Petueltunnels. Die Gleistrasse ist inzwischen weitgehend fertiggestellt, nur auf der südlichen Brückenrampe sowie auf Höhe des Metro-Marktes fehlen noch einige Schienen. Die Masten ragen derzeit noch recht einsam in den Himmel, der Fahrdraht wird erst bis Mitte September montiert.

Mit der Tramstrecke, die im Zehn-Minuten-Takt befahren wird, reagiert die Stadt auf die prognostizierten 6000 Bewohner und 18.000 Arbeitsplätze in den neuen Vierteln zwischen Schenkendorfstraße und Frankfurter Ring. Die neue 23er fungiert allerdings als reiner Schwabing- und U-Bahn-Zubringer - mit dem übrigen Tramnetz ist sie nur über eine Betriebsstrecke in der Parzivalstraße verbunden.

Weitergehende, von Verkehrsexperten als sinnvoll erachtete Ideen, die Trasse von der Münchner Freiheit durch die Herzog- bis zur Belgradstraße fortzuführen, hat das Rathaus nach heftigen Protesten der traditionell als SPD-Klientel geltenden Schwabinger Anwohnerschaft hastig wieder zu den Akten gelegt. Es ist halt wie immer: Die Trambahn polarisiert.

© SZ vom 10.08.2009/af

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