Jazz "Bei Männer-Bands will keiner wissen, warum da nur Männer drin sind"

Zur Not tut's auch ein Schwimmbad ohne Wasser: Die Frauen-Big-Band Siea fühlt sich eigentlich dem Meer ziemlich nah. Das gibt es in München aber nicht.

(Foto: Christian Seitz)

Schon der Name ist ein Statement: In der ausschließlich weiblich besetzten Münchner Big-Band "Siea" dürfen Männer nur aushilfsweise mitmachen.

Von Michael Zirnstein

In einer gleichberechtigten Pop-Welt müsste man nicht lange darüber reden, dass Siea eine reine Damenkapelle ist. Aber: der Pop, der Jazz, der Rock - "It's A Man's World", würde James Brown dazu singen. Und so wird geredet über Siea. "Die einen sind sofort interessiert und finden's megagut", sagt die Big-Band-Leaderin Antonia Dering. Die anderen kämen gleich mit der Klischeekeule: "Ach, ihr Ratschen, kommt ihr da überhaupt zum Arbeiten?"

Aber hat sie es nicht genau darauf angelegt, ein weibliches Zeichen zu setzen, als sie vor gut einem Jahr einen großen Haufen Kolleginnen, mit denen sie in München Jazz studiert hat, um sich scharte. "Nun ja", sagt Dering und wägt kurz den feministischen Impetus ihres Projektes ab, "wenn man eine Band nur mit Frauen gründet, ist das immer ein Statement". Was man schon an den Fragen danach erkenne: "Bei Männer-Bands will keiner wissen, warum da nur Männer drin sind." Es gibt also durchaus etwas zu tun.

Es fängt schon mit dem Namen an: Siea ist ein eindeutig zu googelndes Kunstwort aus Sie und Sea, spricht sich genau wie das eine und das andere aus, und soll auch sowohl das eine als auch das andere bedeuten: Es geht um das Weibliche ebenso wie um das Meer, das auch für die weibliche Kraft steht, wie jeder Matrose ("Seemannsbraut ist die See ...") bestätigen kann.

Das Thema zieht sich durch alle Videos, die die Band bisher ins Netz gestellt hat. Viele davon sind eher Appetithappen auf etwas heranbrandendes Großes, etwa "Crawling just to claim", bei dem eine Tubistin mit Taucherbrille der kroatischen Adria entsteigt. Bei "Dancing with the Siea" ist es eine Person mit kupferner Taucherglocke, welche auch im ein wenig nach dem Smart-Pop der Künstlerin Feist klingenden "Waves" durch eine Wüste tappt und bei Auftritten über die Bühne tanzt. Unter dem Pappmaché-Helm: Antonia Dering.

Das künstlerische Gesamtkonzept, das Performative ist ihr wichtig - und das ist vielleicht eine weibliche Note an der Band (so wie es auch die schmerzlich vermisste Münchner Szene-Frauenband Damenkapelle ausgereizt hat, in deren Lücke Siea nun unbeabsichtigt stoßen). "Da kommen wir her", sagt Dering, die am Staatstheater Thüringen komponiert hat und mit dem Stück "Esperantos der Klang des Meeres" auf einem Katamaran einige Ostseehäfen bespielt hat.

Sie meint auch ihre Schwester Carlotta, die an der Berliner Oper Herrenmaßschneiderin gelernt hat. "Wir kümmern uns um die Ausstattung, die Kostüme und die Drehbücher." Sie hin, Sea her, es darf nur nicht seicht werden. "Keine Meerjungfrauen oder Piratinnenpartys", sagt sie, es geht mehr um das Schillern des Meeres, das Bodenlose, den Sog.