Münchner Flughafen:IHK-Studie wirbt für dritte Startbahn

Keine Tricks beim Bau der dritten Startbahn

Ohne eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen würde Oberbayerns Wirtschaft nicht so stark wachsen - das behauptet eine IHK-Studie.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern kommt zu dem Schluss, dass der Münchner Flughafen eine dritte Startbahn braucht.
  • Ohne den Ausbau würde die Wirtschaft in Oberbayern nicht so stark wachsen.
  • Die Macher der Studie argumentieren mit steigenden Passagierzahlen und mehr Arbeitsplätzen. Politiker kritisieren die Analyse als "bestelltes Gutachten".

Von Christoph Dorner

Die Industrie und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern fordert dringend den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen und hat dazu am Dienstag eine neue Studie vorgestellt. Darin kommt die Hamburger Unternehmensberatung Uniconsult zu dem Schluss, dass ohne Ausbau die Wirtschaft Oberbayerns deutlich geringer wachsen werde.

"Wir stehen heute nicht am Beginn einer Öffentlichkeitskampagne", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen bei der Vorstellung der 80-seitigen Studie. Gleichwohl wirbt die IHK nach dem verlorenen Münchner Bürgerentscheid im Jahr 2012 deutlich für den Ausbau, weil sie um den Wirtschaftsstandort Oberbayern fürchtet. Dazu hat sie die Berater von Uniconsult beauftragt, die deutschlandweit Flughafengesellschaften unterstützt und zuletzt 2013 auch ein Entwicklungskonzept für den Flughafen Nürnberg erstellte.

Die Unternehmensberater werteten Verkehrsprognosen und volkswirtschaftliche Daten aus und trugen 27 Testimonials aus der Flughafen-Region zusammen, die in der Studie mit kurzen Statements für den Bau der dritten Startbahn warben. Münchens Messechef Klaus Dittrich ist unter den Werbeträgern, Anton Kathrein, Chef des Weltmarktführers für Satellitentechnik, sowie Innegrit Volkhardt, Geschäftsführerin des Hotels Bayerischer Hof. Ein Münchner Dax-Unternehmen findet sich indes nicht unter den Fürsprechern. Die hatten sich bereits im Vorfeld des Bürgerentscheids mit einer eindeutigen Positionierung für den Flughafenausbau zurückgehalten. Münchens Flughafenchef Michael Kerkloh hatte deshalb von "fehlender Zivilcourage" seitens der Münchner Wirtschaft gesprochen.

Rückläufige Flugbewegungen vs. steigene Passagierzahlen

Uniconsult-Gutachter Oliver Boldt bestätigte am Rande der Pressekonferenz zwar, dass es auch Gespräche mit Dax-Unternehmen gegeben habe. Diese wollten ihre positive Einstellung zum Flughafenausbau jedoch nicht öffentlich bekräftigen. Ohnehin sei es bei den Testimonials darum gegangen, die Branchen, die auf den Ausbau des Flughafens am stärksten angewiesen seien, in ihrer Vielfalt abzubilden, sagte Boldt.

Während die Gegner der dritten Startbahn auf die rückläufige Zahl der Flugbewegungen am Münchner Flughafen verweisen, betrachten die Autoren der Studie die steigenden Passagierzahlen als maßgebend für die wirtschaftliche Entwicklung. Die sollen von knapp 40 Millionen Passagieren im Jahr 2014 auf 58,2 Millionen im Jahr 2025 steigen. Insbesondere für Geschäftsreisende müsse München als wichtiges europäisches Drehkreuz gestärkt werden, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Driessen. Hier stehe München in einem harten internationalen Wettbewerb, vor allem mit Drehkreuzen im Mittleren Osten.

"Bestelltes Gutachten"

Durch den Bau einer dritten Startbahn würde auch die Zahl der Beschäftigten am Flughafen steigen, von derzeit 32 000 auf 53 000 im Jahr 2025, schreiben die Autoren der Studie. Im Falle eines "Status Quo" würden im gleichen Zeitraum nurmehr 4500 Arbeitsplätze für hoch- und geringer-qualifizierte Erwerbstätige entstehen. Die Bruttowertschöpfung des Flughafens steige dann bis 2035 nicht um 60 Prozent, sondern lediglich um 18 Prozent. Letztlich würde dadurch die wirtschaftliche Entwicklung Oberbayerns, ja ganz Bayerns, eingebremst, sagte Driessen.

Der Freisinger Landtagsabgeordnete der Grünen, Christian Magerl, sprach in einer ersten Reaktion von einem "bestellten Gutachten" und "Rechenakrobatik". Die IHK sei eine "Startbahn-Lobby-Organisation". Die Zahl der Starts und Landungen am Münchner Flughafen sei seit 2008 rückläufig. Wegen der Kapazitätsreserven brauche es deshalb auch keine dritte Start- und Landebahn.

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