Münchner Comicfest Vom Leben gezeichnet

Ob man mit Superman 75. Geburtstag feiert, Robert Crumb, den alten Herren des Undergroundcomix, trifft oder einfach nur in den neuen Schätzen der Branchen stöbert: Das Comicfest gibt dazu an 15 Orten in der Münchner Innenstadt Gelegenheit.

Von Sabine Buchwald

Er ist der Held der Helden, der Urvater aller Muki-Männer, die das unmöglich Scheinende möglich machen: Superman. In diesem Jahr feiert er seinen 75. Geburtstag. Nie hat er an Kraft verloren, egal welcher Zeichner den Mann vom Planeten Krypton gegen das Böse antreten ließ. Nur die Hindernisse, die er aus dem Weg räumen muss, haben mit den Jahren ihre Form verändert. Schön zu beobachten in der Ausstellung im Künstlerhaus, die auch das Cover des Heftes Action Comics Nr. 1 zeigt, das im Juni 1938 die erste Superman-Geschichte von Erfinder Jerry Siegel und Zeichner Joe Shuster veröffentlichte.

Als Titelheld lüpft der Starke im blauen Anzug ein Automobil seiner Zeit mit harmonischen Rundungen. Comics sind Zeitdokumente, und als solche geht ihr Wert für den Leser heute weit über die schiere Unterhaltung hinaus. Ein Comicfestival, wie es nun von Mittwoch, 29. Mai, bis Sonntag, 2. Juni, an in München ansteht, ist daher nicht nur ein Geschichten-, sondern auch ein großer Geschichtskongress mit Ausstellungen, Gesprächen, Vorträgen und der Möglichkeit für Entdeckungen.

Das Festival bietet auch Raum für Begegnungen: Eine kleine Sensation sind die Termine mit den alten Herren der U-Comix, Robert Crumb ("Fritz The Cat") und Gilbert Shelton, am Donnerstag um 19 Uhr; auch Kollege Denis Kitchen wird zu erleben sein (Sonntag, 17 und 19 Uhr).

Wenn nicht in Künstlergesprächen, so präsentieren sich in vielen Signierstunden und Ausstellungen lokale Größen wie Christian Moser (Monster des Alltags), Jan Reiser (SZ-Kinderreporter), Jan Gulbransson (Ducks in Deutschland) und internationale Stars wie Rags Morales, der als Superman-Zeichner am Samstag, 17 Uhr, erzählt, sowie Yoann und José-Luis Munuera von Spirou. Das belgische Magazin ist ebenso alt wie Superman, es gilt also einen weiteren 75. Geburtstag zu feiern, dazu den 40. des schrecklichen Wikingers Hägar und den 50. des kleinen Wickie.

10.000 Besucher kamen 2011 zum Comicfestival. Das Interesse an Bilder-Storys dürfte seitdem noch gestiegen sein, die Zahl der Neuerscheinungen spricht dafür. Ein Grund sind sicher Graphic-Novels, Comics in Romanform, die neue Leserschichten ansprechen und das Genre aus der Schmuddelecke holen. Nicht wirkungslos bleibt die Präsenz jüngerer Frauen in der Zeichnerszene: die Hamburgerin Isabel Kreitz etwa, die Münchnerin Barbara Yelin oder Laura Zuccheri aus Bologna. Sie und andere wie Milo Manara und Manuele Fior vertreten das Gastland Italien.

Weil München kein Haus bietet, an dem alle Veranstaltungen unter einem Dach stattfinden könnten, verteilt sich das Festival auf gut 15 Orte quer durch die Innenstadt. Zentraler Treffpunkte sind das Alte Rathaus am Marienplatz und das Künstlerhaus am Lenbachplatz. Im Rathaus stellen sich 50 Händler und kleinere Verlage vor. Der Eintritt ist frei, dort findet sich auch einen Stand, der über alle Angebote informiert. Im Künstlerhaus sind die großen Editionen vertreten. Sogar mit Workshops und viel Futter für die Augen - wie Superman-Comics.

Comicfestival München, Mi., 29. Mai, bis So., 2. Juni; geöffnet Do. 12-19 Uhr, Fr./Sa. 10-19 Uhr, So. 10-18 Uhr; Kinder bis 10 Jahre frei; Tageskarte für Erwachsene 8 Euro; Programm unter www.comicfestival.de