Die gute alte Vinylplatte mag sich im Zuge der anhaltenden Retromanie weiterhin großer Beliebtheit erfreuen, doch in den Clubs beziehungsweise hinterm DJ-Pult sieht es dann doch noch mal etwas anders aus. Während ergraute Legenden wie der Detroit-Techno-Pionier Jeff Mills oder der deutsche Techno-Übervater Sven „Papa“ Väth bis heute mit Teilen ihrer gigantischen Plattensammlungen durch die Welt ziehen, bevorzugt der Großteil der jüngeren DJ-Generation im Zweifelsfall eher leichtes digitales Gepäck in Form von Laptops und daran angeschlossenen Controllern.
So schnell wird die klassische Turntable-Interpretation des Berufsstands Disc Jockey dennoch nicht aussterben, schon gar nicht, wenn man sich etwa die Vinyl-Begeisterung der jungen kolumbianischen DJ Erika Andrea Murcia Ruiz alias Ruiz Osc1 aus Bogotá vor Augen hält. Für die nämlich sind ihre Vinylplatten gleichsam treue Reisebegleiter, haptischer Genuss und ein physischer und mentaler Aufwand, den sie mit Freuden auf sich nimmt, wie sie in einem Promo-Gespräch für die Plattenspielerfirma Technics erzählt. „Ich liebe es, die Musik mit mir herumzutragen“, sagt sie.
Und so wird Ruiz auch am 16. August mitsamt ihren kreisrunden Reisebegleitern im Blitz Club aufschlagen, um dort mit ihrer knallig-innovativen Fusion von Hard Techno und folkloristischen lateinamerikanischen Sounds zu demonstrieren, dass das Vinyl auf den Turntables selbstredend auch weiterhin noch eine Zukunft hat.
Retromanisch wird es am 16. August auch in der Roten Sonne, wenn auch eher in stilistischer Hinsicht. So steht dort mit Münchner DJs wie 9Laley, Saminski und dem quietschkomisch benannten SpanierMitAuto der Abend im Zeichen des wieder in Mode gekommenen Trance. Eine eher günstig produzierte, elektronische Spielart aus den Neunzigern also, die ebenso viel Trash- wie Trancepotenzial mit sich bringt – wenn man sich drauf einlässt, jedoch genau jenen Spaß bringen kann, für den die unbeschwerten Neunziger in popkultureller Hinsicht standen.

Verhältnismäßig prominenter Besuch steht indes am 22. August im sonst eher undergroundig orientierten Bahnwärter Thiel an. Legt dort mit Bart Skils aus Amsterdam doch einer auf, der in den Niederlanden zu den besonders versierten Plattendrehern zählt. Anstatt es bis zum Anschlag brettern zu lassen, versteht sich der 51-Jährige darauf, seinen leichtfüßigen Tech-House-Sets stets einen Groove zu verpassen, der einem auf wunderbar zwingende Weise in den Körper fährt. Einer langen und in musikalischer Hinsicht dramaturgisch ausgefeilten Nacht im Bahnwärter dürfte somit nichts im Wege stehen.
Und damit noch mal zurück ins 20. Jahrhundert, das die Berliner DJ und Produzentin Lovra vor allem zwischen den Achtzigern und Neunzigern ausgiebig erforscht. Protegiert von niemand geringerem als Superstar-DJ David Guetta, der sie etwa als Resident seiner BIG-Partys im Ushuaia Beach Club auf Ibiza installierte, steht die vormalige Designerin für einen funky und bassmasiert bouncenden Sound, dem sie gerne ein ordentliches Maß an melodischem Pop-Appeal verpasst. Mit knackig heraufgeschraubten Nummern im Stile ihrer famosen Eigenproduktion „All My Friends“ dürfte sie sich am 22. August auch im Pacha eine Menge Freunde machen.
Bleibt noch eine Sause, die ebenfalls am 22. August in circa zehn Meter Luftlinie Entfernung vom Pacha startet und sich dann bis in den 24. August hinein erstreckt. Kann man schon mal machen, wenn man 20-jährigen Geburtstag feiert wie in diesem Fall die immer noch wunderbar hell leuchtende Rote Sonne. Zwar ist das Line-Up des Rote Sonne 20 Years Weekender immer noch ein gut gehütetes Geheimnis – doch gemessen daran, wer seit 2005 schon alles in diesem kleinen, feinen schlauchartigen Kellerclub hinterm DJ-Pult stand, wird es gewiss ein großartiges werden. In diesem Sinne: Happy Birthday liebe Rote Sonne, mögest du noch lange strahlen!

