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Münchner Bücherschau:Vom Privaten zum Politischen

Lukas Bärfuss, Gewinner des Georg-Büchner-Preises 2019

Diskutiert über Demokratie: Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss.

(Foto: Paula Ribas/dpa)

Die digitale Münchner Bücherschau ist verlängert - und auch das Literaturhaus beginnt mit reinen Stream-Lesungen. Unter anderen tritt hier der Schweizer Autor und Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss vor die Kamera.

Von Antje Weber

"Es ist ein schreckliches Schauspiel, wenn das Irrationale populär wird", dieser Satz Thomas Manns scheint auf das derzeitige Drama um die US-amerikanischen Wahlen gemünzt zu sein; tatsächlich fiel er 1943 bei einer Rede in Washington. Weltweit sind die Demokratien Zerreißproben ausgesetzt - müssten sie grundlegend reformiert werden? Dieser Meinung ist der Schweizer Autor und Büchnerpreisträger Lukas Bärfuss; am Dienstag, 1. Dezember, diskutiert er mit dem Germanisten und Mann-Forscher Friedhelm Marx in einem Stream des Literaturhauses.

Das Literaturhaus nimmt damit wieder den Veranstaltungsbetrieb auf - rein digital natürlich, ohne Saal-Zuhörer; auch die "Demokratie"-Ausstellung bleibt geschlossen. Doch fast alle der ursprünglich geplanten Dezember-Abende können nun als Streams gebucht werden. Dafür kommen die Autoren entweder ins Studio des Literaturhauses oder werden - wie Bärfuss aus der Schweiz - zugeschaltet. Auch der für den darauffolgenden Abend, 2. Dezember, geplante Abend zu Haruki Murakami mit der Übersetzerin Ursula Gräfe und Schauspieler René Dumont wird als Stream zu sehen sein.

Ursula Poznanski bei Lesung mit Übernachtungsparty in München, 2019

Insbesondere für Jugendliche interessant ist ein Stream mit Ursula Poznanski.

(Foto: Florian Peljak)

Überhaupt sind in diesen Tagen etliche hervorragende digitale Lesungen aus München im Angebot. Die Monacensia bietet am 1. Dezember eine Online-Lesung mit Helena Janeczek an, die ihr Erfolgsbuch "Das Mädchen mit der Leica" über die Kriegsfotografin Gerda Taro vorstellt. Und auch die Münchner Bücherschau, die bis zum 6. Dezember verlängert wurde, wartet mit einigen Höhepunkten auf. Insbesondere für Jugendliche interessant ist ein Stream mit Ursula Poznanski oder das Literarische Jugendquartett. Jugendbuchautor Paul Maar dagegen wird nicht nur am Samstag, 28., sein berühmtes Sams digital feiern: Er wird einen Tag zuvor für Erwachsene auch seine Autobiografie vorstellen. "Wie alles kam" heißt dieser "Roman meiner Kindheit". Und auch wenn es dabei vor allem um seine persönlichen Erinnerungen geht, um eine schwere Kindheit und Jugend im und nach dem Zweiten Weltkrieg - auch das Private ist ja bekanntlich politisch.

Bärfuss-Diskussion & Co., Details unter literaturhaus-muenchen.de, muenchner-buecherschau.de

© SZ vom 26.11.2020/van
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