FreizeitBesuch bei Löwe, Storch und Zesel

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"Kann ich bitte in die Mitte?" verlangen die sympathischen Tierfiguren in Susanne Straßers turbulentem Pappbilderbuch, in dem alle den richtigen Platz finden wollen - nicht nur auf dem Sofa.
"Kann ich bitte in die Mitte?" verlangen die sympathischen Tierfiguren in Susanne Straßers turbulentem Pappbilderbuch, in dem alle den richtigen Platz finden wollen - nicht nur auf dem Sofa. (Foto: Peter Hammer Verlag)

Die 16. Bücherschau Junior ermöglicht neben dem digitalen Schulklassenprogramm persönliche Begegnungen mit Autoren und Autorinnen. Auch die große Buch- und Medienausstellung ist wieder in Präsenz besuchbar.

Von Barbara Hordych

Wer könnte dieser Aufforderung schon widerstehen? "Kommt, wir lesen ein Buch!", ruft das Kind, und schon sitzen alle auf dem Sofa: Zebra, Katze, Kind, Hamster, Löwe. Es kann losgehen. "Wartet!", wiehert das Zebra, "der Storch ist noch nicht da!" Da kommt er. So, jetzt kann es losgehen. Von wegen. Die Katze braucht ein Kissen, es fehlt noch der Fisch, dem Löwen wird's zu eng, der Fisch will in die Mitte, und das Nashorn bringt auf der Suche nach seinen Pantoffeln alles zum Wanken. Die Münchner Kinderbuchautorin und Illustratorin Susanne Straßer lässt in ihrem neuen Pappbilderbuch "Kann ich bitte in die Mitte?" (Peter Hammer Verlag) einige Turbulenzen los, an denen kleine Leser und ältere Vorleser gleichermaßen Spaß haben dürften. Kennen sie doch alle Erfahrungen wie ungeduldige Vorfreude, das Hin und Her zwischen Ruhe und Toben, das Bedürfnis, zu seinem Recht zu kommen sowie die Suche nach dem richtigen Platz - nicht nur auf dem Sofa, sondern auch im Leben.

Dem philosophisch angehauchten kleinen Kunstwerk ist zum Auftakt der 16. Münchner Bücherschau Junior am 12. März ein "Bilderbuchkonzert" gewidmet, ein Format, das die Puchheimer Musikschulleiterin Ines Neuland vor rund zwanzig Jahren ins Leben gerufen hat. "Die Bilder werden auf eine Leinwand projiziert, dazu lese ich den Text vor, und unser Streicherensemble mit Kindern von vier bis zwölf Jahren musiziert", sagt sie. Das Konzert wird digital ab 14 Uhr freigeschaltet. Ebenfalls in den digitalen Raum wurden auch fast alle Schulklassenlesungen verlegt. "Die Nachfrage von den Schulen ist riesengroß, die virtuelle Übertragung birgt ja auch Vorteile, beispielsweise hat sich sogar die deutsche Schule in Rom anmelden können", sagt Neuland, die auch das Schulklassenprogramm kuratiert.

Wer sich auf eigene Faust auf die Suche nach diesem und anderen Lieblingsbüchern begeben will, hat dazu bei freiem Eintritt und ohne Anmeldung Gelegenheit im Stadtmuseum: Die große Buchausstellung mit rund 5000 Büchern und Kindermedien und einer Illustrationsausstellung ist wochentags von 13 bis 19 Uhr und an den beiden Wochenenden von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Darüber hinaus ermöglicht die aktuelle Ausgabe der Bücherschau Junior auch wieder persönliche Begegnungen mit Autoren und Autorinnen. So berichtet der aus Lenggries kommende Unterwasserarchäologe, Forschungstaucher und "Terra-X"-Moderator Florian Huber von Schätzen, die auf dem Meeresgrund liegen, in Mooren versenkt wurden oder in überfluteten Höhlen auf ihre Entdeckung warten. Forscher wie er wollen herausfinden, was die Funde über die Vergangenheit der Menschen erzählen. Was für ein Gefühl ist es, einen wahren Schatz zu bergen? Und wie funktionieren die Hightech-Geräte, mit denen tief unter dem Meeresspiegel geforscht wird? Huber liefert in seinem "Was ist Was"-Band "Versunkene Schätze" (Tessloff) ungewöhnliche Einblicke rund um die Erforschung alter Schiffswracks und untergegangener Städte.

Der aus Lenggries kommende Unterwasserarchäologe Florian Huber im Forschungstauchboot Jago im Walchensee.
Der aus Lenggries kommende Unterwasserarchäologe Florian Huber im Forschungstauchboot Jago im Walchensee. (Foto: Uli Kunz)

"Kaum etwas fasziniert den Menschen so sehr wie das Ungewisse, das sich in den Tiefen unserer Ozeane verbirgt, seien es jahrhundertealte Schiffswracks oder versunkene Städte. Ich bin leidenschaftlicher Unterwasserarchäologe und versuche, dem Meer diese Geheimnisse zu entlocken. Ich tauche seit Jahren nach Schiffen, in Höhlen, in Brunnen und Seen, immer auf der Suche nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen", sagt Huber. Mit ihm und seinem Buch, das er am 19. März um 15 Uhr im Literaturhaus vorstellt, können Kinder der Geschichte auf den Grund gehen.

Ungewöhnliche Einblicke und viel Hintergrundwissen liefert der Unterwasserarchäologe Florian Huber in dem Was ist Was -Band "Versunkene Schätze. Von Atlantis bis Titanic".
Ungewöhnliche Einblicke und viel Hintergrundwissen liefert der Unterwasserarchäologe Florian Huber in dem Was ist Was -Band "Versunkene Schätze. Von Atlantis bis Titanic". (Foto: Tessloff Verlag)

Von wundersamen Geschichten weiß auch Sven Gerhardt in seinem Buch "Minna Melone" zu berichten. Diese passierten allerdings nicht vor langer Zeit oder tief unter dem Meeresspiegel, sondern im "Wahrlichwald". Dort taucht eines Tages eine merkwürdige Gestalt auf: Eine Wanderratte in eleganter Hose und einem Schal, der nach Großstadt riecht. Sie zieht einen schwer beladenen Bollerwagen hinter sich her und errichtet eine Bühne, auf der nun "Jeden Abend Abenteuer!" zu erleben sein werden.

In Sven Gerhardts Buch "Minna Melone" wirbelt eine Wanderratte das Leben der Tiere im Wahrlichwald durcheinander: Sie eröffnet eine Theaterbühne.  Illustration: Mareike Ammersken/cbj
In Sven Gerhardts Buch "Minna Melone" wirbelt eine Wanderratte das Leben der Tiere im Wahrlichwald durcheinander: Sie eröffnet eine Theaterbühne. Illustration: Mareike Ammersken/cbj (Foto: Illustration: Mareike Ammersken/cbj)

Die führen ins "Bermudaviereck", zu den "unsichtbaren Piraten" oder ins "Eishotel". Doch die anderen Tiere reagieren misstrauisch - nur Zara, das Eichhörnchen, setzt sich zunächst für Minna ein. Aus seinem poetischen Plädoyer gegen Vorurteile und für die Kraft der Fantasie trägt der Autor am 13. März um 15 Uhr im Literaturhaus vor. Einen Einblick vermittelt das Youtube-Video des Verlags cbj.

In eine liebevoll illustrierte Welt, vergleichbar etwa der von Sven Nordquists "Pettersson und Findus", entführt Stephanie Schneiders Buch "Grimm und Möhrchen", erschienen im dtv-Verlag. Darin ändert sich das etwas einsame Leben des Buchhändlers Grimm von Grund auf, als an einem Regentag plötzlich ein kleines Zesel in seinem Laden steht.

In dem Laden von Buchhändler Grimm taucht eines Tages ein kleines Zesel auf - eine Kreuzung aus Pferd, Esel und Zebra.  Illustration: Stefanie Scharnberg/dtv Verlag
In dem Laden von Buchhändler Grimm taucht eines Tages ein kleines Zesel auf - eine Kreuzung aus Pferd, Esel und Zebra. Illustration: Stefanie Scharnberg/dtv Verlag (Foto: Illustration: Stefanie Scharnberg/dtv Verlag)

Dieses Wesen, das man sich in etwa als eine Kreuzung zwischen Pferd, Esel und Zebra vorstellen kann, trägt den Namen Möhrchen und zieht kurzerhand bei Grimm ein. Von nun an kommt ordentlich Schwung in das Haus mit der schiefen Sieben am Gartentor, denn das kleine Zesel hat so einiges vor. Puddingkochen beispielsweise. Und weil es gerne eine Autowaschanlage ausprobieren will, Grimm aber nur ein Fahrrad besitzt, ist Einfallsreichtum gefordert. Aus den kurzweiligen Abenteuern der beiden trägt die Hannoveraner Autorin am 20. März um 11 Uhr in der Pasinger Fabrik vor.

16. Münchner Bücherschau junior 12.-20. März, Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz, Literaturhaus am Salvatorplatz, Pasinger Fabrik, Programm unter www.muenchner-buecherschau-junior.de

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