Auch in der diesjährigen, mittlerweile 20. Ausgabe der Münchner Bücherschau junior gehören neben der Ausstellung von rund 4000 Kinder- und Jugendbüchern aus 80 Verlagen im Forum Zukunft beim Deutschen Museum wieder die persönlichen Begegnungen mit Autorinnen und Autoren bei Lesungen, Workshops und Mitmachaktionen zu den Höhepunkten. Vom 7. bis 15. März stellen Bo Starker, Silke Schlichtmann, Willi Weitzel, die Isarautoren und Arttu Unkari ihre Bücher vor, erzählen vom Geschichten erfinden und vermitteln, wie viel Spaß es machen kann, eigene Figuren und wilde Plots aufs Papier zu bringen.
Spannende Einblicke in ihre neuen Werke geben vorab die beiden Münchner Bestseller-Autoren Charlotte Habersack und Oliver Pötzsch, die ebenfalls mit Lesungen auf der Bücherschau junior vertreten sind. Obwohl die kleine Stadt Boring so langweilig zu sein scheint, wie es ihr Name verspricht, ereignen sich dort doch die erstaunlichsten Abenteuer. Zu deren Beginn der elfjährige Nemo jedes Mal ein geheimnisvolles Päckchen erhält. „An Niemand, Wo der Pfeffer wächst, Am Arsch der Welt“ lautet die Adresse. „Weil Nemo das lateinische Wort für Niemand ist, er in der Pfeffergasse wohnt und vor seinem Haus ein Werbeplakat für Klopapier steht, das einen nackten Po zeigt, ist der Briefträger der Meinung, dass er der richtige Empfänger ist“, sagt Charlotte Habersack. Sie ist die Autorin der inzwischen neun Bände umfassenden Reihe „Bitte nicht öffnen“. Das steht auch als Mahnung auf jedem Paket, das Nemo erreicht – enthalten ist immer ein anderes gestohlenes Spielzeug.

Welcher gelangweilte Elfjährige würde sich daran schon halten? Zudem Nemo wie auch seine Freunde Oda und Fred erleben, dass bei jedem Öffnen ein lebendig gewordenes Spielzeug freigesetzt wird, das kuriose Wetterphänomene und Chaos in Boring verursacht. Beim neunten Buch, aus dem Habersack am 8. März lesen wird, lautet der Zusatz „Knautschig!“. Was das bedeutet, erfährt Nemo, als er das Paket im Klassenraum seiner Schule öffnet: Mit einer Explosion entspringt ihm sein altes Kuscheltier Knautschowski Käsebauch, kurz „Kasi“.

So knuffig-fluffig wie der Kerl ist, wird nun auch die Welt um ihn herum: Weiche Böden, weiche Autos, ja sogar die Menschen werden merkwürdig soft. Bevor nun ganz Boring zu einer Hüpfburg mutiert, ist das Ermittlertrio Nemo, Oda und Fred wie in den vorangegangenen Abenteuern gefordert, das Spielzeug einzufangen und zu dem Kind zurückbringen, dem dieses zuvor gestohlen wurde.
„Erst wenn der Besitzer sein verlorenes Spielzeug wieder in die Arme schließen kann, hört das Chaos auf“, erklärt Habersack. Im Fall des selbst genähten Kuscheltiers „Kasi“ gestaltet sich das allerdings komplizierter als gedacht. Mit dem neunten Band schließt Habersack auch den großen dramaturgischen Bogen der Reihe: „Die Leser erfahren, wer hinter den Diebstählen steckt und was es mit ihnen auf sich hat“, sagt die Autorin.
Obwohl die 2016 im Carlsen Verlag gestartete Reihe mit über eine Million verkauften Büchern und Hörbüchern international von den Niederlanden bis nach Korea erfolgreich ist, hält sie an deren finalem Ende fest. „Meine Idee ist, dass die Kinder, die in der zweiten Klasse die Abenteuer-Reise mit dem ersten Band begonnen haben, sie zur fünften Klasse hin abschließen können“, so Habersack. Fans sollten sich also ihre Lesung nicht entgehen lassen. Zudem extra der Illustrator Fréderic Bertrand aus Berlin anreist. Seine live gezeichneten, schrägen Figuren – von bissig über schleimig bis magisch und eben knautschig – kommen nach der Lesung zur Verlosung. „Ich habe mir ein paar Fragen überlegt, wer aufpasst und sie beantwortet, kann gewinnen“, sagt Habersack.
Auch in dem Kinderbuch von Oliver Pötzsch „Lara, Viktor und der Zauberbaum“ gestaltet sich der langweilige Sommer, den Lara und ihr Bruder Viktor bei ihrem Großonkel Ludwig in einer alten Villa verbringen sollen, überraschend spannend. Eben noch hat Lara gemault, dass ihre Schulkameradinnen alle ganz weit weg in den Urlaub fliegen, während sie nur ein wortkarger alter Herr in seinem Arbeitszimmer zwischen alten Büchern erwartet.

Doch als die Geschwister in seinem verwilderten Garten eine alte Eiche entdecken, in deren Zweigen die Namen ihrer ganzen Familie hängen, katapultiert sie dieser „Zauberbaum“ in die Vergangenheit – sie können tatsächlich zu ihren Vorfahren reisen! Das Thema Ahnenforschung fasziniert Oliver Pötzsch seit Jahrzehnten. Davon zeugen nicht nur die zehn Kriminalromane seiner international erfolgreichen historischen „Henkerstochter“-Saga, sondern auch sein neues Kinderbuch, aus dem er am 14. März lesen wird.
„Ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen einen Stammbaum besitzen, der sehr interessante Geschichten aufweist“, sagt Pötzsch bei einem Treffen. Auch wenn nicht jeder aus einer bayerischen Scharfrichter-Dynastie in Schongau stammt, die 300 Jahre umfasst, wie er selbst als Nachfahre der Kuisls bei der Ahnenforschung zu seiner eigenen Familie herausfand. Er überlegte sich, wie er Kindern diese Überzeugung auf spannende Weise vermitteln könne. „Was, wenn es einen Stammbaum nicht nur auf Papier, sondern als richtigen Baum gäbe in einem Garten, und man mit diesem in die Vergangenheit reisen könnte?“.

Genau das geschieht, wenn Lara und Viktor eines der kleinen Namensschildchen berühren. Ein Klingeln ertönt – und die beiden landen in der Lebensrealität ihrer Vorfahren: Da sind der Knappe Bernhard, der Schiffsjunge Thaddäus, die Flugzeugexpertin Wilhelmine und das Frankenmädchen Beatha, das zur Zeit der Völkerwanderung lebt. „Die Menschen, auf die sie treffen, sind Kinder im gleichen Alter“, sagt Pötzsch. Diese Ahnen-Kinder, die nicht nur mutig und selbstbewusst, sondern auch mal zögerlich und ängstlich sein können, kombiniert er mit historischen Figuren wie dem Kaiser Barbarossa, dem Feldherrn Wallenstein, dem Schiffsreisenden James Cook, den Flugzeugbauer-Brüdern Wright. „Also mit Erwachsenen, die tatsächlich in der jeweiligen Zeit gelebt haben, so dass ich ganz unaufdringlich immer ein Stück historischer Lebenswirklichkeit miterzählen kann“, sagt Pötzsch.
Am Ende erweisen sich die Abenteuer-Reisen als so spannend, dass Lara und Viktor ein Angebot ihrer Eltern, jetzt doch noch mit einem Ferienlager ans Meer zu reisen, ausschlagen. Bitte nicht! „Wir wollen hierbleiben!“ Ein schöneres Plädoyer für die Macht der Fantasie kann es eigentlich nicht geben.
20. Münchner Bücherschau junior, 7. bis 15. März, Forum Zukunft beim Deutschen Museum und diverse andere Orte, Programm unter www.muenchner-buecherschau-junior.de

