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Schnee:Der Münchner Autofahrer bekommt das große Zittern

Erster Schnee Winter München Autofahrer

Egal auf dem Mittleren Ring oder auf der A99: Kaum fällt ein bisschen Schnee, zittert der Münchner mit dem ängstlichen Rest der Stadt über die Fahrbahn.

(Foto: Catherina Hess)

Sobald der erste Schnee mausknietief liegt oder auch nur in der Vorhersage vorkommt, vergisst der Münchner, dass sein Auto mehr Gänge als nur den ersten hat.

Mark Twain war schon ein Schlingel. "Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt ist", aphorisierte der amerikanische Dichter mal so vor sich hin, nicht ahnend, dass gut hundert Jahre nach seinem Wirken es einen Sommer geben wird, in dem es vom Frühling bis zum Herbst zu heiß war, um das zu tun, wozu es womöglich im kommenden Winter zu kalt sein könnte.

Wenn also derzeit die ZDF-Meteorologin Katja Horneffer oder die ARD-Nichtmeteorologin, aber gelernte Diplom-Kauffrau Claudia Kleinert erstmals das Wort "Schnee" benutzen, dann beginnt der Münchner schon prophylaktisch zu frösteln, oder - besser noch - schnell noch mal das zu tun, wozu es im Sommer zu heiß war und demnächst zu kalt sein dürfte: Er zieht die Winterreifen auf.

Gerade für den Münchner Autofahrer beginnt nun, also bald, oder zumindest demnächst das große Abenteuer: der erste Schnee auf der Fahrbahn. Der Rest Deutschlands rechnet den Münchner ja dem Volke der Bergmenschen, also der Bayern zu, was aber nur selten stimmt. Denn erstens stammt er sehr oft aus Castrop Rauxel oder ähnlichem, zweitens ist er, ob von dort oder Eingeborener, ein Großstädter, ein "Stodara", wie der Umlandbayer gerne spottet, und weiß als solcher mit den Unbillen des bayerischen Wetters nur bedingt umzugehen.

Und es kommt ja jedes Jahr zum berühmten ersten Mal: Kaum liegt also der Schnee mausknietief auf dem Asphalt, kriegt der Münchner am Volant die große Flatter, vergisst, dass sein Auto mehr Gänge als nur den ersten hat und zittert sich, im Verbund mit dem ängstlichen Rest der Stadt, über den Mittleren Ring, wo natürlich noch nicht geräumt ist, weil dieser Winter wieder einmal völlig überfallartig auf die Stadt und ihre Werke niederging.

Der nichtmünchner Landler dagegen stürzt sich innerlich jubelnd hinters Lenkrad und treibt seinen Wagen im Powerslide durchs Dorf und die nahen Wälder. Er ist es auch, bei dem Mark Twain nicht recht hat. Ihm ist es im Sommer nicht zu heiß und im Winter nicht zu kalt, das zu tun, wonach ihm der Sinn steht.

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