Dass Sommer ist, merkt man bei Ed Meier sofort. Im neuen Stammhaus der traditionsreichen Schuhfirma in der Briennerstraße 10 türmen sich an der Treppe zum Obergeschoss keine handgenähten Schuhe oder Putzutensilien, sondern eine Wand aus Socken in lila-apricot, grün-rosa und pink-rot. Die Puppe daneben trägt Rock in neon-orange. Neon-orange trägt auch der Hund des Chefs - und Peter Eduard Meier selbst trägt dessen Leine, als er das Haus verlässt. 2012 hat er das Geschäft an der Residenz nach 30 Jahren geschlossen und zog in eine Ecke, die bisher kaum als Shoppingmeile galt. Er fühlte sich vertrieben: von der Veränderung der Theatinerstraße, von den vielen Radlern und den drohenden Bauarbeiten für eine mögliche zweite Stammstrecke. Peter Eduard Meier nennt die Gegend am Wittelsbacherplatz "herrlich", "richtig münchnerisch" und seine "letzte Ausweichzone". Klenze-Bauten, Parkplätze und deutsche Namen über den Läden sind ihm wichtig. "Ich habe etwas dagegen, wie die internationalen Luxuskonzerne arbeiten", sagt Meier. Sind die solventen Kunden weg, ziehen die Ketten weiter. Aber man müsse für Stadt und Nachbarschaft einen Beitrag leisten, findet Meier. Um das Flair der Briennerstraße zu erhalten, expandierte er und eröffnete die Gamsbar. Die Stammkunden folgten ihm, neue Schuhfans soll unter anderem die Bar anlocken. Doch Meier fordert mehr Einsatz von der Stadt, etwa beim Wittelsbacherplatz. Mittelalter-Spektakel im Advent und Hamburger Fischmarkt seien eine Verschandelung.

Text: Anna Günther

Bild: Catherina Hess 9. Juni 2014, 13:372014-06-09 13:37:25 © SZ vom 7./8./9.6/afis