"Wie viele Geschäfte sind denn länger als 20 Jahre in der Theatinerstraße? Und länger als 40? Die kann man an einer Hand abzählen", sagt Helmut Diehl und zählt: Betten Rid, Handschuh Roeckl, um die Ecke Loden-Frey. Das war's. 2012 hat Maendler aufgegeben, die dritte spanische Kette zog ein, wenige Meter weiter eröffnete Anfang 2014 der fünfte H&M. Diese Entwicklung beobachtet Diehl mit Sorge: "Alteingesessene Geschäfte prägen das Gesicht einer Stadt, hier gibt es fast keine mehr."

Pfeifen Diehl gehört zu den letzten Traditionsgeschäften der Gegend: 1860 als Betrieb für Dreher- und Schnitzereien aus Elfenbein gegründet, verkaufte die Familie Pfeifen, Zigarren, Feuerzeuge und Lederwaren schon im Luitpoldblock, in der Residenz- und der Theatinerstraße. In den Fünf Höfen ist Pfeifen Diehl seit 14 Jahren. Außen Glas und Stahl, innen Nussbaumholz und Tabakduft. Zigaretten werden vor der Tür geraucht, Pfeifen und Zigarren sind im Inneren erlaubt: Schnuppern und Aromen erforschen statt Naserümpfen. Auch wenn der Geruch manche Neukunden des Taschenladens nebenan irritiert, wenn sie von der Maffeistraße her das Geschäft betreten. Es gibt zwei Eingangstüren, dahinter einen zusammenhängenden Laden. Sorgen um die Zukunft macht Diehl sich nicht, mit seiner Tochter Caroline arbeitet die fünfte Generation im Betrieb. Der Chef tüftelt meist an vielen Ideen gleichzeitig, um die Firma voranzubringen. Der Füller ist stets griffbereit, das Notizbuch eng beschrieben. Neue Tabakkreationen, die nächste Veranstaltung, das neue Taschengeschäft in Nürnberg, "wir müssen immer vorne dran sein, schneller, besser sein als die anderen", sagt Diehl. Dass der Kunde König ist, gehört zum Kaufmanns-Latein, er nimmt es wörtlich und begrüßt Stammkunden aus Adel, Industrie und Lokalprominenz schon mal mit Bückling. Oder fährt erschöpft trotz Tiefschnees nach einem Adventssamstag zum Eisenbahnspielen. Ein Stammkunde hatte ihn eingeladen.

Text: Anna Günther

Bild: Stephan Rumpf 9. Juni 2014, 13:372014-06-09 13:37:25 © SZ vom 7./8./9.6/afis