Münchenstift:Mehr Zeit für die Pflege

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Münchenstift: Warteschlange vor dem Impfen im Alfons-Hoffmann-Haus

Warteschlange vor dem Impfen im Alfons-Hoffmann-Haus

(Foto: Florian Peljak)

Die Münchenstift GmbH hat es trotz Pandemie geschafft, wirtschaftlich gut dazustehen. Und für die Zukunft sollen vor allem digitale Neuerungen den Bewohnern wie den Pflegekräften zugute kommen.

Von Nicole Graner

Nein, es ist nicht das letzte Mal, dass der Geschäftsführer der Münchenstift GmbH, Siegfried Benker, den Jahresbericht seiner 13 Alten- und Pflegeheime in München vorstellt. "Einmal noch", sagt der 65-Jährige. Aber dann sei es Zeit, im Sinne der Work-Life-Balance aufzuhören. Nämlich zum 31. Juli 2023. Sagt es, nickt wie zur Bestätigung und formuliert dann lieber gleich Visionen für die nächsten Münchenstift-Jahre.

2026 markiert einen Zielpunkt. Bis dahin soll viel Neues umgesetzt werden, bis dahin soll, so der Geschäftsführer, das Unternehmen auf eine "andere Basis" gestellt werden. Mit den "glücklichsten Bewohnerinnen und Bewohnern", wie ein Leitmotiv lautet. Und mit mehr Zeit für ihre Bedürfnisse. "Das ist ein hoher Anspruch", sagt Benker.

Es geht um die Stärken des Einzelnen

Es geht um eine gute IT-Infrastruktur, ein modernes Controlling, es geht um neue Pflegedokumentationen. Sie sollen, wie Benker erläutert, den Menschen in den Mittelpunkt rücken. Vorher sei es schwerpunktmäßig in den Dokumentationen um die Defizite der Person gegangen, jetzt arbeite man eher die Stärken heraus. Und das mit weniger Aufwand, was dem Bewohner wieder zugute kommt. Denn früher habe man, sagt der Geschäftsführer, zum Ausfüllen der "Info-Sammlung" fast 120 Minuten gebraucht, jetzt nur noch 90 Minuten. Mit Hilfe einer Strukturierten Informationssammlung (SIS) werden in sechs Themenfeldern zum Beispiel kognitive und kommunikative Fähigkeiten herausgearbeitet, die Mobilität und Beweglichkeit hinterfragt.

Münchenstift: Hat reichlich Visionen für die Zukunft: Münchenstift-Chef Siegfried Benker.

Hat reichlich Visionen für die Zukunft: Münchenstift-Chef Siegfried Benker.

(Foto: Robert Haas)

Dann zeigt er das Smart-Care-Mobil. Er spricht einen Text in sein Handy, der auf einer großen Leinwand sofort zu lesen ist. Alle Daten können also künftig zum Beispiel direkt am Bett dokumentiert, alle Informationen jederzeit von den Pflegefachkräften abgerufen werden. Weiter soll es in immer mehr Häusern kleinere Teams mit fester Zuständigkeit geben. Die Primary Nurse ist Hauptansprechperson, das Team immer gleich.

Und noch ein Blick in die Zukunft. Vier neue Häuser mit erweiterten Angeboten wird es in den nächsten Jahren geben: Das Queer Quartier in Sendling im Jahr 2023, das Haus an der Franz-Nißl-Straße (2024) und an der Tauernstraße (2025) sowie in der Bayernkaserne (2029).

Die Auslastung der Häuser ist zurückgegangen

Und das Jahr 2021? Die Münchenstift steht wirtschaftlich gut da. Das Jahresergebnis sei, sagt die dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), im Vergleich zum Jahresplan in "schweren Zeiten" mit 1,6 Millionen Euro "weit übertroffen worden". Der Corona-Rettungsschirm mit 12,3 Millionen Euro habe zu diesem Ergebnis ebenso beigetragen wie gute Pflegesatz-Verhandlungen. Die Auslastung in den Häusern ist in dem weiteren Pandemiejahr zurückgegangen. Hatte er, wie Benker erläutert, früher bei mehr als 100 Prozent gelegen, so liege er jetzt bei 95 Prozent. Es freut ihn, dass an den Häusern 243 Pflegefachkräfte ausgebildet worden sind. 2081 Mitarbeiter arbeiten bei der Münchenstift.

Corona und wieder Corona. 7000 bis 10 000 Schnelltests im Monat wurden bei Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern vorgenommen. Und unzählige PCR-Tests. Impfungen haben, belegt eine Grafik, die Infektionen bei Bewohnern und Mitarbeitern deutlich reduziert. Anteil daran hat auch eine Mitarbeiter-Kampagne. Ihr Ziel: 90 Prozent Erstimpfungen, 50 Prozent Drittimpfungen. Die Belohnung: einen Tag mehr Urlaub. Diese Idee kam bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offensichtlich gut an. Waren es zum Start der Kampagne am 16. November 2021 nur 72 Prozent Erst- und Zweit- sowie 19 Prozent Booster-Impfungen, sahen die Zahlen zwei Monate später schon ganz anders aus: 93 Prozent Erst- und Zweitimpfungen, 57 Prozent Auffrisch-Impfungen. Das Ziel ist also erreicht, und ein Tag mehr Urlaub für alle drin. "Dass das geklappt hat", sagt Benker, "darauf bin ich stolz".

Was die steigenden Coronazahlen betrifft, sieht Siegfried Benker relativ "entspannt" dem Herbst entgegen. "Wir werden einfach weiter so viel testen wie bisher."

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