Öffnungsstrategien:Wieder 100 Prozent Besucher in Kultursälen erlaubt, doch Probleme bleiben

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Öffnungsstrategien: Weiterhin kaum Planungssicherheit: Bayerns neuer Kulturminister Markus Blume bekommt bei der Pressekonferenz zur Kampagne "100% offen?!" den Verdruss der Münchner Kulturveranstalter zu spüren.

Weiterhin kaum Planungssicherheit: Bayerns neuer Kulturminister Markus Blume bekommt bei der Pressekonferenz zur Kampagne "100% offen?!" den Verdruss der Münchner Kulturveranstalter zu spüren.

(Foto: Severin Schweiger)

Münchens Kulturveranstalter beklagen abermals die Ungleichbehandlung und schlechte Kommunikation des Freistaats, der neue Kulturminister Markus Blume verspricht "faire Regelungen".

Von Michael Zirnstein, München

"100 Prozent offen?!" Man kann im Slogan der Aufbruchs-Kampagne des Verbandes der Münchner Kulturveranstalter (VdMK) das Ausrufezeichen betonen: "Bämm, es geht weiter", wie Vorstandsmitglied David Süß bei der Pressekonferenz in der Muffathalle sagte. Wenn man sich aber umhörte bei den vielen Kulturvertretern, blinkte in deren Gesichtern das Fragezeichen auf. Dass nun wieder alles normal laufen würde, glaubte keiner. Zumal nicht im Freistaat Bayern, der oft seine eigenen Corona-Regeln machte, meist zum Schlechten der Kulturbranche. Und es fing schon wieder im Detail an: Der Hauptgast, der neue Kulturminister Markus Blume, sprach davon, dass von 20. März an bei den Veranstaltungen alle Beschränkungen der Zuschauerzahl aufgehoben werden würden und verwies auf die parallel laufende Bundestagssitzung. Da wandte Georg Kleesattel vom Deutschen Theater ein, das Gesundheitsministerium habe im Internet längst klipp und klar den 19. März als Tag der Vollauslastung verkündet. Nur in der Übergangszeit bis 2. April gelten dann in Bayern in Theatern und Konzerten noch Maskenpflicht und 2 G, in Clubs und Discos 2 G plus. Danach wäre wirklich alles "100 Prozent offen" - es sei denn, in Hotspots müsse eingegriffen werden.

Rückforderungen und Förder-Dickicht

Planungssicherheit gibt es für die Veranstalter noch immer nicht, erklärte Nepomuk Schessl von Münchenmusik: Als Konzertveranstalter müsse er jetzt im Vorverkauf für die nächste Saison von vollen Rängen ausgehen, befürchte aber, wieder umbuchen, ausladen und zurückzahlen zu müssen. Apropos Rückzahlung, die schwebe wie ein Damoklesschwert über der Branche, erklärte Hans-Georg Stocker vom Backstage: Hätten doch alle Ticketbesitzer von verschobenen Veranstaltungen, die nicht zum tatsächlichen Termin erschienen sind, drei Jahre lang das Recht, ihr Geld zurückzufordern. Er forderte von Blume, das Risiko abzufedern und die Branche ebenso vor möglichen Rückforderungen im Fördergeld-Dickicht zu bewahren.

Die Liste der Bitten und Klagen an den Kunstminister war lang. Der VDMK-Vorsitzende Patrick Oginski kritisierte abermals die Schlechterstellung gegenüber der Gastronomie und regte an, das Programm "Bayern spielt!", das neue Freiluftspielstätten öffnen sollte, aber dem VDMK kaum half, zu ertüchtigen. Olympiapark-Chefin Marion Schöne verlangte - auch angesichts eigener Massen-Events wie dem "Sommernachtstraum" - ein Ende der Besserstellung der Hochkultur gegenüber Rock und Pop. Und Christian Kiesler, Hauptorganisator der kollektiven Stadionbühne 2020 und 2021, zeigte sich "sauwütend", dass die Staatsregierung die Kultur und ihre Leistungsträger falsch eingeschätzt habe und demnach unlesbare und unkalkulierbare Verordnungen erlasse. Auch Christian Waggershauser von der Muffathalle echauffierte sich über die Novellierungen des Infektionsschutzgesetzes, über deren Auslegung Juristen des KVR und des Freistaats wochenlang diskutieren müssten, bis schon die neue Version anstünde. Dieses Informationsdefizit seitens der Staatsregierung bestätigte Münchens Kulturreferent Anton Biebl und lud Blume zwecks besserer Kommunikation ein, Teil seines Operationsnetzes zu werden.

Staatsregierung stellt 46 Millionen Euro bereit

Minister Blume spürte "den Verdruss" und konnte ihn "nachvollziehen". Er versprach: "Sie haben mich immer auf der Seite bei der Frage, wie kann man zu fairen Regeln kommen, die zu einer Gleichbehandlung führen." Man sei noch nicht über den Berg, deswegen habe die Staatsregierung 46 Millionen Euro in die Hand genommen, für die Verlängerung des Spielstättenprogramms bis 30. Juni und ein weiteres Neustart-Paket für die Freie Szene. "Ich kann Ihnen nur anbieten, dass wir die letzte Etappe partnerschaftlich hinbekommen." Für den Herbst wolle er "parallele Szenarien mit passenden Handlungssträngen überlegen, so dass alle früh wissen, was für sie gilt".

Bis dahin mühen sich die Veranstalter, das Publikum und dessen Vertrauen zurückzugewinnen. So soll etwa eine Veranstaltungsreihe bis 24. April zeigen, was auch Blume zu vermitteln versucht: "Kultur ist sicher, Kultur tut gut, Kultur macht Spaß" (Programm unter www.vdmk.info/100-offen/).

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