Brachial sieht es aus, wie Veronika Dudek mit der Pistole den Stoff bearbeitet. Tufting Guns, das sind Elektrowerkzeuge mit einer Nadel und Schere, mit denen in hoher Geschwindigkeit Garn in einen Stoff geschossen werden kann. Es ist laut, es staubt – und am Ende kommen quietschbunte Teppiche heraus. „Man arbeitet vor sich hin, hört ein bisschen Musik auf den Kopfhörern, schaltet ab“, sagt Veronika.

Veronika, 29, hat Kunstgeschichte und Design studiert. „Im Studium fanden alle meine Teppiche immer super weird. Vor ein paar Monaten hat sich dann mein ehemaliger Dozent bei meinem Workshop angemeldet. Das war richtig befriedigend“, sagt sie. Mit ihren Tufting-Workshops hat sie sich mittlerweile selbständig gemacht. Tufting ist eine Mischung aus Nähen und Sticken: „Es ist ein bisschen wie mit einer Bohrmaschine ,Malen nach Zahlen‘ zu machen“, sagt sie.

Nicht nur Teppiche entstehen bei diesen Workshops: „Es ist alles möglich, was flauschig ist.“ Also Kissenbezüge, kleine Motive als gerahmte Wandbilder, natürlich kleine und große Teppiche, aber auch Taschen. „Betty Taube hat mir mal eine Handtasche abgekauft“, erzählt Veronika. Doch nicht nur die ehemalige „Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin ist Fan der flauschigen Kreationen. Die bunten, cartoonartigen, fast kitschigen Designs treffen einen Nerv und sind im Trend. Mehr als 15 000 Menschen folgen Veronika auf Instagram.

Vor circa drei Jahren „war Tufting noch kein großes Ding in Deutschland“, sagt Veronika. Sie hat gestickt, bis sie eine Möglichkeit gesucht hat, größere Motive schneller zu gestalten. Den Umgang mit der Tuftpistole lernte sie allein – bis sich DIY-Begeisterte bei ihr meldeten. „Die waren dann bei mir in meiner 20-Quadratmeter-Wohnung in München, und ich habe ihnen gegen eine Flasche Hugo das einfach mal gezeigt.“

Wenn die Menschen zu den Tufting-Workshops kommen, dann erwarten viele „einen netten Nachmittag, so einen Kaffeeklatsch“. Die Realität schaut anders aus: Es ist laut, jeder arbeitet vor allem für sich selbst, Wolle und Fussel in allen Farben fliegen herum. Aber: Es ist auch eine meditative Arbeit.„Das ist für mich selbst eine der wenigen Momente im Leben, in denen ich es schaffe, mal nicht drei Stunden auf mein Handy zu schauen.“

Neben den Workshops tuftet Vroni auch noch selbst – und das zunehmend experimenteller. „Beim Tufting ist es am einfachsten, klare und geometrische Formen zu haben, die eine große, einfache Farbfläche sind. Ich versuche jetzt mit realistischeren Vorlagen zu arbeiten“, sagt sie. „Man kann mit der Maschine auch sehr lange Fäden einstellen, sodass eine Art Hochflor entsteht. Man hat dann einen ganz flauschigen Teppich und kann unterschiedliche Höhen reinrasieren. Wie ein kleiner Wald.“

