Münchens junge Kreative: Thi Huong Giang TranMehr Freiheit auf der Leinwand

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Thi Huong Giang Tran, 28, hat in Hanoi gelebt und dort „Fine Art“ studiert. Seit einem Jahr ist sie in München.
Thi Huong Giang Tran, 28, hat in Hanoi gelebt und dort „Fine Art“ studiert. Seit einem Jahr ist sie in München. Florian Peljak

Thi Huong Giang Tran kam vor einem Jahr von Hanoi nach München. Sie malt Bilder, die sich bewusst von realen Landschaften lösen. Wie Kunst zu einem selbst geschaffenen Ort wird – besonders dann, wenn man zwischen zwei Kulturen lebt.

Von Leonie Schulz

„Nenn mich Julalumin. Das ist mein Künstlername“, sagt Thi Huong Giang Tran, 28. Julalumin wohnt erst seit einem Jahr in München, zuvor hat sie in Hanoi gelebt und dort Fine Art studiert. In Vietnam, sagt sie, sei Kunst konservativer. Und mit Meinungen gehe man vorsichtiger um – besonders politisch. Jetzt studiert sie Design in München. Hier erlebe sie, dass „die Leute freier sind, mutiger mit ihren Ideen“.

Florian Peljak

Ihre Werke spiegeln das wider. Es sind farbstarke, träumerische Landschaften. Sie male keine Orte, sondern Gefühle, sagt Julalumin – oft in Form von Wegen, „für das Weitergehen, für Geduld“. Oder Türen und Portale, für Überraschung und neue Perspektiven. Auf einem großen Gemälde in Blautönen führen Treppen in eine geöffnete Hand. Eine Figur steigt hinauf, Sterne schweben um sie herum. Auf der Suche nach Wissen, nach Offenheit und nach sich selbst.

Florian Peljak

Ihre Inspiration holt sie oft aus der Natur – nicht aus der Form eines Berges oder eines Flusses, sondern das, was sie in ihr auslösen. Nach einem Besuch am Ätna in Sizilien malt sie den Vulkan mit abstraktem Wirbel aus kräftigem Rot. Die Linien spiralförmig nach innen, Feuer und Sterne steigen aus dem Krater. „Angst und Aufregung zugleich“, so hat sie es empfunden, als sie vor dem Berg stand.

Florian Peljak

Einsamkeit spielt ebenfalls eine Rolle. Seit ihrem Umzug kennt sie dieses Gefühl gut, manchmal vermisse sie ihr altes Zuhause. Doch sie beschreibt es nicht nur negativ: „Einsamkeit kann auch was Schönes sein. Viele Menschen, die ihren Träumen folgen, sind am Anfang allein unterwegs“, sagt sie ruhig. Julalumin geht viel in die Stadtbibliothek und lernt Deutsch. Die Sprache zu können, auch das hilft ihr. Und natürlich: viel malen.

Florian Peljak

Ihre Kunst ist mutiger geworden. In Hanoi habe sie vor allem klassische Ölmalerei gelernt, klare Regeln, saubere Technik. In München dagegen sind ihre Traumlandschaften noch bunter, die Formen noch abstrakter. „Es gibt kein richtig und falsch“, sagt sie. Julalumin kombiniert ihre Werke mit neuen Methoden, Werkzeugen und Materialien. Und mit Technologie: In ihrem Designstudium an der Hochschule arbeitet sie inzwischen regelmäßig an Projekten, die analoge und digitale Ebenen mischen. Etwas, wovon sie noch mehr machen möchte.

Florian Peljak

Nicht nur deshalb fühlt sie sich in München wohl. Vor allem seien die Menschen freundlich, besonders an der Uni. In welchem Land sie sich mehr zu Hause fühlt, kann sie nicht wirklich sagen. Hanoi und München trennt vieles, aber in ihren Bildern finden beide Welten Platz. So wird Kunst für Julalumin ein Ort – aber vor allem ein Gefühl –, das sie sich selbst erschafft.

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