Münchens junge Kreative:"Tätowieren ist etwas sehr Intimes"

Lesezeit: 2 min

Münchens junge Kreative: undefined
(Foto: Catherina Hess)

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Eileen Aolani.

Von Ornella Cosenza

Eileen Aolani, 26, ist Fotografin und Tätowiererin. Florale Elemente, abstrakte und verzerrte Figuren und Körper zeichnen Eileens Stil aus. Sie arbeitet im Studio Youngstars Parlour im Westend. "Tätowieren ist etwas sehr Intimes. Man ist sich körperlich, aber auch geistig sehr nah", sagt sie. Sie legt großen Wert darauf, dass sich ihre Kunden wohl fühlen. Egal, ob beim ersten oder zehnten Tattoo. Nicht nur in München sind ihre selbstentworfenen Motive gefragt, auch in Berlin, Barcelona und Paris ist sie regelmäßig zu Gast, um zu tätowieren.

Münchens junge Kreative: undefined
(Foto: Catherina Hess)

Das Skizzenbuch hat Eileen immer dabei, ihre Kunden können daraus Motive für ein Tattoo wählen. Etwa "maskenartige Gesichter, weder Mann noch Frau, keine Emotionen. Jeder Mensch trägt manchmal eine Art Maske. Die Blumen sollen symbolisieren, dass man trotz der Maske aufblühen kann".

Münchens junge Kreative: undefined
(Foto: Catherina Hess)

Während Eileens Skizzen und Tattoos von einer Ästhetik der Abstraktion und Verzerrung leben, sind ihre neueren Fotoarbeiten eher melancholisch, auch märchenhaft. "Für mich ist wichtig, dass ich beides mache: Tattoos und Fotografieren. So kann ich einen Gedanken oder Gefühle in zwei verschiedenen Handwerken zum Ausdruck bringen."

Münchens junge Kreative: undefined
(Foto: Catherina Hess)

"Nachdem ich das Stencil auf die Körperstelle aufgetragen habe, baue ich mir meine Station auf", sagt Eileen. Ein gängiger Ablauf. Im letzten Schritt, bevor mit dem Stechen begonnen wird, wird die Farbe aufgefüllt. "Diese Farbe ist vegan und eignet sich besonders gut für Linework, also für Linien."

Münchens junge Kreative: undefined
(Foto: Catherina Hess)

Eileen ist oft auf Reisen und nimmt von den Orten Blumen mit, die sie dann trocknet. Es ist ein wiederkehrendes Motiv in ihren Zeichnungen, auch in Verbindungen mit Gesichtern und Körpern. "Klar, Blumen haben etwas romantisierendes, aber sie können auch für Gefühle stehen oder eine persönliche Geschichte." Sie selbst hat viele Blumen-Tattoos, zum Beispiel die Lieblingsblume ihrer Großmutter. Blumen seien der Ursprung und das Ende vieler Dinge im Leben.

Münchens junge Kreative: undefined
(Foto: Catherina Hess)

Meist trägt Eileen das Stencil auf die gewünschte Stelle auf. Manchmal arbeitet sie auch freihändig. "Das ist für mich eine Ehre, wenn Menschen mir ein so großes Vertrauen entgegenbringen, dass ich mich auf ihrem Körper freihändig verewigen darf." Wer sich etwas aus Eileens Tattoo-Serie "Three Faces of Self" stechen lässt, spendet an Organisationen, die sich für mentale Gesundheit stark machen. "Da öffnen sich mir oft Menschen und erzählen persönliche Geschichten. Das sind sehr bewegende Momente."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB