Süddeutsche Zeitung

Münchens junge Kreative: Sophia Schönberner:Pur und ungefiltert

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Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Sophia Schönberner.

Von Rashidah Hassen

"So wenig wie möglich nachzudenken, so pur und ungefiltert, wie ich den Moment nur festhalten kann" - keine Pause, bis das Stück steht. Das ist der künstlerische Idealzustand von Sophia Schönberner, 23. Deswegen haben Planung und Struktur keinen Platz in ihren Projekten, es sind Momentaufnahmen aus Acrylfarbe und Ölkreide. In den Entstehungsprozess fließt alles ein, was sie gerade beschäftigt.

Vor Kurzem hat Sophia ein Atelier bekommen. Es ist ein Teil leerstehender Büroflächen, die nicht vermietet und deshalb für Kunstschaffende umfunktioniert wurden. Jetzt hat sie Platz, in großen Formaten zu arbeiten, nicht mehr eingeschränkt durch die Größe ihres Zimmers, in dem die meisten ihrer Bilder entstanden sind. Nie fehlen darf eine bunte Palette an Staub- und Ölkreiden, "ein elementarer Bestandteil meiner Kunst", sagt Sophia.

Das Medium für ihre Gedanken wählt Sophia spontan aus: Auf Stoff malen, häkeln, Fotografie oder digitale Collagen und große Lettern? Meistens wird es doch Papier, immer griffbereit. An Leinwände erhebe sie zu hohe Ansprüche: "Planen ist für mich immer Zeitverschwendung gewesen, das musste ich mir im Studium angewöhnen." Seit Oktober studiert Sophia an der Akademie Mode & Design München.

Eine Bildreihe von Sophia entstand im vergangenen Sommer, auf dem Boden vor dem Haus der Oma in Spanien, "geerdet", wie sie sagt. "Es war immer etwas um mich herum los: Leute, die mich im Vorbeigehen ansprechen, meine Schwester, die zuschaut und mir etwas erzählt." Mehrere große Bögen Papier ergeben ein großes Werk wie aus Mosaikstücken, zusammengehalten durch Acrylfarbe.

In der Ausstellung "Neue Romantik 3.0" der Stiftung Kulturkorridor in Aachen waren zuletzt die Arbeiten aus Spanien zu sehen. "Das war ein besonderes Gefühl", sagt Sophia über die bereits zweite Ausstellung mit ihrer Kunst. "Es ist nicht leicht, sich im Kunstbetrieb durchzusetzen. Man muss hartnäckig bleiben, es braucht aber auch Glück."

Sophia beschreibt sich als sensibel, "von vielem bewegt". Weinende Augen sind ein wiederkehrendes Motiv. Umbrüche im eigenen Leben, in der Familie, sind eine Konstante in ihrer Biografie, liefern Material. Diese persönliche Ebene ist für Sophia wichtig: "Wenn jemand daran vorbeiläuft und einen Teil von sich selbst sieht, und wenn es nur ein Gefühl ist - dann habe ich etwas erreicht."

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