Münchens junge Kreative: Isabel AufrichtDackel, Sekt und Seidentücher

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„Ich bin froh, dass ich BWL studiert habe“, sagt Isabel Aufricht. „So kann ich Kunst machen, ohne dass ich davon leben muss. Das nimmt den Druck.“
„Ich bin froh, dass ich BWL studiert habe“, sagt Isabel Aufricht. „So kann ich Kunst machen, ohne dass ich davon leben muss. Das nimmt den Druck.“ (Foto: Catherina Hess)

Isabel Aufricht hat BWL studiert – heute erzählt sie farbenfrohe Geschichten auf Stoff: „Ich kann genau das machen, worauf ich Lust habe.“

Von Veronika Tieschky

Es sollte eine Belohnung sein. Für ihre erste Abgabe während der Promotion in Betriebswirtschaftslehre. Dafür wollte sich Isabel Aufricht, 28, etwas gönnen. Ein Seidentuch, klassisch, zeitlos, wie man es von den großen Modehäusern kennt. Doch als sie die Preise dafür sah, lachte sie und dachte: Pinsel und Farben habe ich daheim. Das kann ich doch genauso gut selbst malen.

(Foto: Catherina Hess)

Aus dieser spontanen Idee wurde ein Projekt, das inzwischen zu Isabels Markenzeichen geworden ist: farbenfrohe, verspielte Seidentücher, die mehr erzählen, als man auf den ersten Blick vermutet. Isabel stammt aus dem baden-württembergischen Teil der Bodenseeregion, heute lebt sie in München. Aktuell arbeitet sie an einer Dissertation über ein Thema, in dem man auch ihre Leidenschaft wiederfindet: wie Künstlerinnen und Künstler ihre Kreativität im Zeitalter von KI bedroht sehen.

(Foto: Catherina Hess)

„Ich bin froh, dass ich BWL studiert habe“, sagt sie. „So kann ich Kunst machen, ohne dass ich davon leben muss. Das nimmt den Druck. Ich kann genau das machen, worauf ich Lust habe.“ Emotionen auf Stoff bannen. Ihr Tuch „La fête“ soll das Gefühl eines Kindes kurz vor seiner Geburtstagsparty einfangen – „wenn es nach Kuchen riecht, die Kerzen schon ausgepustet sind und alle Freunde gleich kommen. Diese kindliche Vorfreude wollte ich zurück in den Alltag holen.“ Gleichzeitig sind auch Sekt und Langusten zu sehen – ein Hinweis darauf, dass sich diese Freude heute ins Erwachsenenleben übersetzt.

(Foto: Catherina Hess)

Ihre Muster sind bunt, manchmal schrill. Vor allem der Dackel hat es ihr angetan – für sie ein Symbol für Neugier, Gemütlichkeit und Freude. Auch zu sehen sind Schwäne, Krokodile sowie pinke und lila Neonfarben. „Ich liebe es, Farben aus dem Alltag miteinander zu kombinieren. Am besten, wenn ich anfangs denke, dass sie nicht harmonieren und dann doch eine wunderbare Spannung erzeugen“, sagt sie. Von ihrer Mutter, die Floristin ist, hat Isa schon früh ein Gespür dafür bekommen, welche Farben zueinanderpassen.

(Foto: Catherina Hess)

Produziert werden die Tücher in einer italienischen Druckerei. Die meisten sind 65 mal 65 Zentimeter groß, ein Format, das man vielseitig tragen kann. Dass ausgerechnet dieser klassische, schlichte Stil, der in den sozialen Medien neuerdings als „Old-Money-Stil“ wieder im Trend liegt, dieses Jahr auch ihre Tücher prägt, war eher Zufall.

(Foto: Catherina Hess)

Neben den Seidentüchern malt Isabel auch Porträts, Berglandschaften und Szenen in ihrem Atelier in Schwabing. Inspiration findet sie direkt vor der Tür: Herbstfarben, Menschen, Tiere. Freunde erkennen ihre Arbeiten sofort. „Die knalligen Farben nennen sie inzwischen ‚typisch Isa‘“, sagt sie und lacht. Und vielleicht ist es genau das, was ihre Seidentücher besonders macht: dass sie keine bloßen Accessoires sind, sondern kleine Geschichten, die sie mit knalligen Farben auf ihren Tüchern festhält.

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