Süddeutsche Zeitung

Münchens junge Kreative:Holzvögel und echte Hühner

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Philipp Buhl

Von Agnes Striegan

Die Werkstatt des Holzbildhauers Philipp Buhl liegt ganz am Rand von Gilching, in einem ehemaligen Kuhstall eines alten Bauernhofs. Er hat sie gemeinsam mit seinem Bruder Simon und ihren Freunden Jonas von Lüpke und Markus Willer, drei Schreinern, eingerichtet. Zusammen haben sie den Estrich gegossen, Kabel verlegt und schwere Maschinen angeschafft - und einen Auslauf für ihre Hühner gebaut.

Philipp, 26, wusste seit der elften Klasse, dass er Holzbildhauer werden möchte. Er hatte immer gerne gezeichnet und gebastelt. Holz, dieser lebendige, eigenwillige Rohstoff, faszinierte ihn. Nach dem Abitur lernte er drei Jahre in Garmisch, das sei "super schön" gewesen. Philipp schreinert auch, baut Möbel oder macht Innenausbauten: "Das macht Freude - und bringt Geld."

Mit dieser Maschine, einem sogenannten "shaper tool", ziemlich revolutionär im Handwerk, bauen Jonas und Markus gerade ihre Meisterstücke. Klar braucht es Absprachen, um zu viert eine Werkstatt zu nutzen, die auch einer alleine brauchen könnte - aber das funktioniert gut, sagt Philipp. Und es ist immer jemand da, mit dem man nach der Arbeit im Hof noch ein Lagerfeuer machen kann.

Wenn er Zeit für sich hat, zeichnet Philipp viel. Meistens zeichnet er Fabelwesen, zusammengesetzt aus Motiven, die einfach immer wieder auftauchen: Beine, Gliedmaßen, Vögel. "Ich fange einfach an, ohne zu wissen, wo ich rauskomme", sagt er. Ganz unaufgeregt - so ist Philipp.

Manchmal wollen Philipps Zeichnungen mehr werden, manchmal schreit etwas danach, intensiver bearbeitet zu werden: Dann lässt er sie zu Skulpturen werden, wie diesen Vogel mit Trichterkopf. Er sei begeistert von Strukturen, sagt Philipp; Federn seien spannend zu schnitzen. Außerdem habe er Lust gehabt, mal wieder etwas in dieser Dimension zu gestalten. Zweieinhalb Wochen Arbeit stecken im Trichterkopfvogel.

Seit 2019 studiert Philipp außerdem an der Kunstakademie. Die Holzbildhauerei sei recht traditionell, sagt er. An der Akademie möchte er seinen Horizont erweitern, möchte die vielen Werkstätten nutzen, um so viel wie möglich auszuprobieren: Glas, Stein, 3D-Druck, Gips, Keramik. Holz, Stift und Papier werden ihm aber bleiben, "definitiv."

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