Münchens junge Kreative:Der Zirkus der Schallplatten

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(Foto: Stephan Rumpf)

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Kolja Huneck

Von Johanna Schlemmer

Laute Musik, akrobatische Kunststücke in schwindelerregender Höhe und Feuerspucker - alles, was man sich unter einem klassischen Zirkus vorstellt. Der gebürtige Münchner Kolja Huneck hingegen bricht als zeitgenössischer Zirkuskünstler die traditionellen Erwartungen auf. Der 28-Jährige absolvierte seinen Bachelor 2019 an der Zirkusschule in Rotterdam. Sein Fachgebiet ist die Jonglage.

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"Der Begriff Zirkus ist vor allem in Deutschland von Familienzirkussen wie Cirkus Krone geprägt. Die Zuschauer haben ganz genaue Erwartungen", sagt Kolja. Dem Jongleur geht es nicht nur darum, hochklassige Technik zu zeigen, sondern Geschichten und Erfahrungen zu erzählen. Während seines Studiums entdeckte er für ein Semesterprojekt im ersten Jahr Schallplatten als Jonglage-Objekt für sich.

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Zuletzt verband Kolja seine Art der Jonglage mit Farben und visuellen Bildern. Mit den Farben Grün, Blau, Violett, Rot, Orange und Gelb kreierte er eine Dramaturgie. "Weil Farben extrem subjektiv sind, ist der Zirkus so spannend. Es kann sehr unterschiedlich interpretiert und wahrgenommen werden."

(Foto: Stephan Rumpf)

Momentan befindet sich Kolja in der Konzeptionsphase für ein Duo-Projekt mit seinem niederländischen Kollegen Luuk Brantjes. Seine Schallplatten stehen im Fokus, indem er die Rohmaterialien Erdöl und Plastik des Jonglier-Objekts erforscht. Die Experimentierfreude mit Materialien und die Faszination für Objekte, zu denen das Publikum Bezug hat, reizen ihn am meisten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Kolja Huneck setzt sich in seinen Werken mit Politik, Gesellschaft und Werten auseinander und trifft dadurch das Publikum auf gleicher Augenhöhe - anders als der traditionelle Zirkus. Seine Bodenständigkeit ist auch während des Interview zu merken. Locker und entspannt sitzt er die ganze Zeit auf seiner Übungsmatte. In fünf Jahren will er weiterhin auf der Bühne tätig sein.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Für mich ist Zirkus eine eigene Sprache, die eben aus einem Vokabular besteht, das man sich erst mal aneignen muss", erklärt Kolja. Beispielsweise erwärmt er seine selbst hergestellten Schallplatten und formt sie zu Jonglier-Bällen. Es entsteht sowohl eine andere Dynamik als auch eine andere Qualität der Jonglage. So hat er auch mit Schallplatten aus Eis gearbeitet, die während der Aufführung geschmolzen sind.

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