Süddeutsche Zeitung

Münchens junge Kreative:"Ich will mit meiner Kunst etwas zurückgeben"

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Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Julie de Kezel

Von Lara Graff

"Für mich ist es wichtig, dass der Gegenstand schon da ist und ich nur einen neuen Impuls gebe", sagt Julie de Kezel, 27. Die Natur ist ihre Inspiration, wenn es um das Kreieren neuer Werke geht. Pilze, Moos und Steine liegen in ihrem Atelier. Passend dazu ihre grünen Haare - entstanden durch Zufall. Viele sagen, dass es zu ihrer Kunst passe. "Nun behalte ich das Grün, denn die Leute erkennen mich daran."

Aufgewachsen ist Julie in Gent, Belgien und hat dort Zeichnen studiert. 2016 kam sie für ein Erasmus-Semester nach München - und blieb. "Das Studium wird von der Gesellschaft nicht so anerkannt. Oft kommt der Kommentar 'Du musst dir einen richtigen Job suchen', aber die Kulturwelt kreiert eigentlich Jobs", sagt Julie.

"Ich versuche die Leute wieder enthusiastisch für die Natur zu machen", sagt Julie. Ein Bild zeigt den Abdruck eines Speisepilzes und mikroskopische Vergrößerungen von Pilzsporen, die Rückseite ist mit Moos bedeckt. "Wir nehmen immer nur von der Natur. Ich will mit meiner Kunst etwas zurückgeben", sagt Julie.

Julie hatte ein Atelier, doch die Nachbarn kamen nicht mit dem Geruch des 3-D-Druckers zurecht. Also zog sie in den Keller der Akademie in einen Raum unter der Eingangstreppe. "Der Keller gibt mir die Freiheit, das auszuprobieren, was ich will. Außerdem gibt es hier einen anderen Sound. Man hört Menschen passieren oder den Verkehr", sagt Julie. Neben ihren Utensilien stehen ihre Pilzfiguren im klammen Keller.

Schon als Kind war Julie fasziniert von der Natur und verbrachte Stunden im Wald, sammelte Blumen und Äste. Mittlerweile ist sie bei Moos und Pilzen angekommen. "Mein Zimmer ist eine Sammlung von Objekten. Die kommen bei meiner Kunst dann zum Einsatz", sagt Julie. Ihre zweite Liebe sind Miniaturfiguren. Mit ihrem 3-D-Drucker fertigt sie etwa kleine Drachen an und kombiniert sie mit den Pilzen.

"Eine der größte Gefahren für Künstler ist es, verbittert zu werden. Es ist auch okay, wenn man gerade weniger ausstellt, es ist auch okay, wenn du weniger verkaufst", sagt Julie. Im Herbst hat sie ihre erste Einzelausstellung in einem Münchner Kunsthaus. "Ich bin kein Hypokrit, ich will natürlich etwas damit verdienen. Aber ich will immer motiviert bleiben." Als nächstes ist daher ein Kollektiv aus belgischen und deutschen Künstlern in Planung.

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