Es sollte eine Backpacker-Europareise werden, aber München gefiel ihr so gut, dass sie blieb: Jodi Smith, 26, stammt aus den „Blue Mountains“ in Australien, wohnt seit drei Jahren in München und studiert an der Akademie der Bildenden Künste. An München mag sie, dass die Stadt „voller Möglichkeiten steckt und die junge Kunst- und Kulturszene sehr unterstützend, ermutigend und inspirierend ist.“

„In der abgeschiedenen Gegend, in der ich aufgewachsen bin, hatte ich nicht besonders viel zu tun, also habe ich die ganze Zeit gemalt“, sagt Jodi. In Australien arbeitete sie in einem Geschäft, das auch Künstlerbedarf verkaufte, und so konnte sie ausrangierte Farben und Materialien mit nach Hause nehmen und nutzen. Schon immer hat sie gerne Dinge, Menschen und Szenerien realistisch abgemalt. „Ich liebe es, mir Details eine Weile anzusehen“, sagt sie. „Es kann sehr meditativ sein, etwas Schönes lange zu betrachten und abzumalen.“

Anziehend, beinahe lebendig wirken die gemalten Augen auf Jodis Bildern und fallen damit ganz besonders auf. Augen nimmt sie gerne in den Fokus, sagt Jodi. Beim Porträt der befreundeten Münchner DJ Danca war es ihr wichtig, deren „innere und äußere Schönheit in einem Bild festzuhalten“. Als Teil der Ausstellung „Ich bin schön“ wird unter anderem dieses Porträt vom 5. Dezember an in der Pasinger Fabrik zu sehen sein.

Münchner Wohnvierteln widmet sich Jodi in ihrem aktuellen Projekt. Hierfür nimmt sie ihre Staffelei mit ins Freie und malt dort Häuser, Autos, Straßen. Dabei kommt es nicht selten zu Interaktionen mit Passanten. Spannend findet sie, dass Häuser abzumalen scheinbar auf viel mehr freundliche Akzeptanz stößt als etwa Häuser zu fotografieren. „Viele äußern Interesse oder schlagen vor, dass ich doch ihr Haus als Nächstes malen könnte“, sagt Jodi.

„Ich mag es, spazieren zu gehen und die schönen Dinge zu malen, die ich auf meinem Weg sehe“, sagt Jodi. „Manchmal sehe ich eine Reflexion oder einen Schatten oder wie die Sonne auf eine Wand trifft und möchte das sofort festhalten.“ So kann es schon mal vorkommen, dass ihr auf dem Weg zur Akademie eine Straßenstimmung so gut gefällt, dass sie spontan zu malen beginnt – und mit einer Stunde Verspätung zum Seminar kommt.

Seit sie an der Akademie studiert und ein Visum hat, kann sie sich noch besser auf ihre Umgebung einlassen. „Jetzt, wo ich mich angekommen fühle, sieht mein Münchner Viertel noch schöner aus“, sagt sie. Momentan ist Jodi mit ihrer Staffelei vorwiegend in ihrem eigenen Wohngebiet, der Maxvorstadt, unterwegs. Die Münchner Häuser interessieren sie sehr, da sie so anders aussehen als die Gebäude, mit denen sie in Australien aufgewachsen ist. „Und alle Autos sind so sauber hier“, sagt sie und lacht. „Manchmal spiegelt sich die ganze Straße in einem Auto.“
