Münchens junge Kreative:Subjektives Weltempfinden

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(Foto: Florian Peljak)

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Janna Jirkova

Von Ornella Cosenza

Janna Jirkova hat an der Akademie der Bildenden Künste in der Klasse von Olaf Nicolai studiert. Heute arbeitet sie in ihrem Atelier in der Baumstraße im Glockenbachviertel. Janna beschäftigt sich in ihrer Kunst mit der Fluktuation von Bildern und der menschlichen Wahrnehmung dieser. "Wie nehme ich die Welt wahr und wie prägen die Bilder das, was ich wahrnehme?" Dafür arbeitet sie mit Videos und Videoinstallationen.

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(Foto: Florian Peljak)

"Empfindungen sind subjektiv - das ist auch ein Grund, weshalb ich immer wieder in meinen Videos vorkomme. Es ist eine subjektive Sicht, jeder empfindet anders." Bei ihren Videos arbeitet Janna oft mit mehreren Schichten: Sie projiziert dann ein bereits aufgenommenes Video oder Bild an eine Wand und filmt dieses dann mit neuen Elementen ab. "Manchmal mache ich dann noch etwas vor der Projektion, etwas Performatives, oder stelle etwas davor. So entstehen mehrere Schichten", sagt sie. Dieses Video-Still stammt aus ihrer Arbeit "Her Do".

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(Foto: Florian Peljak)

Durch das Arbeiten mit verschiedenen Schichten und Ebenen eignet sich Janna auch Archivmaterial an und interagiert damit. So zum Beispiel mit Aufnahmen von Kaiserin Sissi für ihre Arbeit "Her Do". Das Archivmaterial hat Janna wieder abgefilmt - mit einem Vorhang aus Haaren vor der Kamera. Das fertige Video wird auf Jannas Rücken projiziert. "Ich fand die scheinbaren Widersprüche bei Sissi interessant. Dass sie einerseits viel Zeit für ihre Haarpflege aufgewendet hat, aber auch Reitsport gemacht hat. Ich glaube, das war für ihre Zeit eher außergewöhnlich."

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(Foto: Florian Peljak)

Bildwelten waren Janna schon früh vertraut: Ihr Vater ist Cutter, ihre Mutter hat Zeichentrick gemacht. Diese schwarze Weste aus Gummi hat Janna selbst gefertigt - mit integriertem Tablett auf Höhe des Bauchnabels. Getragen hat sie diese während einer Performance. "Auf dem Bildschirm läuft ein Video, das ich gemacht habe. Eine blaue Masse, die sich über den Bauchnabel legt. Tabletts, Smartphones oder auch Kopfhörer sind etwas Alltägliches, das wir nah am Körper tragen. Wie auch Kleidung. Mich interessiert die Verbindung zwischen Körper und Technik. Das Smartphone, das wir in der Hand halten, ist ja fast wie eine Art Körpererweiterung. Wie verändert Technik unsere körperliche Wahrnehmung?"

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(Foto: Florian Peljak)

"Das ist ein Kopfhörerobjekt - dafür habe ich Kopfhörer genommen und habe sie mit Wachs, Kinesio-Tape, Eierkartons und Frischhaltefolie verarbeitet, mit vorgefundenen Materialien." Janna hat vier solche Objekte erarbeitet. Die Kopfhörer haben ein performatives Element: Man kann sie aufsetzen und hört dann einen Sound und gedichtartige Texte von Janna, die sich um das Thema Wahrnehmung drehen. Man taucht in eine andere Gedankenwelt ab. "So können Gedanken angestoßen werden und es findet auch eine Begegnung statt, eben durch die Kopfhörer", sagt sie.

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(Foto: Florian Peljak)

Janna arbeitet viel mit Video und bewegtem Bild. Ihre Kunst ist mit der Zeit aber immer räumlicher geworden. Für ihre Objekte, die gerade in der Galerie der Künstler zu sehen sind, hat Janna aus Alugittern und Wachs Displays hergestellt. Ähnlich wie Regale, auf denen die Objekte platziert werden. "Die Kombination aus gegossenem Wachs, das unkontrolliert fließt und einer sehr kontrollierten industriellen Form, fand ich spannend." Dieses Alugitter war ein Test für anderen Exemplare, die nun bis zum 16. Oktober noch in der Ausstellung stehen, zusammen mit ihren Videoarbeiten und Installationen.

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