Münchens junge Kreative:Buchstaben wie ein Mantra

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(Foto: Robert Haas)

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Fillin Guas.

Von Sabrina Ahm

Sein Gesicht kennt kaum jemand, seinen Namen hat er schon vor langer Zeit geändert. Wie es dazu kam, gibt Fillin Guas nur sehr ungern preis. Eine lange Reise, ein Konflikt, die Verarbeitung durch Kunst, das Aufzeigen von Problemen. Als er nach München zurückkam, wusste er: Durch seine Kunst kann er wichtige Botschaften verbreiten. Heute arbeitet er als Solo-Künstler und im Künstlerkollektiv broke.today.

(Foto: Robert Haas)

Um die Tür des dying.house ranken Schriftzuge an der Hauswand hinauf. In einem langen Satz, der die Fassade fast ganz einnimmt, wird um kostenlosen Atelierplatz gebeten. Das Künstlerkollektiv broke.today durfte das Haus in der Maxvorstadt in den vergangenen Monaten als Zwischennutzung bewohnen. So kam auch Fillin zu seinem jetzigen Atelier. Aber schon bald ziehen die Künstler wieder weiter.

(Foto: Robert Haas)

Im Hinterhof des Hauses befindet sich eine Werkstatt. In ihr ist eine steile Treppe, die ins Obergeschoss führt. Dort ist ein großer Raum, dessen Fenster von außen durch die Äste eines Baumes verhangen sind. Es riecht nach Lack und Farbe. Von jeder Ecke her ist dieses eine Muster zu sehen, fast wie ein Camouflage-Muster aus weißer und schwarzer Farbe.

(Foto: Robert Haas)

Fillins erste Berührung mit Kunst war mit Graffiti, als er noch minderjährig war. Er habe sich schnell davon distanziert, weil es immer etwas destruktiv gewesen sei und mit Paranoia und Straftaten verbunden war. An der Ursprungsform des Graffitis, dem Tag, ist Fillin jedoch hängen geblieben. Die sich wiederholenden Buchstaben sind seine Ausdrucksweise. "Es ist wie ein Mantra", sagt er.

(Foto: Robert Haas)

Fillin ist selbständig und kann von seiner Kunst sowie den organisatorischen Tätigkeiten im Kollektiv leben. Eigentlich sei seine Kunst eher der Zeitvertreib zwischendurch, erzählt er. "Ich male die Bilder in den Minuten Leerlauf, die ich habe. Sie gehen sehr schnell, sind Einzelstücke und es sieht auch jeden Tag anders aus. Während ich male, da denke ich nichts, ich wiederhole das Mantra einfach", sagt er.

(Foto: Robert Haas)

Was mag dieses so faszinierende Mantra sein, das ständig wiederholt werden will? "Auf der Signature-Series steht einfach nur mein Tag, der Georg, auf Repeat", sagt Fillin. Georg, das sei sein Alter Ego - nicht mehr, nicht weniger. "Ich habe nie darüber nachgedacht, was genau das ist, das ist einfach nur meine Beschäftigungstherapie. Ich nehme das auch nicht so ernst. Kunst, das kann auch einfach Spaß machen", sagt er.

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