Münchens junge Kreative: Emilia Neuhäuser:Wenn Kunst zur Meditation wird

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"Mir gefällt das Motorische und Handwerkliche daran, es ist fast schon meditativ für mich", sagt Emilia Neuhäuser über den Linoldruck. "Er ist vielfältig und überraschend", sagt sie. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Emilia Neuhäuser.

Emilia Neuhäuser, 21, studiert an der "Freien Kunstwerkstatt München" und hat vor zwei Jahren den Linoldruck für sich entdeckt. Dabei möchte sie diese grafische Technik auch in gewisser Hinsicht von Vorurteilen befreien. "Viele kennen den unterschätzten Linoldruck vielleicht noch aus der Schule als langweilige Aufgabe, dabei ist er viel mehr als das: Er ist vielfältig und überraschend", sagt sie.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Emilia probiert sich in ihrer Kunst gerne aus und ist stets offen für Neues. "Mir wird schnell langweilig", sagt sie. Auf dem Linoldruck sei sie jedoch "hängengeblieben". "Mir gefällt das Motorische und Handwerkliche daran, es ist fast schon meditativ für mich." Außerdem ermögliche die Drucktechnik ihr neue Experimente. Auf sechs kleineren Leinwänden hat sie etwa das Motiv eines Hahns einige Male übereinander gedruckt, bis gänzlich neue Formen entstanden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Früher sei es Emilia schwergefallen, abstrakt zu arbeiten, durch den Linoldruck konnte sie sich dieser Ebene öffnen: "Durch diese Technik konnte ich endlich freier arbeiten und auch mal zulassen, etwas dem Zufall zu überlassen", sagt sie. An ihren Druckplatten schnitzt sie stetig weiter. "Auch durch neue Farbwahlen ist Linoldruck keine langweilige Reproduktion, denn jeder Druck ist anders."

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bei ihren Motiven lässt sich Emilia schon immer am liebsten von der Tierwelt inspirieren. "Mich reizen hier die Muster und Formen, die die Natur so schafft, und deren Dynamiken und Bewegungen", sagt sie. Einer ihrer favorisierten Drucke zeigt einen großen roten Oktopus. Dieses Motiv druckte sie diesmal auf Stoff - ein weitaus schwierigeres Unterfangen, als auf einer statischen Leinwand zu arbeiten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Auch Malereien sind in Emilias kleinem Atelier auf dem Bahnwärter-Thiel-Gelände zu finden. Ein in Türkis gehaltenes Bild habe ihr lange Zeit nicht gefallen, also malte sie gelegentlich neue Schichten darauf. Durch die verschiedenen Ebenen hat sie nun Gefallen daran gefunden. "Jetzt sieht es für mich wie die Gischt im Meer aus, und das mag ich daran", sagt sie.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Das Schuhbildnis war der vielleicht beste Selbstläufer, der mir je passieren konnte", sagt Emilia. Auf Anfrage malt sie - mit einer Lederfarbe für die Haltbarkeit - Wunschmotive auf Sneaker. Dadurch, dass die fertigen Schuh-Kunstwerke dann "draußen herumlaufen", hat sie schon so einige weitere Anfragen gewonnen. Auch ihre eigenen Sneaker sind mit einem Engel-Bildnis bemalt, und das hält schon seit einigen Jahren: "So geht meine Kunst überall mit mir hin."

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