Münchens junge Kreative: 7roomsofgloom :Kunst als Identitätssuche

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Hinter den vermeintlich lustigen Objekten des Designprojektes 7roomsofgloom steckt teilweise Gesellschaftskritik. (Foto: Robert Haas)

Das Designprojekt „7roomsofgloom“ rebelliert gegen die Prämisse, dass jedes Objekt einen Zweck erfüllen muss. Die Kunst der drei Studenten ist laut, ironisch und voller Gesellschaftskritik, ohne sich je zu ernst zu nehmen.

Von Eva Pramschüfer

Nicolas Pakai, Lennart Seis und Christian Kippes rebellieren gegen die Prämisse von Kommunikationsdesign. Die Kunst ihres Designprojekts „7roomsofgloom“ ist laut, ironisch und voller Gesellschaftskritik, ohne sich zu ernst zu nehmen. „In unserem Studium brauchst du für alles eine Erklärung. Alles muss immer entweder ein Problem lösen oder eine Funktion erfüllen“, sagt Nicolas. Sie zielen auf das Gegenteil ab.

(Foto: Robert Haas)

Eine Fliegenklappe mit spitzen Nieten, Ofenhandschuhe mit der Aufschrift: „Ich spüre nichts“ oder eine Kinderuhr mit Bushidos Worten „Zeiten ändern dich“ – die Kunst von 7roomsofgloom ist absurd und regt zum Nachdenken an. Es gehe darum, Gegenstände zu finden, „die mit Symbolik aufgeladen sind, und sich diese anschließend mit Gestaltung anzueignen, sodass die Symbolik in den Hintergrund tritt“, erklärt Nicolas.

(Foto: Robert Haas)

Der Hauptteil ihrer Arbeit findet in der Hochschule München statt. „Am Anfang haben wir Dinge in einem Dokument gesammelt, die wir absurd und verrückt finden.“ Anschließen haben sie die Objekte gesucht, beispielsweise in der Bavaria Filmstadt, wo es Requisiten zu kaufen gibt. Schnell taten sich bei ihrer Recherche Bilder auf: Einsamkeit, Coming Of Age, Identitätssuche und was es bedeutet, ein Mann zu sein.

(Foto: Robert Haas)

Nach der Recherchephase suchte sich jeder ein Objekt, das er spannend fand, und gestaltete es. Trotzdem war ihre Arbeitsweise weiterhin kollaborativ. „Wir funktionieren sehr gut zusammen, wir haben einfach eine sehr ähnliche Sichtweise und Humor,“ sagt Nicolas: „Durch unsere Objekte entstehen eher noch mehr Fragen. Sie lösen erst einmal gar nichts.“

(Foto: Robert Haas)

Die vermeintlich lustigen Objekte haben häufig eine gesellschaftskritische Eben. Vor allem diese: Den Satz, „‚das war schon immer so, deswegen machen wir es auch weiter so‘, können wir nicht mehr hören“, sagt Nicolas. „Oder Dinge totzuschweigen, über den Klimawandel zum Beispiel will man am besten gar nicht reden. Wir wollen aufzeigen: Hey, wie absurd ist es eigentlich, wie es gerade läuft.“

(Foto: Robert Haas)

Trotzdem ist den Designstudenten wichtig, dass sie nicht für einen tristen Blick auf die Welt stehen. „Wir finden nicht alles scheiße und machen deshalb Kunst“, sagt Nicolas. „Wir sind bunt und laut. Und wir sind dafür, mehr Vielfalt und Gefühle zu zeigen. Wir wollen, dass Menschen unsere Sachen cool finden und vielleicht auf den zweiten Blick darüber nachdenken, was sie bedeuten.“

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