München/Planegg Neuer Aufguss alter Pläne

Stadt lässt Verlängerung von Tram- und S-Bahn bis Planegg prüfen. Im dortigen Rathaus gibt man sich skeptisch

Von Rainer Rutz, München/Planegg

Eine Trambahn vom Münchner Westfriedhof zum Bahnhof Planegg? Eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 6 von Großhadern über Martinsried bis zur Planegger S-Bahn? Mit diesen Visionen beschäftigen sich Kommunalpolitiker seit fast 20 Jahren. Jetzt ist das Szenario ein winziges Stückchen weitergekommen. Denn der Münchner Stadtrat hat in seiner Plenar-Sitzung jetzt auf Antrag eines parteiübergreifenden Bündnisses beschlossen, sowohl eine Verlängerung der Trambahnlinie nach Planegg als auch eine Fortführung der U 6 in den zuständigen Gremien prüfen zu lassen. Damit lehnt man sich an Vorgaben des Münchner Nahverkehrsplans aus dem Jahre 2011 an.

Bisher waren ähnliche Überlegungen immer mit dem Hinweis abgelehnt worden, derartige öffentliche Massenverkehrssysteme nach Planegg lohnten sich wirtschaftlich nicht. Diesen Gedanken hat man nun offenbar hintangestellt. Eine große Rolle dürfte dabei auch die dynamische Entwicklung auf dem Campus Martinsried gespielt haben, wo Ende dieses Monats das Biomedizinische Zentrum der Ludwigs-Maximilians-Universität eröffnet werden soll. Alleine dort werden dann rund 2000 Menschen arbeiten.

Der Prüfungsauftrag für die Straßenbahn und die U-6-Verlängerung bedeutet bislang nur, "dass wir ganz am Anfang stehen", sagt Ingo Trömer vom städtischen Planungsreferat. Man werde prüfen, ob sich der Routenverlauf "vom Verkehrswert her überhaupt rentieren könnte". Eine hieraus resultierende Prüfung werde etwa bis zum Jahr 2018 dauern. Erst danach würden die Gemeinden informiert und erste konkrete Planungsschritte eingeleitet. Das Ganze sei möglicherweise eine Sache von Jahrzehnten. Tatsächlich ist die längst beschlossene Verlängerung der U 6 vom Klinikum Großhadern bis zum Campus noch keinen konkreten Schritt weitergekommen. Mittlerweile rechnet man in Planegg nicht mit einer Linien-Eröffnung vor 2021. Eigentlich sollte die U-Bahn schon 2016 fahren.

Bei der Gemeinde Planegg gibt man sich angesichts der Erfahrungen mit der Campus-U-Bahn sehr skeptisch. Das Ganze sei "nichts Neues", sagt Rathaus-Geschäftsführer Stefan Schaudig: "Das Thema Trambahn-Verlängerung war schon in allen bisherigen Nahverkehrsplänen der Landeshauptstadt erwähnt." Für Planegg stelle sich, ähnlich wie bei den immer wiederkehrenden Diskussionen um eine Umlandbahn, vor allem die Frage: "Nördlich oder südlich der Germeringer Straße?" In Planegg bezweifelt man, dass sich eine Trambahn wirtschaftlich rechnen würde - angesichts der hohen Investitionskosten. "Momentan gibt es für uns keinen Anlass für eine Reaktion", sagt Schaudig, "aber Visionen sind allemal wichtig".