München/Gräfelfing Kräfte bündeln

Neuer IHK-Regionalausschuss sucht Lösungen für das Umland

Von Bernhard Lohr, München/Gräfelfing

Der Landkreis München zeigt sich weiter selbstbewusst der Landeshauptstadt gegenüber. Die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) hat einen Regionalausschuss München-Land ins Leben gerufen und den Unternehmern damit ein eigenes Sprachrohr verliehen. An dessen Spitze steht der Gräfelfinger Christoph Leicher, 62, der die Leicher Engineering GmbH in Kirchheim führt. Die Staus in der Region kennt er von der täglichen Fahrt in die Arbeit und nach Hause. Der drohende Verkehrskollaps ist aber nur ein Problem, das er in der boomenden Region thematisieren will. Auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und beim Wohnungsbau sieht er Handlungsbedarf. Im Gespräch mit der SZ begründete der Unternehmer, warum es Zeit wurde für dieses Gremium: "Der Landkreis München ist der Landkreis mit der stärksten Wirtschaftskraft in Bayern. Die Unternehmer spielen eine bedeutende Rolle und hatten doch keine direkte Vertretung. Die Basis soll bei der IHK stärker eingebunden werden. Es gibt jetzt 19 Regionalausschüsse, vorher waren es 14 in Oberbayern."

Leicher zufolge habe die Politik in der Stadt "viele Entwicklungen verschlafen". Dies sei schade, denn Stadt und Landkreis seien eng vernetzt und müssten gemeinsam gute Lösungen finden und sie dann auch umsetzen. Es sei versäumt worden, die Vernetzung weiter voranzutreiben. Das Umland habe sich dynamischer entwickelt als die Kernstadt, was für die Verkehrsinfrastruktur nicht ohne Folgen bleiben konnte. Er selber fahre täglich von Gräfelfing in sein Unternehmen in Kirchheim und stehe oft im Stau. Leicher: "Die halbe Wirtschaftskraft steht im Stau."

Die Strahlkraft Münchens und des Landkreises München als Wirtschaftsstandort führt er nicht zuletzt auf die hohe Lebensqualität zurück, die hier gegeben sei. Außerdem herrsche in der Region ein unternehmerfreundliches Klima. Leicher: "Viele möchten hier arbeiten oder eine Firma gründen. Es herrscht große Konkurrenz zu Berlin. Aber die innovativen, klugen Köpfe, die gerne zum Surfen gehen und die es in die Berge zieht, die kommen eher nach München."

Um diese Vorteile zu sichern, hält Leicher - wie die IHK auch - die dritte Startbahn am Flughafen für "wahnsinnig wichtig". Für die Anwohner sei das natürlich "eine schwierige Sache", aber für die Region insgesamt wichtig. "Mit dem Flughafen kommen wir in die Welt, und die Welt kommt zu uns", sagt Leicher. Es sei die Verantwortung des Staates, der Politik, eine gute Infrastruktur anzubieten.

Leicher bedauert, dass die Transrapid-Strecke nicht gebaut wurde. "Ähnlich verhält es sich mit dem S-Bahn-Nordring und dem weitgehend im Tunnel geführten Autobahn-Südring. Man kann unter dem Ärmelkanal durchfahren. Wir sollten das beim Isartal auch schaffen." Leicher kündigte an, dass sich der Regionalausschuss auch mit dem Wohnungsproblem befassen werde. Landkreis und Stadt müssten auch hier ihre Kräfte bündeln und Synergien nutzen.