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Umbau im Sparmodus:Heftige Kritik am neuen Hauptbahnhof

Die Deutsche Bahn hat die Pläne für den Umbau des Münchner Hauptbahnhof ordentlich abgespeckt. Den Fraktionen im Münchner Stadtrat gefällt das überhaupt nicht.

Die Pläne der Deutschen Bahn für den neuen Hauptbahnhof stoßen im Münchner Stadtrat auf heftige Kritik. Von einer "großen Enttäuschung" und einem "wenig überzeugenden Entwurf" ist die Rede. "Immerhin ist es begrüßenswert, dass überhaupt was geschieht", sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl; zugleich schiebt Reissl nach, dass der sich abzeichnende Streit zwischen der Bahn und dem Architektenbüro Auer+Weber "eine ungute Geschichte ist".

Hauptbahnhof in München, 2010

Keine halben Sachen: Die Deutsche Bahn hat ursprüngliche Umbaupläne stark abgespeckt. Die Fraktionen im Münchner Stadtrat reagieren mit heftiger Kritik.

(Foto: Stephan Rumpf)

Paul Bickelbacher von den Grünen findet den Entwurf "wenig beeindruckend". Wenn schon ein neuer Bahnhof gebaut wird, wünscht er sich "ein Gebäude, das einen architektonischen Punkt setzt". Auch in der CSU gibt es "keine Begeisterung", sagt Fraktionschef Josef Schmid. FDP-Fraktionschef Michael Mattar sieht in der Planung "einen Rückschritt gegenüber dem ursprünglichen Wettbewerbsentwurf".

Wie berichtet, will die Bahn nach dem geplanten Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke (für den das Hauptgebäude abgerissen werden muss) einen "funktionalen Neubau" errichten; der soll laut Bahn günstiger sein als der Entwurf, für den das Büro Auer+Weber im Jahr 2006 den Zuschlag erhalten hatte. Am heutigen Mittwoch will Bahn-Manager André Zeug, zuständig für die Bahnhöfe, den Entwurf dem Stadtrat präsentieren; die Planungsexperten der Fraktionen hatten erste Entwürfe vorab gesehen.

Der Entwurf der Bahn ist eine abgespeckte Variante des Auer+Weber-Konzepts und soll in einzelnen Modulen errichtet werden können. Damit will die Bahn sicherstellen, dass bei eventuellen Olympischen Spielen keine riesige Baugrube am Hauptbahnhof die Besucher empfängt. Die Architekten von Auer+Weber sind verärgert über den Konzern: Sie hatten nach eigenen Angaben bereits eine abgespeckte Version geplant. "Und auch unser Konzept ist modular angelegt", sagt Stephan Suxdorf von Auer+Weber. Ein juristisches Vorgehen gegen die Bahn schloss er nicht aus. Das könnte die Fertigstellung bis Olympia 2018 verzögern, warnt FDP-Mann Mattar: "Das ist hochgefährlich."

Zudem hatte Auer+Weber zuletzt von den Stadtwerken den Zuschlag erhalten, das Zwischengeschoss unter dem Bahnhofsvorplatz neu zu gestalten - mit fließenden Übergängen aus dem Bahnhofsgebäude und einer "durchgehenden, homogenen Gestaltung", so Suxdorf. "Die Bahn, so scheint es, gehen die Plätze rund um den Bahnhof dagegen gar nichts an", kritisiert Grünen-Mann Bickelbacher. Er plädiert für das Auer+Weber-Konzept, das wirke "einheitlicher".

Kritik kommt auch aus dem städtischen Planungsreferat: So sieht Stadtbaurätin Elisabeth Merk noch "Überarbeitungsbedarf". Ihr fehlt unter anderem ein Zugang vom neuen Bahnhof direkt zur U4/5 sowie im Westen zur bestehenden S-Bahn-Stammstrecke. Außerdem hat die Bahn den Durchgang von den Gleisen zum Bahnhofsvorplatz nun enger gestaltet als Auer+Weber. Auch dies müsse die Bahn ändern, um ein "Funktionieren der Verkehrsstation" zu garantieren. Bickelbacher dazu: "So richtig funktioniert dieser ,funktionale Neubau' wohl noch nicht."

© SZ vom 18.05.2011/infu
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