EnergiewendeWas es mit dem gigantischen Zylinder am Heizkraftwerk Süd auf sich hat

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Der neue Wärmespeicher des Energiestandorts Süd soll im Sommer in Betrieb genommen werden.
Der neue Wärmespeicher des Energiestandorts Süd soll im Sommer in Betrieb genommen werden. (Foto: Florian Peljak)

Der  50 Meter hohe Metallkoloss lässt viele Münchnerinnen und Münchnern rätseln. Was die Stadtwerke damit vorhaben und warum der Bau wichtig für den Klimaschutz ist.

Von Poul Heintzenberg

Nahe an der Isar, im Münchner Süden, erheben sich die fast schon ikonischen Schornsteine des Energiestandorts Süd der Stadtwerke über der Skyline. Ergänzt werden diese seit Ende vergangenen Jahres durch einen noch etwas unförmig anmutenden Metallzylinder. Was von Weitem den Eindruck einer riesengroßen Thermoskanne erweckt, ist im Grunde genau das, ein Speicher für heißes Wasser. Der neu errichtete Wärmespeicher soll einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende leisten und für eine flexiblere und effizientere Nutzung des Kraftwerks sorgen.

Knapp 57 000 Kubikmeter Wasser passen in den 50 Meter hohen Metallkoloss im Energiestandort Süd. Zum Vergleich: Ein olympisches Schwimmbecken fasst gerade einmal 2500 Kubikmeter. Diese Menge an Wasser wird benötigt, um die Versorgungssicherheit für Tausende Münchner Haushalte zu erhöhen. Dabei machen sich die Stadtwerke das Konzept der Kraft-Wärme-Kopplung zunutze. Was sperrig klingt, ist eigentlich ganz einfach. Die bei der Stromproduktion entstehende Abwärme wird weiterverwendet, um Wasser zu erhitzen. Dieses wird dann als Fernwärme an die Abnehmer weitergeleitet. Dank des neu gebauten Speichers kann nicht benötigtes Heißwasser nun gespeichert werden.

Das ist vorwiegend an Tagen der Fall, an denen viel Strom produziert wird, aber der Bedarf an Fernwärme eher gering ist. Umgekehrt kann das gespeicherte Wasser verwendet werden, wenn das Kraftwerk weniger Strom produziert, aber trotzdem viel Fernwärme angefragt wird. „Mithilfe des Wärmespeichers können die Stadtwerke ihre Erzeugungsanlagen flexibler nutzen“, erklärt Pressesprecherin Bettina Hess. Energie gehe bei der Speicherung des Heißwassers nur minimal verloren. Seit Dezember ist der Rohbau fertig. In nächsten Schritten würden die Isolierung und der Bau der notwendigen Anschlüsse folgen, so Hess. Die Stadtwerke rechnen mit einer Inbetriebnahme in diesem Sommer.

Der Bau des Wärmespeichers ist Teil einer größer angelegten Modernisierung des Energiestandorts Süd. Schon 2021 ging die bislang größte Geothermie-Anlage Deutschlands in Betrieb. Es folgten verschiedene Bauabschnitte, um die Effizienz des Kraftwerks weiter zu erhöhen und so auch den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu reduzieren. Hierzu gehört neben dem Wärmespeicher auch die Modernisierung der beiden Gas- und Dampfturbinenanlagen GuD1 und GuD2. Letztere wurde bereits im Herbst 2022 in Betrieb genommen. Für die Modernisierung der GuD1 ist die Fertigstellung im Herbst 2025 geplant. Durch den Austausch der beiden Anlagen erhofften sich die Stadtwerke, laut Hess, eine Effizienzsteigerung von bis zu sechs Prozent. Die Kundinnen und Kunden merken von der Umstellung nichts. Die Energieversorgung sei durch andere Anlagen weiterhin gesichert.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Geothermie

Auch am Fernkältenetz bauen die Stadtwerke fleißig weiter. Bereits 23 Kilometer Leitungen versorgen hauptsächlich die Innenstadt mit der, in den Sommermonaten so dringend benötigten, Kälte. Zukünftig soll diese auch vom Energiestandort Süd stammen. Hierbei nutzen die Stadtwerke die natürlich niedrige Temperatur des Isarwerk-Kanals. Durch Wärmetauscher kann diese auf das Wasser im Fernkältesystem übertragen werden. Im Sommer helfen zusätzlich Kältemaschinen, betrieben durch Strom oder Wärme, um das Wasser herunterzukühlen. So könne München „ökonomisch und ökologisch optimal“ gekühlt werden, sagt Hess. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist für 2026/27 geplant. Mögliche Folgen für das Ökosystem der Isar gebe es nicht, so die Stadtwerke.

Die Modernisierungen am Energiestandort Süd stehen ganz im Zeichen der selbst gesteckten Klimaziele. Im Verlauf dieses Jahres wollen die Stadtwerke bereits den gesamten Strombedarf Münchens mit erneuerbaren Energien decken. Nach eigenen Angaben sei dieses Ziel bereits zu über 90 Prozent erfüllt. Bis 2040 soll dann auch die Fernwärme vollständig klimaneutral erzeugt werden. Hierfür investieren die Stadtwerke nicht nur am Energiestandort Süd. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Geothermie. Die bestehenden sechs Anlagen sollen bald durch die nach eigenen Angaben größte Geothermieanlage Deutschlands am Michaelibad ergänzt werden.

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