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Zündapp-Quartier:Ein letzter Anlauf

So war mal der Plan: In der Mitte ein neues Bürogebäude, rechts daneben ein Wohnhaus, das Stand jetzt aber doch nicht gebaut werden soll. Simulation: Pandion AG

OB Reiter setzt sich für Wohnungsbau an Anzinger Straße ein

Von Sebastian Krass

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) startet einen letzten Vermittlungsversuch, um doch noch den Bau von Wohnungen statt der inzwischen geplanten Büros auf dem ehemaligen "Zündapp"-Quartier an der Anzinger Straße zu erreichen. "In Anbetracht von mehreren Hundert Wohnungen, um die es hier geht, und der eindeutigen Stimmungslage heute hier im Stadtrat werde ich mich noch einmal mit den Beteiligten zusammensetzen. Ich habe schon nutzlosere halbe Stunden im Rathaus verbracht", sagte Reiter am Mittwoch am Ende einer intensiven Debatte im Planungsausschuss des Stadtrats. Er entsprach damit einer Bitte von Jörg Hoffmann, dem Fraktionsvorsitzenden von FDP/Bayernpartei: "Wenn es schon 17 Treffen zwischen den beteiligten Unternehmen gab und man sich nicht einigen konnte, aber beide sagen, dass sie nichts gegen Wohnungsbau haben: Wollen Sie dann nicht einen letzten Anlauf starten?", fragte Hoffmann an Reiter gerichtet.

Es geht bei der Diskussion um ein Grundstück in Berg am Laim, das direkt ans Werksviertel und an eine Produktionsstätte des Technologieunternehmens Qualcomm grenzt und auf dem früher Motorräder gebaut wurden. Schon vor Jahren startete die Stadt ein Bebauungsplanverfahren, um dort Wohnraum zu ermöglichen. Zunächst plante der Grundstückseigentümer, das Immobilienunternehmen Pandion, mehr als 500 Wohnungen. Doch Qualcomm meldete Bedenken an, weil es fürchtete, dass Anwohner gegen die Emissionen der Fabrik vorgehen könnten. Also einigte Pandion sich mit der Stadt, auf dem westlichen Teil Richtung Qualcomm ein Bürogebäude zu bauen und auf dem östlichen Teil noch 360 Wohnungen.

Im vergangenen Jahr dann sagte ein Pandion-Vertreter, an sich würde man ja gern die Wohnungen schaffen, aber Büroraum sei inzwischen lukrativer. Schließlich meldete Pandion der Stadt: Man habe sich nicht mit Qualcomm auf eine Vereinbarung über die Nachbarschaft von Wohnen und Industrie einigen können und wolle nun gemäß dem bisherigen Baurecht nur noch Büros errichten - dafür aber muss der Planungsausschuss den Bebauungsplan für den Wohnraum kippen. Qualcomm wiederum erklärte auf Anfrage der SZ, man halte eine Wohnbebauung für "möglich". Dem wiederum hielt Jacqueline Charlier, die stellvertretende Leiterin des Planungsreferats, am Mittwoch im Ausschuss entgegen, sie habe erst kürzlich ein Anwaltsschreiben von Qualcomm bekommen, in dem das Unternehmen noch mehr Emissionen anmelde.

Diese verworrene Vorgeschichte verärgerte viele Stadträte: "Wir hätten uns Wohnungsbau sehr gut vorstellen können, aber es ist rechtlich sehr schwierig", sagte Simone Burger (SPD). Fabian Ewald von der CSU schimpfte: "Jeder schiebt die Schuld auf die anderen. Am Ende wäre es ein fatales Signal der Stadt zum Thema Wohnungsbau." Man werde der Vorlage für die Aufhebung des Bebauungsplans "schweren Herzens" zustimmen, sagte Christian Smolka (Grüne), sonst drohten nur juristische Auseinandersetzungen. Doch kurz vor der Abstimmung sprach FDP-Stadtrat Hoffmann seine Bitte an den OB aus.

Dieter Reiter will nun sein Büro beauftragen, einen Gesprächstermin mit Pandion und Qualcomm zu organisieren. Bis dahin hat der Planungsausschuss den Beschluss vertagt.

© SZ vom 29.10.2020/van

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