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Wirtschaft in München:Nur Büros, keine Wohnungen entstehen im Zündapp-Quartier

So war mal der Plan: In der Mitte ein neues Bürogebäude, rechts daneben ein Wohnhaus, das Stand jetzt aber doch nicht gebaut werden soll. Simulation: Pandion AG

Als Grund gibt der Investor die Angst vor Nachbarschaftsstreitigkeiten an. Selbst der Oberbürgermeister intervenierte - vergeblich.

Von Sebastian Krass

Auch die persönliche Intervention des Oberbürgermeisters hat die Investoren nicht mehr zurück zum Wohnungsbau gebracht: Auf dem ehemaligen Zündapp-Quartier an der Anzinger Straße, am Rande des Werksviertels, werden nun ausschließlich Büros statt der zuvor geplanten etwa 300 Wohnungen entstehen. Das geht aus der Ergänzung zu einer Sitzungsvorlage für den Planungsausschuss des Stadtrats am Mittwoch hervor.

Demnach hat sich OB Dieter Reiter (SPD) am 10. November mit Stadtbaurätin Elisabeth Merk sowie Vertretern der Immobilienfirma Pandion und der Technologiefirma Qualcomm, die eine Produktionsstätte direkt neben dem Baugrundstück betreibt, zusammengesetzt. Dieses Treffen als einen letzten Rettungsversuch für Wohnungsbau hatte FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann in der vergangenen Sitzung des Planungsausschusses angeregt.

Bei dem Gespräch hätten beide Unternehmen erklärt, warum sie sich in der Vergangenheit nicht auf eine Vereinbarung über die Nachbarschaft eines Industriebetriebs, der Emissionen ausstößt, und einer Wohnbebauung einigen konnten, schreibt Merk in ihrer Ergänzung zur Vorlage. Qualcomm fürchtete, dass Anwohner in der Zukunft gegen die Emissionen vorgehen könnten.

Pandion wiederum habe im Gespräch mit dem OB an der Position festgehalten, dass die Vereinbarkeit zweier divergierender Nutzungen und folglich die Rechtssicherheit für Wohnungsbau nicht vorliege, schreibt Merk. "Daher hält Pandion an ihrer Entscheidung fest, nur noch eine reine Büronutzung realisieren zu wollen." Damit wird der Planungsausschuss voraussichtlich am kommenden Mittwoch der Aufhebung eines Bebauungsplanverfahrens für Wohnungsbau zustimmen.

Ursprünglich waren auf dem Areal 515 Wohnungen in zwei Komplexen geplant, später plante Pandion auf einen Büro- und einen Wohnkomplex mit noch 360 Wohnungen um. Dann aber teilte das Unternehmen der Stadt mit, den neuen Bebauungsplan nicht weiter verfolgen zu wollen. Das Planungsreferat betonte, man habe Pandion gedrängt, am Wohnungsbau festzuhalten.

Eine rechtliche Handhabe dafür hat die Stadt aber nicht. Es ist zumindest zweifelhaft, ob die möglichen Probleme durch die Nachbarschaft zu Qualcomm das einzige Motiv für den Kurswechsel waren. Ein Vertreter des Investors sprach bereits im vergangenen Jahr davon, dass Büros lukrativer sein könnten.

© SZ vom 30.11.2020/van/mmo
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