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Zoo:Lernen zwischen Zwergrindern und Kunekune-Schweinen

Einweihung der neuen Tierparkschule im Hellabrunner Mühlendorf.

Die Tierparkschule ist keine neue Erfindung. Seit 1987 gibt es das Bildungskonzept bereits.

(Foto: Corinna Guthknecht)

In die Lern- und Erlebniswelt im Tierpark Hellabrunn kommen Kinder aus ganz München. 4,7 Millionen Euro wurden allein für die neu eröffnete Tierparkschule investiert.

Die Lehrer haben sich schon eingelebt. Gemütlich kauen die Girgentana-Ziegen mit ihren silbernen Hippiefrisuren am frischen Gras, daneben stehen die schwarzen Dahomey-Zwergrinder und beäugen neugierig ihre neuen Kollegen der am Freitag eröffneten Tierparkschule in Hellabrunn. Ja, die Tiere sind hier die Lehrer, die Schüler sind Kinder aus ganz München, die nun ganz neue und ziemlich ungewöhnliche Klassenzimmer beziehen können.

Wenn sie aus den Fenstern des Schulhauses blicken, das an einen rustikalen oberbayerischen Bauernhof erinnert, sehen sie kugelrunde Kunekune-Schweine, hören Hähne krähen und Ziegen meckern. "Die Tierparkschule und das Mühlendorf sind ein Großprojekt", sagt Tierparkdirektor Rasem Baban vor 200 geladenen Gästen. "Damit haben wir einen Ort geschaffen, an dem wir nicht nur unsere täglichen Tierparkgäste, sondern auch viele zukünftige Schülergenerationen für die Natur vor unserer Haustür begeistern können. Hier erfahren sie, was Biodiversität bedeutet, nämlich die Vielfalt des Lebens."

Einweihung der neuen Tierparkschule im Hellabrunner Mühlendorf.

Lernen von den Tieren: Jugendliche der Elly-Heuss-Realschule haben zur Eröffnung der Tierparkschule Nistkästen bemalt.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Und das zu zeigen, ist nicht nur Baban ein großes Anliegen. Der Stadtrat hat den Bau der Tierparkschule mit 4,7 Millionen Euro finanziert. Doch die Lern- und Erlebniswelt ist weit mehr als der großzügige, weitgehend aus Holz gefertigte Bau im Herzen des Mühlendorfs. Denn auch das ist nun nach mehrjähriger Bauzeit fertiggestellt worden. Wo sich früher am südlichen Ende des Tierparks das Kinderland mit der historischen Eisenbahn befand, erstreckt sich nun auf mehr als 15 000 Quadratmetern Fläche eine kleine bäuerlich anmutende Siedlung, mit Stallungen, einem Dorfladen, einem Fischbruthaus, in dem gefährdete heimische Fischarten hochgezogen werden, einer kleinen Reptilienanlage und natürlich einem Biergarten.

Angesichts der Mühlendorf-Idylle ist es nur folgerichtig, dass Tierparkchef Baban in bayerischem Janker und Weste seine Gäste begrüßt und von den Neuigkeiten schwärmt. "Wir haben nun auch einen Imkerwagen und werden wohl einige Bienenvölker und irgendwann einen eigenen Tierparkhonig haben", erzählt Baban. Themenschwerpunkte des Mühlendorfs und der Tierparkschule sind demnach auch die Bedrohung der Wildbienen, die heimische Vogelwelt und der Schutz der Artenvielfalt. Schulklassen können nun ungestört in der neuen Tierparkschule tagelang Zeit verbringen, von den Tieren lernen und Zusammenhänge in der Natur verstehen.

Da ist zum Beispiel Joan, der sich wie andere seiner Klasse der städtischen Elly-Heuss-Realschule drei Tage lang intensiv mit einzelnen Tierarten beschäftigt hat; er hat sich das aus Neuseeland stammende gemütliche Kunekune-Schwein ausgesucht. Eine Gruppe Mädchen aus der siebten Klasse der Realschule beobachteten die in Madagaskar heimischen Roten Vari und führten dem Publikum vor, was diese Lemuren mit ihren markanten buschigen Schwänzen den ganzen Tag so treiben: schlafen, fressen und am liebsten simultan kopfüber in den Bäumen der Masoala-Halbinsel hängen - oder in Hellabrunn.

"Ich glaube, dass wir hier wieder einen Maßstab setzen, auch in der Edukation", sagt Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), die auch Aufsichtsratsvorsitzende des Tierparks ist. "Ganz nach dem Motto 'Lernen in der Natur - von der Natur lernen' ist das Mühlendorf in Hellabrunn der perfekte Ort, um spannendes Wissen zu vermitteln." Dabei ist die Tierparkschule keine neue Erfindung. Seit 1987 gibt es das Bildungskonzept bereits, doch in den vergangenen Jahrzehnten waren die Klassen in einem einzigen Raum im Verwaltungstrakt am Flamingoeingang untergebracht. Das Mühlendorf, das im vergangenen Jahr als offizielles Projekt der UN-Dekade "Biologische Vielfalt" ausgezeichnet wurde, ist nun in Schülerhand. Die Lehrer, ob es die Girgentana-Ziegen, die Kunekune-Schweine oder Fledermäuse unterm Schuldach sind, werden über den Unterricht wachen.

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