Tierpark HellabrunnEben eingezogen: das kleinste Säugetier der Welt

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Die Eurasischen Zwergmäuse sind im neu gestalteten Maushaus eingezogen, noch kleiner sind die Etruskerspitzmäuse - und die ist so flink, dass der Fotograf sie nicht erwischt hat .
Die Eurasischen Zwergmäuse sind im neu gestalteten Maushaus eingezogen, noch kleiner sind die Etruskerspitzmäuse - und die ist so flink, dass der Fotograf sie nicht erwischt hat . (Foto: Robert Haas)
  • Der Tierpark Hellabrunn hat neue kleine Bewohner vorgestellt, darunter die Etruskerspitzmaus als mutmaßlich kleinstes Säugetier der Welt.
  • Besonders bedeutsam sind die Bayerischen Kurzohrmäuse, die bereits als ausgestorben galten und nun durch Zuchtmaßnahmen erhalten werden sollen.
  • Weitere Neuzugänge sind die violette Harlekinkröte aus Südamerika, die weltweit nur in Hellabrunn gehalten wird, sowie Blaumaulmeerkatzen und Zweifarbtamarine.
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Der Tierpark Hellabrunn hat einige neue Bewohner. Es sind vor allem kleine Tiere, die nicht sofort auffallen. Ihre Geschichten aber sind ziemlich spannend.

Von Sabine Buchwald

Mächtig was los im Maushaus. Die kleinen Säugetiere zeigen sich munter, als die ersten Besucher kurz nach 9 Uhr vor dem neuen Zuhause stehen. Das Haus ist schon lange ein beliebtes Ziel im Tierpark Hellabrunn, vor allem bei Kindern, die gerne den kleinen Nagern zusehen. „Aber wir wollten etwas Besonderes aus diesem Ort machen“, sagt Kuratorin Lena Bockreiß. Aus diesem Grund sind hier nun nicht weit vom Haupteingang entfernt drei ganz besondere Mausarten eingezogen.

Über jede kann die Biologin so einiges erzählen. Mit der Etruskerspitzmaus beherbergt Hellabrunn jetzt sogar das mutmaßlich kleinste Säugetier der Welt. Geschätzt kaum größer als drei Zentimeter ist das hellbraune Kerlchen, das in den heraus geschnitzten Gängen eines Baumstammes für Beobachter gut sichtbar hin- und herflitzt.

Bockreiß freut sich über die Showeinlage der Spitzmaus. Ihre Art gehöre nicht zu den Nagetieren, so wie andere Mäuse, sondern sie sei ein Fleischfresser, erklärt die Biologin. „Sie ernähren sich von Insekten und Regenwürmern und sind deshalb mit dem Igel näher verwandt als mit anderen Nagetier-Mäusen.“ Weil sie so viel rennt, braucht die Etruskerspitzmaus, die bei uns nicht heimisch ist, aber etwa in Italien und dem Tessin vorkommt, ein Vielfaches ihres Körpergewichts täglich an Nahrung. Fünfmal wird sie deshalb von Tierpflegern gefüttert.

Wer an diesem Morgen etwas genauer hinschaut, kann ein etwas größeres Insekt ausmachen, das - so ist das in der Umgebung von Karnivoren - wohl nicht mehr lange zu leben hat.

Der Tierpark Hellabrunn hat am letzten Oktobertag zu einem Rundgang mit Direktor Rasem Baban, Hanspeter Steinmetz, Tierarzt und stellvertretender Zoologischer Leiter, sowie den Kuratoren geladen, um seine neuen Bewohner vorzustellen. Und um es vorwegzunehmen: Es sind eher kleine Gesellen, an denen man schon mal achtlos vorbeilaufen kann auf der Suche nach den großen Attraktionen wie Löwe oder Elefant. Es sei denn, man weiß um ihre besondere Bedeutung.

Das bunte Laub raschelt unter den Schuhsohlen während Baban von der ausnehmend klaren, frischen Luft in diesem Teil von München schwärmt, die aus den Alpen kommt und den Pflanzen, den Tieren und den Besuchern gleichermaßen guttue, wie er sagt.

Es ist unterhaltsam, wenn Bockreiß von der Mäuse-WG schwärmt. Neben der Etruskerspitzmaus wohnen nun sieben Eurasische Zwergmäuse, von denen man hofft, dass sie sich fleißig vermehren. Sie leben in Bayern bevorzugt im hohen Gras und Schilf, wo sie ihre Nester bauen.

Kuratorin und Mausexpertin Lena Bockreiß erzählt unterhaltsam über die kleinen Tiere.
Kuratorin und Mausexpertin Lena Bockreiß erzählt unterhaltsam über die kleinen Tiere. (Foto: Robert Haas)
Die Kurzohrmäuse galten bereits als ausgestorben.
Die Kurzohrmäuse galten bereits als ausgestorben. (Foto: Robert Haas)

Der eigentliche Star des neu gestalteten Maushauses aber ist ein Paar Bayerischer Kurzohrmäuse. Diese Wühlmausart galt bereits als ausgestorben. Entdeckt wurde sie erst 1962 von dem Zoologen Claus König in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Wenige Jahre später sei sie dann schon nicht mehr auffindbar gewesen, sagt Bockreiß. Anfang des Jahrhunderts konnten dann doch noch ein paar Exemplare im Alpengebiet gefunden werden. Durch Zuchtmaßnahmen anderer Zoos hat sich die Population der Kurzohrmaus, deren Öhrchen tatsächlich sehr klein sind, vermehrt. Der Wunsch sei, diese Art auch irgendwann bei uns auszuwildern, erklärt Bockreiß. „Arten zu schützen und zu erhalten, ist ja auch einer der Gründe, warum es Zoos gibt.“

Bockreiß erzählt auch von den auffällig gefärbten Kröten, die erst seit Kurzem die Terrarien im Orang-Utan-Haus bewohnen. Mit der violetten Harlekinkröte aus dem südamerikanischen Regenwald hat Hellabrunn jetzt eine Sonderstellung. Er ist mutmaßlich der einzige Zoo der Welt, der diese stark gefährdete farbenfrohe, kleine Krötenart beherbergt. Nur einem Privathalter in den USA sei es bislang gelungen, sie zu züchten. Nun hoffe man in Hellabrunn auf Nachwuchs.

Charakteristisch für die Harlekin-Kröte sind ihre waagerechten Pupillen.
Charakteristisch für die Harlekin-Kröte sind ihre waagerechten Pupillen. (Foto: Robert Haas)

Farblich noch auffälliger ist der Goldene Pfeilgiftfrosch, dessen Haut wie Mais in der Sonne leuchtet. Das Gift entwickeln die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung in Kolumbien durch eine ebenfalls giftige Ameisenart. Die allerdings bekommen sie in München nicht zu fressen, sondern harmlose Fruchtfliegen.

Stolz ist man auch auf die drei Blaumaulmeerkatzen - zwei Weibchen und ein Männchen - mit ihren langen hellbraunen Schwänzen. Auch von ihnen erhofft man, dass sie sich so wohlfühlen, wie es für die Familiengründung nötig ist. Wie man heute weiß, können sich menschliche Erkrankungen wie Grippe oder eine Erkältung auf die Tiere übertragen. Ein Grund, weshalb man sie inzwischen von den Besuchern mit dicken Glasscheiben trennt. Ein Jammer eigentlich, hört man aus der Erklärung von Kurator Steinmetz heraus. Denn diese „Botschafter der zentralafrikanischen Regenwälder, die ja in Windeseile verschwinden“, kommunizieren lautstark. Vernehmen lässt sich das nicht, aber man kann die drei beobachten, wie sie miteinander umgehen - durchaus liebevoll und spielerisch.

Einer der Neuzugänge in Hellabrunn: die Blaumaulmeerkatze.
Einer der Neuzugänge in Hellabrunn: die Blaumaulmeerkatze. (Foto: Robert Haas)
Ein Zweifarbtamarin, ursprünglich aus Brasilien, wiegt gerade mal 500 Gramm.
Ein Zweifarbtamarin, ursprünglich aus Brasilien, wiegt gerade mal 500 Gramm. (Foto: Robert Haas)

Als besonders hübsch, vor allem wohl aber auch als sympathisch in Bezug auf den Umgang miteinander empfindet Steinmetz die Zweifarbtamarine, deutsch Krallenaffen, mit ihren schwarzen Gesichtern und kleinen Ohren. Ursprünglich sind sie in der Gegend um Manaus in Brasilien heimisch; die Münchner Familie im „Haus der kleinen Affen“ aber stammt aus Europa.

Nach der Geburt, die wohl anstrengend ist, kümmert sich der Vater um die Erziehung und das Wohlbefinden des Nachwuchses.  Die Tiere gelten als scheu, sind lebhaft, kommunizieren viel und angeregt. Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. Und mit ein bisschen Glück wuselt dann auch ein kleines Kugelgürteltier am Boden des Geheges herum - und bringt einen unweigerlich zum Grinsen.

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