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Busbahnhof:ZOB bleibt ohne Teststation

Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) in München zur Zeit der Corona-Krise, 2020

Problembereich ZOB: An die Maskenpflicht halten sich am Zentralen Omnibusbahnhof nicht alle.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer mit dem Fernbus aus einem Risikogebiet nach München kommt, muss für eine Corona-Probe Mühen auf sich nehmen. Ob die Tests erfolgen, prüft niemand. Eine Änderung ist nicht in Sicht.

Von Andreas Schubert

Die Abfertigung geschieht beinahe lautlos und schnell. Als am Nachmittag der Fernbus aus Zagreb an Münchens Zentralem Omnibusbahnhof (ZOB) mit 20 Minuten Verspätung ankommt, wollen alle nur schnell nach Hause. Jetzt über Corona reden? Will nach einer stundenlangen Busfahrt mit Maske vor der Nase keiner. Etwa ein Dutzend Passagiere sind ausgestiegen - Urlauber und Kroaten, die es nach dem Besuch bei den Verwandten wieder nach München zieht.

So viel ist zu erfahren: Von ihnen macht sich an diesem Nachmittag niemand direkt zum Hauptbahnhof auf, wo die nächste Corona-Teststation ist, das wären nochmal etwa zehn Minuten Fußmarsch oder eine Station Fahrt mit der S-Bahn - nur um dann auch noch an der Teststation warten zu müssen. Die meisten werden abgeholt. Nach einer kurzen Umarmung (die Masken sind schon beim Aussteigen gefallen) macht man sich zügig auf den Weg.

Dabei ist ein Aufenthalt in Kroatien nicht unbedenklich. Zwei sogenannte Gespanschaften, so heißen in Kroatien die Bezirke, gelten seit dem 20. August als Risikogebiete: Šibenik-Knin und Split-Dalmatien. Beides sind beliebte Urlaubsregionen. Zagreb direkt zählt nicht dazu. Trotzdem sagt ein junger Kroate, der den Zwischenstopp in München für eine Zigarettenpause nutzt, er werde sich in Frankfurt, wohin der Bus weiterfährt, testen lassen. Wenn es direkt an den Busbahnhöfen Teststationen gäbe, fände er das gut. Das spare Zeit, sagt er, bevor er wieder in den Bus klettert.

Dass sich Reisende zwar an den Flughäfen und Hauptbahnhöfen sowie an den Autobahnen A8, A93 und A3, testen lassen können, nicht aber an den Zentralen Busbahnhöfen, hat bereits einiges an Unverständnis ausgelöst. "Warum wird an den ZOB in München und Nürnberg für Fernreisebusse nicht getestet?", twitterte etwa die SPD-Landtagsabgeordnete und Gesundheitsexpertin Ruth Waldmann. "Zu 15 Risikoländern besteht reger Reiseverkehr gerade auch mit dem Bus", so Waldmann. Man könne ja nicht an allen Grenzübergängen stehen und die vorherigen Stationen bräuchten Entlastung. "ZOB Berlin macht das", schreibt die Abgeordnete.

Aktuell sind Tests vor allem für Rückkehrer aus Risikogebieten besonders wichtig.

(Foto: Catherina Hess)

Tatsächlich gibt es in der Hauptstadt bereits seit dem 3. August eine Corona-Teststation. Nicht aber in München - und wie es aussieht, wird es direkt an der Hackerbrücke auch keine geben, wie eine Nachfrage im Gesundheitsministerium ergibt. "Aktuell wird an den Fernbushaltestellen (ZOB) München und Nürnberg die Anbindung an die bestehenden Teststationen an den beiden nahegelegenen Bahnhöfen umgesetzt"; teilt ein Sprecher des Ministeriums recht allgemein mit. "Busreisende können sich dort bei einer Rückkehr aus einem Risikogebiet testen lassen. Für die Durchführung der Testung ist die Vorlage eines Bustickets erforderlich, das die Anreise aus einem Risikogebiet belegt."

Während dies in Nürnberg durch die unmittelbare räumliche Nähe der beiden Haltepunkte uneingeschränkt möglich sei, werde beim ZOB München in Kürze eine entsprechende Wegweisung und Beschilderung zum Testcenter im Münchner Hauptbahnhof aufgestellt. Ob die vom privaten Unternehmen Eurofins betriebene Station im Starnberger Flügelbahnhof ausgebaut und personell erweitert werden muss, ließ das Ministerium am Dienstag offen. Wie viele tatsächlich derzeit mit Fernbussen aus Risikogebieten ankommen und ob die Reisenden das Angebot der Tests annehmen, will das Ministerium nach eigener Aussage "beobachten". "Im Bedarfsfall erfolgen weitere Anpassungen", so der Sprecher.

Das nächstgelegene Corona-Testcenter gibt es am Hauptbahnhof.

(Foto: Catherina Hess)

Wie hoch die Akzeptanz ist, wenn die Passagiere samt Gepäck nach stundenlanger Fahrt erst noch umständlich zum Hauptbahnhof müssen, ließ sich am Dienstag beobachten. Hinzukommt, dass es an den Teststationen Wartezeiten geben kann, wie das Ministerium einräumt - vor allem wenn gleichzeitig ankommende Passagiere von Zügen und Bussen getestet werden müssten.

Die Zahl der Risikogebiete wird jeden Tag vom Robert-Koch-Institut aktualisiert. Seit Montag zählen unter anderem auch Paris und die Côte d'Azur dazu. Das heißt: Wer von dort anreist, muss sich binnen 14 Tagen auf das Coronavirus testen lassen. Schon bei der Ankunft gilt höchste Vorsicht - was allerdings am ZOB nicht unbedingt zu beobachten ist. Eigentlich herrscht auf dem gesamten Busbahnhof Maskenpflicht. An die halten sich allerdings an diesem Dienstagnachmittag nur wenige.

© SZ vom 26.08.2020/wean
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