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Todestag von Dominik Brunner:Kein Platz für Gewalt

Zehn Jahre nachdem Dominik Brunner am S-Bahnhof in Solln zu Tode geprügelt wurde, werben die Redner auf seiner Gedenkfeier für Zivilcourage.

Zehn Jahre nachdem Dominik Brunner am S-Bahnhof in Solln zu Tode geprügelt wurde, werben die Redner auf seiner Gedenkfeier für Zivilcourage.

(Foto: Robert Haas)

Vor zehn Jahren wurde Dominik Brunner am S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt, weil er sich für Mitbürger einsetzte. Bei der Gedenkfeier werben die Redner für eine Kultur des Helfens.

"Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Mitmenschen", sagt Katrin Müller-Hohenstein ganz am Anfang und steckt damit gleich den Rahmen ab für diese Veranstaltung am Donnerstagmittag am S-Bahnhof Solln: Denn obwohl hauptsächlich Offizielle und Geladene gekommen sind, um den zehnten Jahrestag des Todes von Dominik Brunner zu begehen, geht es wenig um Selbstlob, Beweihräucherung, Fensterreden. Stattdessen sehr viel um Bürgersinn, ums Zusammenleben, um Mut und um die Kultur des Hinschauens.

"Selten hat eine Tat die Stadt so bewegt wie diese", beginnt Oberbürgermeister Dieter Reiter seine Rede: Am 12. September 2009 starb an genau diesem S-Bahnhof Dominik Brunner, weil er sich zwei jungen Männern in den Weg gestellt hatte, die vier Kinder bedrohten. Die beiden prügelten daraufhin Brunner zu Tode. Das Entsetzen über das Verbrechen führte unter anderem zur Gründung der Dominik-Brunner-Stiftung, die die Gedenkfeier veranstaltet und es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wirklichkeit werden zu lassen, was der Oberbürgermeister auch noch sagt: "In München ist kein Platz für Gewalt."

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Kuratoriums-Vorsitzender der Stiftung ist Uli Hoeneß. Er sagt: "Es ist bis heute unfassbar, dass in unserer tollen Stadt München das passieren konnte." Hoeneß listet auf, was die Stiftung alles leistet, von Aufklärung und Sensibilisierung über Gewaltprävention bis zur Hilfe für die Opfer von Gewalt. "Gleichgültigkeit und Wegschauen darf in den Köpfen der Münchner keinen Platz haben."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagt, es gelte, "neue Hoffnung zu schöpfen" aus den "schrecklichen Geschehnissen" und dem "heldenhaften Engagement" Brunners: "Niemand soll allein bleiben, wenn er in Not ist." Und, so der Minister weiter: "Keiner kann sich rausreden. Auch wenn die Polizei für die Sicherheit zuständig ist - sie kann nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit an jeder Straßenecke präsent sein." Bürgerschaftliches Engagement bringt Herrmann auf eine einfache Formel: "Helfen statt gaffen."

Ein Vertreter der Bahn verweist auf die Videokameras am Bahnsteig, die 2009 noch nicht installiert waren, eine Journalistin berichtet, wie sie im Auftrag der Stiftung Vorbilder ausfindig macht, Vorbilder im Sinn Dominik Brunners - einige von ihnen werden jedes Jahr bei einem Spiel des FC Bayern in der Allianz Arena geehrt, vor 75 000 Zuschauern. Der Chor der Münchner Polizei singt Geistliches. Nach den Reden gehen Vertreter der christlichen Kirchen auf die Bühne, Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg und Barabara Kittelberger, die Stadtdekanin. Sie lesen das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus dem Lukas-Evangelium, Kittelberger appelliert und ruft: "Wer wegschaut, macht mit!" Und als vor dem Vaterunser Fürbitten gebetet werden, da kommen nicht nur Dominik Brunner und die Opfer von Hass vor. Die 150 Teilnehmer bitten auch für all jene "deren Herz voll Wut und Gewalt ist".

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