Denkmalschutz:Freistaat will Münchens zweitältestes Gebäude verkaufen

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Das Zerwirkgewölbe in der Ledererstraße muss dringend saniert werden. (Foto: Catherina Hess)

Laut Bauministerium gibt es bereits Gespräche mit Interessenten für das Zerwirkgewölbe in der Altstadt. Mehrere Initiativen protestieren und fordern, das etwa 750 Jahre alte Gebäude zu einem "Ort für alle" zu machen.

Von Bernd Kastner

Es ist das zweitälteste Gebäude Münchens, das Zerwirkgewölbe in der Ledererstraße. Es gehört dem Freistaat Bayern, steht seit vier Jahren leer und verfällt zusehends. Nun will der Freistaat das aus dem 13. Jahrhundert stammende denkmalgeschützte Gebäude in der Altstadt verkaufen. Doch das stößt auf Widerstand.

Durch eine Anfrage des grünen Landtagsabgeordneten Christian Hierneis wurde der geplante Verkauf publik. "Da das Grundstück nicht mehr zur Erfüllung von Aufgaben des Staates benötigt wird, ist es zu veräußern", antwortete ihm das bayerische Bauministerium. "Derzeit finden Gespräche mit potentiellen Erwerbern statt." Ursprünglich diente das etwa 750 Jahre alte Haus der Verarbeitung des erlegten Wilds, zuletzt nutzten das Gebäude unter anderem das Gärtnerplatztheater, die Bayerische Theaterakademie, dann zogen Club- und Gastroszene ein. Sein Bauzustand ist marode.

Das Gebäude stammt aus dem 13. Jahrhundert. (Foto: Robert Haas)

Das Münchner Forum, das sich einer "kritisch-konstruktiven Debatte der Stadtentwicklung" verschrieben hat, will den Verkaufsprozess gestoppt wissen. In einem offenen Brief appellieren das "Junge Forum" und der Arbeitskreis "Wer beherrscht die Stadt" im Münchner Forum an die Staatsregierung: "Stoppt den Ausverkauf der Stadt! Rettet das Zerwirkgewölbe!" Es sei ein "identitätsstiftendes Gebäude" für viele Münchner.

Die Staatsregierung solle es zu einem "Ort für alle" machen, statt es zu privatisieren. Gerade im Zentrum Münchens fehle Raum für Kleingewerbe, die freie Kunst- und Kulturszene oder Jugendliche. Deshalb solle der Freistaat eine Nutzung in diesen Bereichen ermöglichen. Auf dem Weg dorthin fordert das Münchner Forum eine "transparente Diskussion". Unterstützt wird der Appell von weiteren zivilgesellschaftlichen Gruppen und Initiativen, darunter "Ausspekuliert" und der studentische "AK Wohnen".

Über dieses eine Gebäude zu sprechen, genügt den Unterzeichnern aber nicht. Der Freistaat solle generell einen "sozialverträglichen Umgang" mit seinem Eigentum garantieren, insbesondere mit Grundstücken und Immobilien. "Der Verkauf nach Höchstgebot oder die Vermietung nach Höchstpreis sind einzustellen."

Derzeit verpflichte das Haushaltsgesetz den Freistaat, zum Marktwert oder Höchstgebot zu verkaufen, anstatt vergünstigt etwa gemeinnützige Vereine zu berücksichtigen. Dieses Gesetz solle der Landtag ändern, um eine gemeinwohlorientierte Nutzung zu ermöglichen. Beim Zerwirkgewölbe dürfe der Freistaat nicht eine der letzten Gelegenheiten vergeben, in der Altstadt "einen inklusiven, bezahlbaren Ort für alle" zu schaffen.

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