Wer einen Termin bei Carolin Lais und Diana Mattern ausmacht, landet in einer der kieferorthopädischen Praxen, in denen die beiden arbeiten. Alles sauber, alles steril. Und dann hält die Zahnärztin einen Intraoralscan-Sensor in den Mund – allerdings nicht, um nach Karies zu suchen. Vielmehr geht es in diesem Moment darum, maßgefertigten Zahnschmuck anzufertigen.
Statt um Zahnhygiene geht es bei den beiden jungen Frauen um herausnehmbare Schmuckaufsätze für Zähne. Nebenberuflich, „Grillz Couture“ heißt ihr Label. „Vom ersten Eindruck sind die meisten überrascht“, sagt Diana Mattern. „Bei Grillz haben sie etwas anderes im Kopf.“




Carolin Lais und Diana Mattern, 27 und 29 Jahre alt, kennen sich seit dem Zahnmedizinstudium. Die Idee mit den Grillz ist fast so alt wie ihre Freundschaft. Schon im ersten Semester Zahntechnik-Grundkurs hatten sie die Idee dazu und dachten, dass sie das bestimmt selbst herstellen könnten. „Man kennt das halt aus der Hip-Hop- und Techno-Szene“, sagt Carolin Lais.
Die Wurzeln des Trends reichen in die frühen Achtzigerjahre zurück, als der New Yorker Juwelier Eddie Plein mit „Eddie’s Gold Teeth“ den Grundstein legte und unter anderem Flavor Flav von Public Enemy mit seinen ersten Goldaufsätzen ausstattete. Grillz waren ein Symbol für Reichtum, Status und Coolness in der afroamerikanischen Musikszene und sind heute längst ein globales Modephänomen – und inzwischen auch in München angekommen.
„Der Gedanke war schon vor acht Jahren das erste Mal da“, sagt Carolin Lais. Das Studium kam dazwischen. Jetzt, in der Praxis, nicht mehr. „Wir haben jetzt Zeit und Muße – da kann man das als Side-Hustle aufziehen“, sagt sie. Der Prozess ist schnörkellos: digitaler Scan, Design am iPad, Datei ans Labor, fertig gedruckt per Laser-Melting. Was früher ein aufwendiger Gussprozess war, ist heute in der Mittagspause machbar. Und wer sein Logo, seine Initialen oder einfach acht goldene Frontzähne will – die beiden jungen Frauen setzen es um.
Ein kleiner Wirbel oder ein Herz auf dem Schneidezahn, ein Blitz, eine Blume oder eine Umrahmung. Neben Gold und Silber sind auch Farben wie „Dark Lavendel“ oder „Jeans Blue“ möglich. Die Erfahrung der beiden jungen Frauen: Generell mögen es die Münchner aber eher schlichter.
„Wenn jemand eine coole Idee hat, sind wir da down“, sagt Diana Mattern. Ihre Kundschaft überrascht sie selbst manchmal noch. DJs und Barkeeper, klar. Aber dann kamen ein Neurochirurg, ein Unfallchirurg, ein Steuerberater. Ein Arzt ließ durchblicken, er wolle seine Grillz auch mal im Krankenhaus tragen. Carolin Lais und Diana Mattern sind sich einig – bei so einem Arzt würden sie sich sofort wohlfühlen.
Was Grillz mit Menschen machen, finden die beiden ohnehin den schönsten Teil. Nach dem Einsetzen strahlen die Menschen viel mehr Selbstbewusstsein aus, sie freuen sich – diesen Eindruck haben zumindest Carolin Lais und Diana Mattern. Manche Menschen kommen mit einem Zahn, der nicht ganz gerade steht, und wollen ihn nicht kaschieren, sondern gerade betonen. Diese Motivation empfinden die beiden Zahnärztinnen als besonders schön.
München und Grillz – das klingt nach Reibung, aber die beiden sehen das anders. „Man kann das gut vereinen, die Münchner Tradition und dieses Roughe“, sagt Diana Mattern. Ein dezenter Grill, sagt sie, ist schließlich auch ein Luxusgegenstand, ein Schmuck. Das passt zur Stadt. Und dann gibt es ja noch das Oktoberfest. Sie würden gerne Wiesn-Grillz herstellen. Wie kann man sich das vorstellen? Statt einer normalen Blume ein Enzian? Meinen sie das ernst? Sie grinsen.
Junge Leute
München lebt. Viele junge Menschen in der Stadt verfolgen aufregende Projekte, haben interessante Ideen und können spannende Geschichten erzählen. Hier werden diese Menschen vorgestellt – von jungen Autoren.
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