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50 Jahre Woodstock:Rock, Frieden und freier Eintritt

Auf der Bühne: Joe Cocker und Band.

(Foto: Elliott Landy)

Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Woodstock weht der Geist des Festivals am Freitag durch die Muffathalle. Gitarrist Marc Dorendorf hat das Tribute-Konzert organisiert. 35 Acts sind mit dabei.

Und wieder wollte das Woodstock-Festival keiner haben. 50 Jahre nach dem legendären Open-Air fand dessen Erfinder Michael Lang erst keinen Ort für eine Jubiläumsneuauflage, dann sagten Zugnummern wie Jay-Z, Miley Cyrus und The Killers ab. "Das wäre eh nicht dasselbe geworden, und viel zu kommerziell, wie schon bei ,Woodstock '94'", findet Marc Dorendorf. Der Münchner Gitarrist hat für sein eigenes Tribute-Konzert "50 Jahre Woodstock - 1 Day Of Peace And Music" weder Ort- noch Besetzungsprobleme, und einen Reibach macht auch niemand: Die Feier am kommenden Freitag ist kostenlos, wie einst das Original "Woodstock Music & Art Fair Presents An Aquarius Exhibition - 3 Days Of Peace & Music" von 15. bis 17. August 1969 für die meisten Besucher. Dorendorf und die Mitorganisatorin Niko Strnad bekamen die Muffathalle und etwas Zuschuss von der Stadt, das Schönste aber ist: "Die ganze Münchner Szene macht mit", berichtet Dorendorf. 35 Musiker wollen die Songs der Stars von damals zelebrieren. Alle wollen dabei sein. Nachzuspielen, was man damals verpasst hat. Der Bayerische Rundfunk bietet auf Bayern 2 am Donnerstag einen ganzen Schwerpunkt-Tag zum Jubiläum, das derzeit den Hippie in vielen Spätgeborenen weckt.

Auch Marc Dorendorf war damals einfach noch zu jung. Er hörte von Woodstock erst ein Jahr danach, als der Dokumentarfilm von Michael Wadleigh in die Kinos kam. "Der lief jeden Freitag im Cinema, ich bin da als Steppke reingegangen", erinnert sich Dorendorf. Vor allem begeisterten ihn "das Flair, die Leidenschaft, das Zeitgefühl" bei den amerikanischen Hippies. Es war das Gegenmittel in üblen Zeiten der Rassenkonflikte und des Vietnam-Krieges. "Damals brannte die Hütte", sagt Dorendorf und findet, "das ist heute so aktuell wie damals. Auch bei Fridays For Future erkennen die Leute: Miteinander lässt sich was erreichen." München allerdings, die einstige Hippie-Stadt, in der Dorendorf bis Mitte der Achtziger oft im Englischen Garten am Monopteros mit Trommlern jammte, habe da Nachholbedarf: Die Nackerten an der Isar haben wieder Probleme, und freischaffende Musiker bei den teuren Mieten sowieso.

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Musikalisch indes ist seine Münchner Szene noch immer von Woodstock durchdrungen. Dr. Will, Georg Hampel, San2 und andere werden in der Muffathalle als Canned Heat eine rockige Landpartie machen, Buck Roger und seine Band den Blueser Johnny Winter wiederbeleben, Amanda und Lucas Fernandes singen die Friedensbotschaften von Joan Baez, Claudia Cane und ihre Band heben als Jefferson Airplane ab, Olaf Giebe reist extra aus Düsseldorf für seinen Ten Years After-Auftritt an (nicht mit dem Hubschrauber), The Kikis werden zu The Band. Und als Sixties-Gitarrenguru mischt auch Dorendorf ständig mit: Mit Petra Leu spielt er Songs vom Festivaleröffner Richie Havens und von Melanie, er begleitet die Janis-Joplin-Spezialistin Erin Perry und tastet sich an die Double-Bendings von Carlos Santana heran. Und obwohl er damit eigentlich aufgehört hat, schlüpft er noch einmal zu diesem Anlass in die Rolle des Allmächtigen: Jimi Hendrix. Niemand sei - bis heute - so mit der Gitarre verschmolzen wie er. "Als er die Nationalhymne zerlegte, erzählte er die Geschichte vom Krieg und vom Leid seiner Zeit", sagt Dorendorf. Er versucht, dem nahezukommen: "Note für Note geht das nicht, aber ich habe Original-Equipment aus der Zeit, das war eigentlich unkontrollierbar." Es sei eh unglaublich, was auch der Tontechniker der Hauptbühne damals aus einem Zwölf-Kanal-Mischer an seinem kleinen Tisch für eine halbe Million Zuhörer herausgeholt habe.

Das Flair möchte Dorendorf mithilfe eines Ansagers und kleiner Original-Sound-Einspieler ("No Rain! No Rain!") heraufbeschwören. Eine Show wie die Konkurrenzveranstaltung am selben Abend im Brunnenhof - "The Love & Peace Revue - 50 Jahre Woodstock" - soll es aber nicht werden. Die sei ihm mit Eintrittspreise von bis zu 50 Euro zu kommerziell, "außerdem spielen die auch Songs von den Rolling Stones", die nun nicht in Bethel dabei waren. Dagegen soll Dorendorfs Revival eher "ein Musik-Happening unter Freunden" werden, die zum Finale alle zusammen "With A Little Help From My Friends" anstimmen, wie Joe Cocker vor 50 Jahren.

50 Jahre Woodstock - 1 Day Of Peace & Music, Freitag, 16. August, 19 Uhr, Muffathalle, Eintritt frei

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