Bezahlbaren Wohnraum für Pflegende zu schaffen, ist eine der großen Herausforderungen für die Stadt München. Das Angebot sichert die pflegerische Infrastruktur, steigert die Attraktivität des Pflegeberufes und verhindert die Abwanderung des Personals in andere Städte. Jetzt ist nach nur zweieinhalb Jahren Bauzeit das Haus zwei, eines von drei alten Bettenhäusern auf dem Gelände der München Klinik Schwabing, zu einem großen Wohnhaus umgebaut worden: mit 65 Wohnungen, Tiefgaragenstellplätzen, großem architektonischem Charme – und umgeben von hohen, alten Bäumen.
1909 wurde das städtische Krankenhaus München Schwabing eröffnet und galt mit seiner im Pavillonstil erbauten Architektur als modernste und größte Klinik Deutschlands. Dazu gehörten auch die drei Bettenhäuser im westlichen Teil des Klinik-Areals, die 2016 im Zuge der Umstrukturierung der Schwabinger Klinik an die Stadt München zurückgegeben worden sind.
Dass die denkmalgeschützten Häuser aus den Jahren 1905 bis 1928 an der James-Loeb-Straße zu Wohnungen für Pflegepersonal werden sollen, war ein langer Prozess. 82 Millionen Euro investiert die Stadt in das Wohnprojekt. Neben der Förderung durch den Freistaat Bayern mit 22 Millionen Euro, einem Förderkredit in Höhe von 35 Millionen Euro, Bundeszuschüssen und anderen Fördermitteln, musste auch die Stadt München in Zeiten klammer Kassen viel Geld aufbringen: fast 22 Millionen Euro.
Aus der Vogelperspektive haben die drei Gebäude Umrisse wie Knochen. Die 85 Meter langen Gänge, in denen einst Patientenbetten hin- und hergeschoben wurden, verbinden an den Enden zwei Querriegel. Die meisten unglaublich hohen Fenster der Bettenhäuser sind nach Süden ausgerichtet. Patienten sollten einst in ihren Zimmern viel Licht abbekommen und viel Luft. Nicht ohne Grund. Denn im Haus zwei hätten etwa Patienten mit „pneumologischen Erkrankungen“ gelegen, erklärt Helga Engel von der Münchner Raumentwicklungsgesellschaft mbH (MRG). Diese Fenster wurden erhalten, fein saniert und sind markante Hingucker. Und wahrlich große Lichtgeber.

Schon bei der ersten Besichtigung der alten Räume im Jahr 2022 staunten Vertreter aus Politik, Referaten und MRG über die 4,30 Meter hohen Räume im Erdgeschoss. Aber da bröckelte noch der Putz, blaue Wandfarbe machte die Räume viel dunkler. Nun sind die Wohnungen – ob Einzimmerappartements, Zwei-, Drei- oder Vierzimmerwohnungen von 40 bis zu 100 Quadratmeter groß – unfassbar hell. „Und wunderschön“, sagt Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) bei einer erneuten Besichtigung. Jede Wohnung ist im Schnitt anders: da ein anderer Wandbogen, da eine andere Nische. Jetzt erst ist zu sehen, was für ein bauliches Kleinod in jedem der Räume steckt, das die Architekten (PL Architekten GmbH) liebevoll aufwerteten.
2,5 Quadratmeter große, graue Quader sind in den langen Gängen mit ihren Hohlkehlen wie Rahmen vor die eigentlichen Zimmertüren gebaut, damit ordentliche Wohnungseingänge entstehen. Und noch etwas Wohnfläche. Die Sanierung der Wände sei eine Herausforderung gewesen. „Sie waren belastet“, sagt Engel. PCB-haltige Farben seien verwendet worden. Ein bisschen Asbest sei auch dabei gewesen.



Über noch nicht ganz fertige Treppen geht es in den Dachstuhl. Düster war es da 2022. Sehr düster. Die denkmalgeschützten Stahlbeton-Binder-Konstruktionen, die in der Bauzeit zwischen 1905 und 1915 nur kurz verbaut worden sind‚ machten mit ihren wuchtigen Auslegern alles schwer und fast etwas unheimlich. Kaum konnte man sich vorstellen, wie daraus Wohnungen entstehen sollten. Aber jetzt wurden daraus Räume mit einer wohl einzigartigen Wohn-Atmosphäre unter dem Dach. „Denn alle Konstruktionen wurden erhalten“, sagt Engel. Die Betonstruktur bleibe auch sichtbar. Verwinkelte und doch großzügige Zimmer sind entstanden, hohe Wohnzimmer mit spitzen Giebeln – und immer mittendrin: breite Betonriegel, die fast futuristisch wirken.

„Gerade wird ein Verwaltungsvertrag ausgearbeitet mit der Münchner Wohnen“, erklärt Michael Huber, Projektleiter des Kommunalreferats. Denn 60 Prozent aller Wohnungen auf dem Areal soll an Pflegefachkräfte der München Klinik vermietet werden, 40 Prozent an Pflegefachkräfte der Münchenstift. Im Haus zwei, das voraussichtlich im April bezugsfertig sein wird, stünden laut Huber zunächst 20 Wohnungen für die München Klinik zur Verfügung, 45 für die Münchenstift. Haus eins würde dann komplett vom Pflegepersaonal der München Klinik bezogen werden.
Auch das Haus eins, das noch eingerüstet ist, ist bald fertig. Eigentlich hätte es zeitgleich mit Haus zwei fertig sein sollen, sagt Helga Engel. Aber weil die Baustelle wegen der Flieger-Bombenentschärfung an der Kraepelinstraße im Juli 2025 schnell geräumt werden musste, sei eine Wasserpumpe nicht abgestellt worden. Ein Wasserschlauch sei geplatzt, ein Wasserschaden die Folge gewesen, erklärt Engel. Im Herbst könnte es aber fertig sein. Dann kommen noch einmal über 60 Wohnungen dazu.
Wenn auch Haus drei einmal umgebaut ist, werden es noch einmal 75 Wohnungen mehr sein. Dann könnte man das Wohnareal neben der München Klinik Schwabing mit ihren Bauten durchaus schon Gesundheitscampus nennen. Ein Ziel, das die Stadt und die München Klinik ohnehin schon länger verfolgt.

