Bericht im Stadtrat:Wie sich der Wohnungsbau in München entwickelt

Bericht im Stadtrat: In München wird gebaut, aber weniger als geplant: Neubauwohnungen im Stadtteil Riem.

In München wird gebaut, aber weniger als geplant: Neubauwohnungen im Stadtteil Riem.

(Foto: Sven Simon/Imago)

In den vergangenen sechs Jahren sind pro Jahr durchschnittlich 7740 Wohnungen fertig geworden - neun Prozent weniger als geplant. Und die Aussichten für die Zukunft sind ungewiss.

Von Sebastian Krass

In München sind in den vergangenen sechs Jahren 46 400 neue Wohnungen entstanden - und damit knapp 5000 Wohnungen weniger, als die Stadt sich zum Ziel gesetzt hatte. Das geht aus einem Erfahrungsbericht zum Programm "Wohnen in München VI" hervor, das für den Zeitraum von 2017 bis 2022 galt. Den Bericht hat Stadtbaurätin Elisabeth Merk am Mittwoch dem Planungsausschuss des Stadtrats vorgelegt. Demnach sind pro Jahr durchschnittlich 7740 Wohnungen (2022: 7522) fertig geworden, die Zielvorgabe von 8500 wurde um neun Prozent verpasst.

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(Foto: SZ-Grafik; Quelle: Referat für Stadtplanung und Bauordnung)

Die Zahl umfasst geförderte, preisgedämpfte und frei finanzierte Wohnungen und Einfamilienhäuser. Auf den Bereich des geförderten Wohnraums entfielen durchschnittlich 1880 Einheiten pro Jahr (Zielzahl: 2000).

Auch die städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag haben mit 1164 neuen Einheiten pro Jahr die Zielzahl von 1250 verpasst, jede sechste gebaute Wohnung stammt somit von ihnen. Der kommunale Wohnungsbau in München wird allerdings noch deutlich zulegen müssen. Denn der Stadtrat hat für die Laufzeit von "Wohnen in München VII" (2023 bis 2028) vorgegeben, dass die Zielzahl für GWG und Gewofag, die kommendes Jahr als fusionierte "Münchner Wohnen" agieren sollen, sukzessive auf 2000 Wohnungen erhöht wird.

Im alljährlichen Zahlenwerk zum Wohnungsbau in München weist das Planungsreferat auch die Werte für Stufen vor der Fertigstellung aus: nämlich für die Baurechtsschaffung und die Baugenehmigungen. Der erste dieser Bereiche ist quasi der grundlegende und von enormen Ausschlägen gekennzeichnet. Die Stadt hatte sich vorgenommen, pro Jahr für 4500 Wohnungen neues Baurecht zu schaffen. Zu Beginn des Sechs-Jahres-Zeitraums wurde der Wert zweimal weit übertroffen, 2020 und 2021 war er - auch wegen Corona - nur noch niedrig dreistellig. Im Durchschnitt kam die Stadt auf 3417 Baurechtsschaffungen.

Für die Baugenehmigungen gab es keine Zielzahl. Sie hatte zu Anfang im Jahr 2017 den Höchststand mit 13 475 und sank sukzessive auf 8098.

Bericht im Stadtrat: Bei der Krachparade demonstrierten am Wochenende Tausende für niedrigere Mieten.

Bei der Krachparade demonstrierten am Wochenende Tausende für niedrigere Mieten.

(Foto: Robert Haas)

In der Ausschussdebatte zeigte sich Christian Müller, Fraktionschef von SPD/Volt, zufrieden: "Die Fertigstellungszahlen lassen sich sehen, allen Unkenrufen zum Trotz." Man habe die Ziele "im Wesentlichen erreicht, das ändert aber nichts am weiter hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum". Deshalb müssten Bund und Land ihre Förderung noch einmal steigern.

Die Opposition hingegen sieht in den Zahlen einen Ausweis verfehlter Wohnungspolitik von Grün-Rot, die Investoren mit der Verschärfung von Sozialvorgaben verschrecke. Dabei, so sagte Alexander Reissl (CSU), würden fünf von sechs Wohnungen durch Private gebaut. Er kam auch auf die Krise zu sprechen, die den Immobilienmarkt erfasst hat und die viele Bauherren, ob gemeinnützig oder gewinnorientiert, in Finanzierungsnöte bringt. "Wenn uns 2023 und 2024 der private Wohnungsbau zusammenbricht", so Reissl, "wird Heulen und Zähneklappern sein in diesem Stadtrat."

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