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München:Wenn das Leben zum Kraftakt wird

"Da bleiben wir lieber hier und kämpfen." Monica S. und ihren beiden Söhne Eduard (links) und Denis.

(Foto: Robert Haas)

Monica S. arbeitet Vollzeit und hatte jedes Wochenende noch einen Nebenjob. Trotzdem fehlt der alleinerziehenden Mutter Geld fürs Nötigste - und der Münchner Mietmarkt macht es noch schlimmer.

Eigentlich kann sich Monica S. glücklich schätzen, schließlich hat sie eine Wohnung. Mit ihren beiden Söhnen Eduard, 14, und Denis, 13, lebt die alleinerziehende Mutter in Hadern. Doch für die Miete und den Lebensunterhalt aufzukommen ist ein Kraftakt. Umziehen kommt nicht in Frage, für eine deutlich kleinere Wohnung würde sie mindestens genauso viel bezahlen. Gesucht haben sie ja, "aber es ist zum Erschrecken", sagt Monica S.. Einmal haben sie eine Zwei-Zimmer-Wohnung angeschaut, 55 Quadratmeter für 1400 Euro warm. "Da bleiben wir lieber hier und kämpfen." Anspruch auf Wohngeld hat sie nicht - dafür ist die Wohnung zu teuer. Auf eine günstige Sozialwohnung hat sie keine Chance. Mit einer geringen Punktzahl steht sie in der Warteliste des Wohnungsamts weit hinten.

Monica S. und ihre Söhne erleben das, was Soziologen als Lock-in-Effekt bezeichnen: Sie sind quasi eingesperrt in der eigenen Wohnung. Monica S. arbeitet Vollzeit als Hauswirtschafterin in der Küche in einem Kindergarten. Zusätzlich hatte sie bis vor Kurzem noch einen Nebenjob am Wochenende, jeden Samstag und jeden Sonntag hat sie in einem Hotel Frühstück für die Gäste zubereitet, immer von sechs bis elf Uhr.

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Ein Jahr lang ging das so, sieben Tage die Woche ging sie zur Arbeit. Sie hat das Geld gebraucht. Doch nun hat sie ihren Zweitjob verloren, und es ist jeden Monat mehr als knapp. Zweimal hat sie Strom und Handykosten nicht bezahlen können. Jetzt ist auch noch die Waschmaschine kaputt, außerdem die Jalousie im Kinderzimmer. Und Eduard bräuchte dringend eine Zahnspange, deren Kosten die Krankenkasse nicht komplett übernimmt.

Neben der Wohnzimmertür raschelt etwas. Zwei Meerschweinchen kommen aus ihrem Häuschen, erst das eine, dann das andere. Eduard stellt vor: Glubschi und Flauschi. Eigentlich gehören sie seinem Bruder Denis, doch meistens muss sich der ältere Bruder um die Tiere kümmern. Er ist es auch, der Essen kocht, wenn die Mutter am Wochenende arbeitet. Rührei kann er gut, und Nudeln. Was sie sich wünschen? Eigentlich nur eines: mehr Zeit mit ihrer Mutter zu verbringen. Mal wieder zusammen spielen, zum Beispiel Stadt-Land-Fluss, so wie früher. Ins Kino gehen oder ins Schwimmbad, sagt Denis, mal zusammen auswärts was essen.

Auf dem Sofa im Wohnzimmer kuschelt er sich eng an seine Mutter. Vor ein paar Jahren war Monica S. einige Monate lang arbeitslos. Für die Mutter eine harte Zeit, für die Kinder eine schöne Abwechslung: "Es war toll, ich kam von der Schule, und Mama war zu Hause", sagt Denis. Sie haben ihr damals bei den Bewerbungen geholfen, beide Jungen können gut mit dem PC umgehen. Eduard will später gern etwas mit IT machen, Denis möchte als Kfz-Mechaniker arbeiten.

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Monica S. spürt, wie ihre Kräfte nachlassen. Sie ist erschöpft, leidet oft an Kopfschmerzen und Schlafmangel - nach der Arbeit wartet ja auch noch der Haushalt. Dazu kommen immer wieder Sorgen wegen der Kinder. Denis ist diabetesgefährdet, Eduard hat ADHS. Sie sucht nun wieder eine Nebentätigkeit für die Abende unter der Woche - weil es finanziell nicht anders geht. Immerhin, im August waren sie zehn Tage im Urlaub. "Am Meer", sagt Denis, und dass es "der herrlichste Urlaub" war.

Dieses Meer grenzt an Rumänien, dort ist Monica S. aufgewachsen. Vor langer Zeit kam sie nach Deutschland, hat ihren Hauptschulabschluss nachgeholt, später 15 Stunden am Tag bei anderen Leuten geputzt, um Geld zu verdienen. Deshalb ist es ihr wichtig, dass ihre Söhne für die Schule lernen. Sie sagt: "Das Leben ist ungerecht, darauf müssen sie vorbereitet sein." Sie ist eben eine Kämpferin. Und dann erinnern sie sich an etwas Lustiges, und sie lachen zusammen. Sie lachen und lachen, so sehr, dass sie fast vom Sofa fallen.

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