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Neuperlach:Zu wenig Grün im neuen Wohnquartier

Siemens-Parkplatz in München, 2020

Autos werden verschwinden, Häuser werden kommen: Auf dem von Siemens als Parkplatz für Angestellte genutzten Areal nördlich des Otto-Hahn-Rings darf ein Investor rund 750 Wohnungen errichten.

(Foto: Florian Peljak)

Auf dem "Siemens-Parkplatz" nördlich des Otto-Hahn-Rings soll ein Quartier mit 750 Wohnungen entstehen. Stadträte aller Fraktionen kritisieren, dass der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs die Vorgaben für die Freiflächen um 20 Prozent unterschreitet.

Von Hubert Grundner und Sebastian Krass, Neuperlach

Im Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung des Stadtrats ist jetzt das Planungskonzept für das neue Wohnquartier Parkplatz Nord "Siemens-Areal" in Neuperlach vorgestellt worden. Zudem wurden dazu die Ergebnisse der ausgelobten städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbe bekannt gegeben.

Auf dem Gelände nördlich des Otto-Hahn-Rings und östlich der Carl-Wery-Straße soll laut Rathaus-Pressestelle ein neues urbanes Quartier mit etwa 750 Wohnungen, sozialen Einrichtungen und entsprechender Grün- und Freiflächenplanung entstehen. Als Sieger aus dem städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs gingen diesen Mai Professor Biedermann Architekten, München, mit Mathias Wolf Landschaftsarchitekt, Fürstenfeldbruck, hervor.

Für das zirka sieben Hektar große Planungsgebiet wurde nach Ansicht der Stadtverwaltung "ein überzeugendes Konzept geschaffen, das den städtebaulichen Übergang zwischen der kleinteiligen Wohnbebauung im Norden und der großflächigen Gewerbestruktur im Süden schafft". Zugleich solle eine eigene Identität für das neue Quartier entstehen. Der wertvolle Gehölzbestand im Norden (Wall) solle erhalten bleiben und sei durch die Freiraumplanung eingebunden.

Bereits im Jahr 2019 hatten die Mitglieder des Stadtrats mit einem Aufstellungs- und Eckdatenbeschluss einer entsprechenden Entwicklung der Flächen zugestimmt. Vor dem Wettbewerb hatten Bürgerinnen und Bürger in einer Info-Veranstaltung eigene Anregungen und Hinweise beigesteuert. Als nächstes wird das Wettbewerbsergebnis durch den ersten Preisträger überarbeitet und so die Planung weiter konkretisiert. Auf dieser Basis erfolgen dann die weiteren Planungs- und Verfahrensschritte zur Erstellung eines Bebauungsplanes.

Denn in der Sitzung des Planungsausschusses hatten die Vertreter der verschiedenen Parteien im Stadtrat durchaus noch Schwachpunkte an den bisherigen Planungen ausgemacht. Brigitte Wolf (Linke) beispielsweise monierte, dass auch der schon reduzierte Umfang von Grünflächen in Wettbewerbsausschreibungen zunehmend von den Architekten ignoriert werde: "Das ist auch hier so. Alle Beiträge haben den Anteil von Grün und Freiflächen massiv unterschritten." Sie sehe darin eine Tendenz, der man entgegenwirken müsse. "Sonst schaffen wir Quartiere, bei denen die Leute in zehn oder 15 Jahren fragen: Wer hat denn das genehmigt?" Zumindest die reduzierten Anforderungen müssten beachtet werden.

Ähnlich äußerte sich Dirk Höpner (München Liste), dem alle Entwürfe eine Spur zu hoch und zu dicht gedacht erschienen. "Die Freiflächenanforderung wurde um 20 Prozent unterschritten. Das lehnen wir ab." Ganz so weit wollte Paul Bickelbacher (Grüne) nicht gehen. Er glaubt, dass man - wenn auch mit einigen Mühen - in der Überarbeitung des Siegerentwurfs noch auf die vorgegebenen 20 Quadratmeter pro Einwohner kommen werde. Auch Alexander Reissl (CSU) wies darauf hin, dass in seiner Fraktion die vorgesehenen 20 Quadratmeter öffentliches Grün diskutiert wurden. Das sei an der Kante geplant, sei aber im weiteren Verfahren zu heilen.

Außerdem, so Reissl, tauchte in der CSU-Fraktion die Frage auf: "Wie gehen wir in Zukunft mit dem Otto-Hahn-Ring um? Man könnte den Otto-Hahn-Ring ganz aus dem Bebauungsplan rausnehmen, dann wäre das einfacher für diesen Bebauungsplan." Später merkte er zu diesem Punkt noch an: "Wir wollen ja diesen Bebauungsplan in einer vernünftigen Zeit zum Satzungsbeschluss bringen." Eine Bebauung in der jetzt vorgeschlagenen Art, so Reissls Resümee zum Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs, sei jedenfalls besser als der bisherige Parkplatz an der Stelle.

Prinzipiell begrüßte auch Simone Burger (SPD) den Siegerentwurf - wegen der Geschossigkeit und der Höhe und der schönen Höfe, die dadurch entstünden. Aber auch die Sozialdemokraten wünschen sich eine Überarbeitung bei der Grünplanung, damit die Grenzen eingehalten werden. Burger fügte hinzu: "Der Otto-Hahn-Ring ist an der Stelle zu groß. Wie man da mehr Grün schaffen kann, das würden wir gern diskutieren."

Die von Brigitte Wolf beobachtete Tendenz, dass Planer immer öfter die ökologischen Vorgaben nicht einhalten würden, bestätigte schließlich Michael Hardi, der Leiter der Stadtplanung im Planungsreferat: "In der Tat kommt es in letzter Zeit in den Wettbewerben vermehrt vor, dass die Bilanz bei den Grün- und Freiflächen etwas zu schlecht ist. Ich kann Ihnen versichern: Wir legen Wert darauf, dass die Freiflächen, zehn Quadratmeter privat und zehn Quadratmeter öffentlich, nachgewiesen werden."

© SZ vom 05.11.2020/lfr
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