bedeckt München

Corona-Krise:Unternehmer fürchten um ihre Firmen

Leute mit Masken in der Theatinerstraße

Weniger los: Die Auswirkungen der Pandemie auf das Konsumverhalten spüren die Händler in der Münchner Innenstadt deutlich.

(Foto: Florian Peljak)

Eine Studie legt die Auswirkungen der Pandemie auf die Münchner Wirtschaft offen - rund ein Fünftel der Unternehmen sieht die Existenz bedroht.

Von Lea Arbinger

Die Infektionszahlen steigen im Moment wieder stark an. Für Unternehmen ist das eine erneute Bewährungsprobe - sowohl wirtschaftlich als auch personell. Schon jetzt geben 43 Prozent der Münchner Unternehmen an, dass sie die Corona-Krise wirtschaftlich stark getroffen hat. Gut ein Fünftel fühlt sich sogar existenzbedrohend betroffen. "Es hat sich leider bestätigt, was wir bislang vermutet haben", sagt Herbert Maier, Leiter des Segments Unternehmerkunden Süd von der Commerzbank.

Diese Zahlen gehen aus der aktuellen Unternehmerkunden-Studie im Auftrag der Commerzbank hervor. Befragt wurden bundesweit insgesamt 3500 Selbständige, Freiberufler und Unternehmer mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos. Darunter sind gut 100 Unternehmen, die ihren Sitz in der Metropolregion München haben.

Obwohl die Corona-Krise für die Unternehmen eine finanzielle Herausforderung ist, kamen 72 Prozent der befragten Münchner Unternehmen bisher ohne Personalmaßnahmen durch die Krise. Knapp ein Viertel hat Kurzarbeit angemeldet, acht Prozent verzichten derzeit auf Neueinstellungen, fünf Prozent aller Unternehmen mussten bisher Kündigungen aussprechen. 27 Prozent haben Zuschüsse von Land und Bund in Anspruch genommen. Die staatliche Unterstützung ist dabei meist geringer als 10 000 Euro. Mehr als jeder fünfte Arbeitgeber hat Kurzarbeitergeld beantragt.

Wo es der Job zugelassen hat, wurden Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Das bestätigt auch die Commerzbank-Studie: Über die Hälfte der Münchner Unternehmen nutzten Homeoffice bereits vor der Krise, neun Prozent haben es im Laufe des Jahres neu eingeführt. "Die Arbeitswelten haben sich deutlich verändert", sagt Herbert Maier. Was sich auch verändert hat, ist die Digitalisierung. 35 Prozent wollen in diesem Bereich mehr vorantreiben, vor allem im Bereich Marketing und Kundenkommunikation. Ein Fünftel kommuniziert zunehmend über soziale Medien. Innerhalb eines Jahres wollen 68 Prozent die Digitalisierung vorantreiben. Einige Unternehmen scheuen dafür keine Kosten: Jedes sechste Unternehmen will mehr als 50 000 Euro investieren. "Das ist ein richtiger Digitalisierungsschub." Mehr Solidarität, mehr Zeit für die Familie, mehr Kreativität und stärkerer Teamgeist: Rund ein Drittel der Münchner Unternehmen kann der Krise etwas Gutes abgewinnen. In flexiblen Arbeitszeiten und der Nutzung neuer Technologien sehen die Münchner Unternehmen eine Chance.

"Das ist vermutlich jetzt nur ein Zwischenstand - mal sehen, wie es weitergeht", sagt Maier. "Das ist eine Glaskugel." Die Münchner Unternehmer seien - verglichen mit ganz Deutschland - "robuster in die Krise gegangen". Das heiße für die Zukunft, dass sie besser gerüstet sind. "Aber natürlich haben die letzten Monate an den Reserven gezehrt." Ein zweiter Lockdown wäre nach Maiers Einschätzung für viele nicht zu bewältigen.

© SZ vom 23.10.2020/vewo
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