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Unterstützung kleiner Geschäfte:Lehrerin übernimmt Monatsmiete für Buchladen

Als Ulrike Pauli (links) durch Sendling spazierte, kam ihr die Idee, kleinen Läden zu helfen. Etwa der kleinen Buchhandlung von Sigrid Gatter.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Ich gehöre sicher nicht zu den Superreichen", sagt Ulrike Pauli. Aber da ihr Oster-Urlaub ausgefallen ist, gibt sie ihr Geld so aus. Jetzt sucht sie auf einer Internetseite Menschen, die weitere Läden unterstützen.

Viele kleine Geschäfte in München haben derzeit schwer mit der Krise zu kämpfen, manchen droht schon jetzt das Aus. Manche haben aber auch Glück und treffen auf Menschen, die ihnen helfen. So wie die Sendlinger Buchhandlung in der Daiserstraße 2. Sie bekam einen Anruf aus der Nachbarschaft: Die Gymnasiallehrerin Ulrike Pauli fragte, wie sie helfen könne, und ob sie vielleicht eine Monatsmiete übernehmen dürfe? Sie durfte. Und aus dem Angebot wurde jetzt auch die Webseite www.helfer-in-der-krise.de, die Läden in Not und Unterstützer zusammenbringen soll.

SZ: Frau Pauli, wie kamen Sie auf die Idee mit der Monatsmiete?

Ulrike Pauli: Man liest es ja in den Zeitungen und hört es auch in anderen Medien, dass es den kleinen Läden nicht gut geht. Außerdem ist nicht klar, ob sie die Krise überstehen, obwohl es diese staatlichen Hilfen gibt. Wenn man so durchs Viertel spaziert, sieht man ja überall in den Schaufenstern die Schilder: "Wir haben geschlossen", aber auch, wie kreativ einzelne, kleine Läden werden, mit Lieferservice, oder dass Restaurants etwas zum Mitnehmen anbieten. Man sieht aber auch ganz viele, die komplett geschlossen haben. Da habe ich mich dann schon gefragt: Wie geht's eigentlich den Inhabern und den Menschen, die dort normalerweise arbeiten? Ich kann da ja eigentlich sehr glücklich sein, weil ich Lehrerin bin, ein geregeltes Einkommen und finanziell gerade keine Probleme habe. Und dann bin ich auf die Idee gekommen: Mensch, vielleicht kann man als einzelne Person ja auch helfen?

Dann haben Sie einfach mal nachgefragt?

Genau. Ich habe mich ein bisschen umgeschaut im Viertel und dann den Telefonhörer in die Hand genommen und beim Buchladen angerufen und gefragt, wie's denen jetzt wirklich so geht? Die Dame von der Sendlinger Buchhandlung war gleich sehr dankbar und total begeistert von der Idee, dass ich eine Monatsmiete übernehmen will.

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Ja! Ich war auch immer mal wieder Kundin in der Sendlinger Buchhandlung. Ich finde das einfach nett, dass es hier in Sendling noch diesen kleinen Buchladen gibt, und eben nicht jeder bei Amazon bestellt oder bei den großen Läden in der Innenstadt.

Aber ein gewisses Opfer ist das schon, eine Miete zu übernehmen.

Ich habe mir gesagt: "Ich wäre jetzt halt in den Osterferien in Urlaub gefahren, ich hätte da auch Geld ausgegeben." Ich hatte zwar noch nichts fest gebucht, aber ich hätte sicher etwas gemacht. Und so brauche ich das Geld aktuell gerade nicht, da geht so etwas schon einmal. Ich dachte mir halt: Mensch, das wäre doch eigentlich eine tolle Sache. Mir tut das jetzt nicht weh. Ich gehöre sicher nicht zu den Superreichen, die wahnsinnig viel Geld haben, aber so einen kleinen Laden möchte ich doch unterstützen. Und wenn jeder einzelne das machen würde: Das wäre doch was, oder?

Und deshalb haben Sie gleich auch noch eine Webseite gebastelt, um andere auch dazu zu motivieren?

Ja. Die Idee war: Vielleicht würden viele ganz gerne helfen. München ist ja an und für sich eine reiche Stadt, da müsste es genügend Leute geben, die viel Geld haben, viel mehr als ich. Und wenn wir da alle zusammenhelfen, könnten wir sicher sehr viele Läden - oder auch Künstler, Freischaffende - unterstützen. Die Webseite hilft dabei. Ich habe so etwas auch noch nie gemacht und dachte mir, das probiere ich jetzt einfach mal aus. Inzwischen ist www.helfer-in-der-krise.de online. Dort können sich potentielle Unterstützer ebenso Informationen holen wie Läden, die Unterstützung brauchen.

Sehr schön, auf welche Ideen Lehrer kommen, wenn die Schule ausfällt!

Ja, stimmt (lacht).

Wie waren denn die bisherigen Reaktionen?

Ich habe vor allem ehemalige Schüler angeschrieben, ob die mir ein paar Tipps geben können. Die fanden das alle toll und waren begeistert. Ich habe aber auch schon kritische Stimmen gehört: Ob sich da wirklich gerade die melden, die Unterstützung brauchen? Und ob das nicht vielleicht auch ausgenutzt wird? Aber ich hoffe einfach mal auf die Ehrlichkeit derer, die unterstützt werden sollen. Dass die gegebenenfalls auch sagen: nette Idee, aber ich brauche es eigentlich nicht.

Es besteht bei "Helfer in der Krise" aber keine Pflicht, gleich eine ganze Monatsmiete zu übernehmen, oder?

Nein! Man kann ja auch nur einen Teil davon übernehmen oder sich eine ganz andere Art der Unterstützung überlegen. Es gibt ja auch schon Aktionen mit Gutscheinen, die man jetzt kauft und später dann einlösen kann. Schön wäre es halt, wenn die, die es sich leisten können, sich auch etwas ausdenken, wie man anderen helfen kann. Damit man sich nicht nur auf den Staat verlässt. Das wäre schon schön.

© SZ vom 11.04.2020/baso
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